Interview mit der Investor Relations Managerin Stefanie Mader

Investor Relations Manager sind die Verbindung zwischen den Kapitalmarktteilnehmern und den Unternehmen. Basis für diesen Job sind Kommunikationsfähigkeit und ein gutes Wissen über den Finanzbereich. Das folgende Interview mit Stefanie Mader gibt Aufschluss über die Tätigkeiten und die Ausbildung eines Investor Relations Managers.

Frau Mader, Sie sind Investor Relations Managerin bei der Österreichischen Post. Was sind die Aufgaben einer IR-Managerin? Wie kann man sich die Tätigkeit vorstellen?

Mader: Als börsennotiertes Unternehmen ist die Österreichische Post verpflichtet, ihre finanzielle und nichtfinanzielle Entwicklung transparent offenzulegen. Die Investor Relations-Abteilung trägt dabei die Hauptverantwortung für die Kapitalmarktkommunikation.

Wir sind die zentrale Anlaufstelle für Aktionär*innen – sowohl institutionelle als auch private –, für Analyst*innen sowie für potenzielle Investor*innen. Wir beantworten laufend Fragen zur Geschäftsentwicklung, Strategie und zu unseren Finanzkennzahlen und müssen daher jederzeit sehr gut informiert sein. Der Austausch reicht von kurzfristigen Telefonaten bis hin zu persönlichen Gesprächen bei Roadshows und Investorenkonferenzen.

Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit liegt darüber hinaus in der Vorbereitung und Erstellung von Unterlagen rund um unsere Veröffentlichungstermine, etwa Quartals- und Jahresergebnisse. Dafür stimmen wir uns intensiv mit verschiedenen Fachbereichen ab – insbesondere mit Rechnungswesen und Controlling, die uns die relevanten Kennzahlen liefern, sowie auch mit dem Vorstand. Dabei ist es besonders wichtig, klare, konsistente Botschaften zu formulieren und so das Vertrauen des Kapitalmarkts nachhaltig zu stärken.

Wie sieht normalerweise Ihr Tagesablauf aus?

Mader: Einen klassischen, immer gleich ablaufenden Tagesablauf gibt es in der Investor Relations nicht. Unser Daily Business orientiert sich stark am Finanzkalender – insbesondere an den Quartalsveröffentlichungen und der Hauptversammlung.

Rund um unsere Quartalszahlen bereiten wir zahlreiche Unterlagen vor, darunter den Quartalsbericht, Präsentationen, Pressemitteilungen und begleitende Excel-Sheets. Diese Phasen sind besonders intensiv und von vielen Abstimmungen geprägt.

Generell besteht unser Arbeitsalltag aus einer Vielzahl an Meetings, Abstimmungen und Telefonaten – sowohl intern als auch extern.
Darüber hinaus gibt es viele unterschiedliche Aufgaben, die parallel laufen: von der Betreuung der Website über die Vorbereitung von Social-Media-Posts und Videodrehs bis hin zur Erstellung von Peer-Vergleichen oder der Organisation von Veranstaltungen wie der Hauptversammlung oder dem Privataktionär*innentag.

Welche Voraussetzungen bzw. Fähigkeiten sollte man mitbringen, um diesen Beruf ausüben zu können?

Mader: Für die Tätigkeit im Investor Relations sind vor allem ein ausgeprägtes Zahlenverständnis und sehr gute Kommunikationsfähigkeiten entscheidend.

Man arbeitet täglich mit unterschiedlichsten Stakeholdern – angefangen bei internen Abteilungen und dem Vorstand bis hin zu Investor*innen, Kapitalmarktvertreter*innen und Journalist*innen. Dafür braucht es ein gutes Gespür, die unterschiedlichen Interessen und Informationsbedürfnisse zu verstehen und adressatengerecht zu kommunizieren.

Ebenso wichtig ist eine sehr sorgfältige und genaue Arbeitsweise. Insbesondere bei der Veröffentlichung von finanziellen und nichtfinanziellen Informationen dürfen keine Fehler auftreten, da diese direkt vom Kapitalmarkt wahrgenommen und bewertet werden.

Gibt es Anforderungen, die eine Bewerberin bzw. ein Bewerber auf jeden Fall erfüllen muss?

Mader: Einen klassischen „vorgegebenen“ Karriereweg für Investor Relations gibt es nicht. Viele IR-Manager*innen kommen erfahrungsgemäß aus unterschiedlichen Bereichen – häufig aus der Kommunikation oder dem Finanzbereich. Das vereint zugleich die beiden zentralen Kernkompetenzen in der Investor Relations: zum einen das Verständnis und die Interpretation von Unternehmenskennzahlen, zum anderen ein sicherer und adressatengerechter Sprachgebrauch.

Vieles lernt man tatsächlich im Job selbst, daher spielt „Learning by Doing“ eine große Rolle. Wichtig ist vor allem die Bereitschaft, sich in neue Themen einzuarbeiten und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Entscheidend ist außerdem eine proaktive Arbeitsweise: Man sollte Themen eigenständig aufgreifen, Verantwortung übernehmen und keine Scheu davor haben, sich in komplexe Sachverhalte hineinzudenken..

Vielen Dank für das Gespräch!