Ausgelöst durch COVID-19 (Coronavirus) sehen wir seit Mitte Februar erhöhte Schwankungen an den weltweiten Börsenmärkten. Die börsliche Infrastruktur wird aktuell so intensiv genutzt wie zuletzt bei der BREXIT-Entscheidung und der Finanzkrise 2008. Als verlässlicher Infrastrukturprovider ist es gerade in turbulenten Zeiten die Aufgabe der Börse, den transparenten Handel zu gewährleisten, um Investoren den Verkauf bzw. Kauf von Wertpapieren jederzeit zu ermöglichen. Schließt ein Börsenplatz, und das hat die historische Erfahrung von 2008 gezeigt, verursacht das noch größere Panik bei Investoren und Irritationen am Markt. Bei alleiniger Schließung der Wiener Börse würden österreichische Aktien sofort an alternativen Marktplätzen mit weniger Liquidität und noch größerer Volatilität gehandelt werden. Für die österreichische Nationalbörse hat es oberste Priorität, im Einklang mit internationalen Handelsplätzen zu agieren. 

Die wichtigsten Schutzmechanismen im Überblick

An der Wiener Börse, wie an vielen weiteren Börsen Europas, gibt es seit Jahrzehnten erprobte Stabilitäts- und Schutzmechanismen. Technische und funktionale Mechanismen stellen einen reibungslosen Börsenhandel auch in extremen Marktsituationen sicher.

Entschleunigung durch die Volatilitätsunterbrechung

Die Volatilitätsunterbrechung ist einer der wichtigsten Schutzmechanismen im Handelssystem. Im Englischen auch „Circuit-Breaker“, also Schutzschalter genannt, leistet sie seit Jahrzehnten einen bedeutenden Beitrag zur Vermeidung von abrupten, unbeabsichtigten Preissprüngen. 

Liegt der potenziell nächste Börsenpreis außerhalb definierter Korridore (Details siehe Infobox auf der rechten Seite), so wird der Preis nicht sofort gebildet, sondern eine Volatilitätsunterbrechung eingeleitet und der Handel für eine bestimmte Zeit (Dauer nach Handelsverfahren und Marktsegment unterschiedlich – im Fortlaufenden Handel z.B. 2 Minuten) unterbrochen. Das hat den Vorteil, dass bis zur nächsten Preisbildung Aufträge gesammelt werden. Liquidität wird sozusagen gebündelt. Durch diese „Verschnaufpause“ wird Marktteilnehmern (Investoren) mehr Zeit verschafft, um die Situation zu analysieren. Gegebenenfalls können Änderungen an den Aufträgen (z.B. am Preis oder der Menge) gemacht werden. Die Preisfeststellung am Ende einer Volatilitätsunterbrechung erfolgt – so wie auch in einer Auktion – nach dem Meistausführungsprinzip, das bedeutet der Preis wird aus der Summe der Kauf- und Verkaufsaufträge dort ermittelt, wo unter Berücksichtigung aller Aufträge der größte Umsatz möglich ist.

Bei besonders großen Preissprüngen kann der Handel durch eine „erweiterte (extended) Volatilitätsunterbrechung“ unterbrochen werden. Volatilitätsunterbrechungen können während des Fortlaufenden Handels oder auch nach dem Ende von Auktionen (Volatilitätsunterbrechung verlängert die Auktion) auftreten.

Volatilitätsunterbrechung als Schutzmechanismus im Börsenhandel

Weitere Schutzmechanismen

Von der Order-Eingabe, über die technischen Datenleitungen bis hin zur Preisbildung an der Börse und auch im Nachhandel – die Börsenwelt verfügt über zahlreiche Schutzmaßnahmen. Vorhandelskontrollen wie z.B. die Validierung der maximalen Auftragsmenge verhindern die Eingabe von Aufträgen mit zu großer Menge ins Orderbuch. Am Weg zur Börse schützt die technische Drosselung der Leitungen vor einer Überlastung des Handelssystems. Die maximale Auftragsanzahl pro Handelsteilnehmer pro Sekunde ist begrenzt. Die Volatilitätsunterbrechung bewahrt, wie ausgeführt, vor ungewollten, raschen Preissprüngen. Das zufällige Ende von Auktionen schützt vor Marktmanipulation. Auch im Nachhandel besteht höchste Abwicklungssicherheit. Im Clearing hinterlegen alle Teilnehmer Sicherheiten, um die Ausführung der Geschäfte zu garantieren. All diese Schritte stärken das Vertrauen aller Handelsteilnehmer in die börslichen Preise .

Volatilitätskorridore