Interview mit Werner Fürst

Herr Fürst, Sie sind Head of Institutional Equity Sales Vienna bei der Erste Group Bank AG. Was sind die Aufgaben eines Sales-Verantwortlichen bzw. -Mitarbeiters? Wie kann man sich die Tätigkeit vorstellen?

Fürst: Der Equity Sales-Desk einer Bank betreut institutionelle Investoren in einer definierten Region und fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen Kundinnen und Kunden und Kapitalmarkt. Dementsprechend breit ist das Aufgabengebiet. Im Fokus steht der Vertrieb von Aktien, in unserem Fall liegt der Schwerpunkt insbesondere auf Österreich sowie der CEE-Region. Darüber hinaus gehört die Generierung und Vermittlung von Investmentideen zu den wesentlichen Aufgaben. Sales Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind sowohl im Primary Business (z. B. IPO’s, SPO’s, Platzierungen) involviert als auch im Secondary Business (Aktienhandel) aktiv. Ergänzend dazu verantworten sie die Vermarktung und den Vertrieb des hauseigenen Researchs und organisieren online Meetings, Roadshows und Konferenzen mit börsennotierten Unternehmen ebenso wie mit Analystinnen und Analysten. 

Der Head of Institutional Equity Sales trägt die Profit/Loss-Verantwortung, koordiniert die Aufgaben und ist für die Führung sowie Weiterentwicklung des Teams verantwortlich.

Wie sieht normalerweise Ihr Tagesablauf aus?

Fürst: Der Arbeitstag beginnt typischerweise um 8:15 Uhr mit einem Morning Call, in dem Analystinnen und Analysten aus den jeweiligen Regionen die Sales-Teams mit aktuellen Marktinformationen und Unternehmensnachrichten briefen. Direkt im Anschluss werden Kundinnen und Kunden kontaktiert, um ihnen aktuelle Ideen, Updates und Markteinschätzungen weiterzugeben.

Ergänzend dazu finden regelmäßig persönliche und virtuelle Meetings mit börsennotierten Unternehmen sowie internen Abteilungen wie Research, ECM, Backoffice, IT, Compliance und der Rechtsabteilung statt. Auch der Austausch mit Börsen gehört dazu. Darüber hinaus organisieren wir kurzfristig Einzelgespräche oder Gruppencalls zwischen Investorinnen und Investoren und börsennotierten Unternehmen. Ein wesentlicher Teil unserer Tätigkeit besteht daher in Koordination, Organisation und laufender Kommunikation.

All dies erfolgt stets mit engem Blick auf das Marktgeschehen. Wichtige intraday-Ereignisse (z. B. Ad-hoc-Meldungen) werden unmittelbar über Bloomberg-Chat und/oder E-Mail an unsere Kundinnen und Kunden weitergegeben. Zusätzlich führen wir Kundenorders direkt am Markt aus, d. h. wir kaufen und verkaufen Aktien im Auftrag der Investorinnen und Investoren.

Der Arbeitstag endet in der Regel mit der Schlussauktion an der Wiener Börse.

Welche Voraussetzungen bzw. Fähigkeiten sollte man mitbringen, um diesen Beruf ausüben zu können?

Fürst: Eine Grundvoraussetzung für die Tätigkeit im Institutional Sales ist ein ausgeprägtes Interesse an Wirtschaft und Kapitalmärkten, idealerweise kombiniert mit Freude an der Kommunikation sowie der Bereitschaft, offen und aktiv auf andere zuzugehen. Da auch die Ausführung von Orders zu den Aufgaben zählt, sind ein gutes analytisches Verständnis und eine sorgfältige Arbeitsweise ebenfalls von Vorteil.

Die meisten Sales-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter verfügen über ein wirtschaftliches Studium, die Händlerprüfung sowie häufig zusätzliche Qualifikationen wie den CFA oder vergleichbare Zertifizierungen.

Entscheidend ist darüber hinaus die Fähigkeit, aktiv auf Menschen zuzugehen, Verbindungen zu Kundinnen und Kunden sowie Kolleginnen und Kollegen aufzubauen bzw. zu pflegen und sich in einem sehr kompetitiven Umfeld sicher zu bewegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den Kundinnen und Kunden um hochprofessionelle Marktteilnehmer handelt.

Gibt es Anforderungen, die ein Bewerber bzw. eine Bewerberin auf jeden Fall erfüllen muss?

Fürst: Das Anforderungsprofil zeichnet sich durch ein tiefes Verständnis der Kapitalmärkte aus, analytische Stärke, Flexibilität, Kommunikationsfähigkeiten, ein gewisses Sales-Mindset und die Bereitschaft Dienstreisen durchzuführen.

Vielen Dank für das Gespräch!