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Wiener Börse News

Starker Trend zu Ethikfonds

Patrick Baldia | Börsen-Kurier

Mehr als nur eine Modeerscheinung: Anleger setzen verstärkt auf Nachhaltigkeit.

„Sowohl unter Privatanlegern als auch institutionellen Investoren ist die Nachfrage nach nachhaltigen Veranlagungen in den vergangenen Jahren immens gestiegen“, sagt Florian Hauer, er ist Aktienmanager bei der Kepler-Fonds KAG, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. Das bestätigen auch Zahlen der Vereinigung österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG). Allein im ersten Quartal verzeichneten nachhaltige Fonds einen Volumenzuwachs von 25 %. Seit 2011 steht sogar ein Plus von 400 % zu Buche.

Für Experten steht jedenfalls fest: Die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds bzw. Ethikfonds, die die Bereiche Umwelt, Soziales und Corporate Governance (ESG, Anm.) berücksichtigen, steigt. Das größte Potenzial machen sie unter Privatanlegern aus. Zwar sollte auch das Interesse seitens Institutioneller weiter zunehmen, diese hätten sich aber schon viel früher mit dem Thema nachhaltiges Investieren beschäftigt. Klare Vorreiter sind in Österreich die betrieblichen Vorsorgekassen. Sie sind aber auch dazu verpflichtet auf Basis von nachhaltigen Kriterien zu investieren.

„Ein wichtiger Grund für die boomende Nachfrage ist sicherlich, dass Sorgen um Renditechancen und Risiken von nachhaltigen Veranlagungen, die bekanntlich früher groß waren, mittlerweile von diversen Studien widerlegt worden sind. Sie haben gezeigt, dass das Anlageuniversum mit einschlägigen Produkten zwar eingeschränkt ist, aber dennoch gute Performancechancen gegeben sind“, so Hauer. Schließlich würden damit auch viele Risiken wie Korruption, die der Kursentwicklung schaden können, gemindert. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass auch mehr und mehr konventionelle Fonds ESG-Kriterien berücksichtigen.

Laut VÖIG haben nachhaltige Aktienfonds Anlegern in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt eine Performance von mehr als 4 % p.a. gebracht. Mit einschlägigen Misch- und Anleihenfonds waren rund 3 bzw. 1 % drinnen. Wie eine aktuelle Umfrage von NN Investment Partners unter 290 professionellen Anlegern zeigt, sehen diese, wenn es um Renditechancen geht, das größte Potenzial (60 %) in Umweltfaktoren. Governance (40 %) und soziale Faktoren (15 %) folgen mit deutlichem Abstand. Dabei würden auch diese Renditechancen bieten und zum Aufbau eines diversifizierten Portfolios beitragen, so Adrie Heinsbroek, Leiter Responsible Investment bei NN Investment Partners.

Zu einem großen Thema beim nachhaltigen Investieren ist in den letzten Jahren die „Impact-Messung“ geworden. So wird etwa verstärkt darauf geschaut, ob Unternehmen einen positiven ESG-Beitrag leisten oder nicht. Ein bekanntes Kriterium ist der CO2-Fußabdruck von Firmen. „Auch der Wasserverbrauch wird verstärkt unter die Lupe genommen“, erklärt Hauer. Die Erste Asset Management (EAM) hat etwa 2018 erstmals den Wasserfußabdruck für ihre nachhaltigen Aktienfonds veröffentlicht und ist überzeugt, damit ein wichtiges Zeichen gesetzt zu haben: Mit steigendem Investorendruck würde auch der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser an Bedeutung gewinnen.

Dass Ethikfonds stark an Bedeutung gewonnen haben, hat im Übrigen auch eine weitere positive Entwicklung zur Folge: Da sie mehr Anteile an Unternehmen halten, können sie sich auch verstärkt engagieren, um diese zur Nachhaltigkeit bewegen. Mit nachhaltigen Fonds können Anleger also durchaus einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Folgen des Klimawandels sowie zur Durchsetzung sozialer Anliegen leisten. Dass sich damit auch gutes Geld verdienen lässt, dürfte sich mittlerweile unter Anlegern herumgesprochen haben.

 

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Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.