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Marktanalyse: Die Rally ist erst vorbei, wenn sie vorbei ist

Thomas Neuhold

Trotz des allgemeinen Hypes über neue „Allzeitshöchststände“ ist der kontinuierliche Anstieg der US-Aktienindizes irrreführend. Die Marktbreite des Anstiegs hat sich in den letzten Wochen weiter verengt.  Wichtige US-Aktienindizes sind mitterweile so konzentriert, dass sie kaum noch die Entwicklung des breiten Aktienmarkts reflektieren. Die internationale Outperformance der US-Aktienmärkte ist ausschließlich auf eine kleine Gruppe von großen „Tech-Wachstumsstars“ zurückzuführen. Ohne deren Beitrag, hätten alle entwickelten Aktienmärkte in einer Phase der Konsolidierung verweilt.

Eine wichtige Botschaft in diesem Sommer ist, dass der Versuch die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen unter 0,5 % zu drücken, gescheitert scheint. Der Rückgang realer Renditen von US-Staatsanleihen scheint vorerst gestoppt.

Die aktuelle Divergenz zwischen der Entwicklung der US-Aktienmärkte und der implizierten Volatilität sendet ein Warnsignal. Die Positionierung der Investoren im Optionsmarkt ist sehr einseitig. Wir erwarten eine turbulentere Marktentwicklung in den nächsten Monaten. Weiters erscheinen positive ökonomische Überraschungen aufgrund der gestiegenen Erwartungshaltungen zunehmend schwierig, insbesondere in Europa. Darüber hinaus habe viele große Volkswirtschaften die Lockerung der COVID-19-Maßnahmen abgeschwächt bzw. verzögert.

Unser Eindruck ist, dass der Anstieg des S&P500 Im Bereich zwischen 3500 und 3650 Punkten in diesem Monat stoppen wird. Eine Periode der Konsolidierung wird wahrscheinlich jeder Korrektur vorangehen. In Europa glauben wir nicht, dass die aktuelle Konsolidierungsformation nach oben durchbrochen werden wird. Ein Fehlschlag des Ausbruchs könnte ein Antesten des unteren Bereichs der Konsolidierungsformation nach sich ziehen.

Autor:
Thomas Neuhold, CFA
Head of Austrian Equity Research
Kepler Cheuvreux
4. September 2020

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Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

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