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Liquidität sichern abseits von Förderungen

Manfred Kainz | Börsen-Kurier

Der „Senat der Wirtschaft“ setzt auf freien Kapitalmarkt und innovative Capital-Raising-Möglichkeiten.

Viel wird geredet über die Milliardenpakete zur Belebung unserer Corona-Krisen-gebeutelten Unternehmen. Die endgültige Kosten-Nutzen-Rechnung wird wohl erst in vielen Monaten kommen, aber was schon heute feststeht: Der Topf an Fremdmitteln und Förderungen ist noch dicker geworden.

„Freiheit“

„Wir brauchen den richtigen Sprit in den Motoren der Unternehmen: Liquidität und Eigenkapital“. Das betont Hans Harrer, Vorstandsvorsitzender der unabhängigen Unternehmerorganisation „Senat der Wirtschaft“. Diese hat sich aus aktuellem Anlass dem Motto „Liquidität abseits von Förderungen“ verschrieben. Harrers Credo: Unser Kapitalmarkt brauche „Freiraum“, jetzt sei die richtige Zeit für „eine mutige Reform“. Denn „wir brauchen einen Kapitalmarkt, der frei ist. Sonst bleiben wir eine Republik der Förderer. Und wer zahlt's? Alle Steuerzahler!“ Die Forderung heiße also „Aufbrechen der Zwangsjacke Bürokratie für den Kapitalmarkt.“ Kapital sei „in Massen vorhanden“. Auch die Unternehmen müssten in sich gehen: Wenn Partner hereinkommen, „befruchten“ diese nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Know-how. Deshalb fordert Harrer auf, „nicht Angst zu haben vor innovativen Finanzierungen“. Es gebe „so viele Möglichkeiten, Kapital zu raisen“, man müsse es nur tun.

Aktien für KMU

Konkrete Möglichkeiten dazu können weitere „Senatoren der Wirtschaft“ anbieten. Etwa Günther Lindenlaub, Gründer und CEO des Crowdinvesting-Anbieters Finn-est. Man sei unter dem Motto „Kapitalmarkt für den Mittelstand“ mit dem neuen Partner Invesdor, „das erste FinTech“ hierzulande, das eine Wertpapieremission für den österreichischen Mittelstand ermögliche und die erste solche Aktienemission abgewickelt hat. Invesdor ist eine aktienbasierte, nordeuropäische Crowdfunding-Serviceplattform. Mit der Abwicklung von Aktienemissionen darüber könne man sich auf den direct market der Wiener Börse vorbereiten, Investor Relations „testen“ und Aktien zeichnen, nennt Linsenlaub die USPs der Investor-Plattform.

Am meisten nachgefragt seien aber Genussrechte bzw. Genussscheine. Vorteile für die Firmen: Geringer Aufwand, keine Verwässerung der Eigentumsverhältnisse, echtes Eigenkapital in der Bilanz, aber ohne allzu strenge Publizitätspflichten.

Kreislaufstärkung

„Liquidität ist der Blutkreislauf in Unternehmen“, so Senator Andreas Draxler, Vorstandsmitglied von A.B.S. Factoring, und betont die Anwendungsbreite von Factoring; also die Abtretung von Forderungen mit Zahlungsziel an einen „Faktor“ im Gegenzug für schnelle Liquidität: Nützen können das KMU, Unternehmensgründer/Startups, wachstumsorientierte Unternehmen, aber auch Unternehmen in Restrukturierungs- und Sanierungsphasen und in Fällen der Unternehmensübergabe. Er sieht gleich mehrere positive Auswirkungen auf die Unternehmen: ein besseres Bilanzbild, höhere Eigenkapitalquote, damit besseres Rating, Sicherheiten bleiben (bzw. werden) frei für Investitionen, und Absicherung der eigenen Kreditlinien.

Equity 2.0

Einen anderen Weg an schnelle Liquidität zu kommen nennt der CEO von Tauros Capital Management Werner Edlinger: Eigenkapitalbeteiligung in Form von Nachrangkapital. Aber nicht gegen Unternehmensanteile, sondern gegen einen zu vereinbarenden Anteil am Umsatz. Vorteile für die Unternehmen: Es sind keine Sicherheiten nötig, es gibt keine Anteilsverwässerung und es stärkt die Eigenkapitalbasis ohne neue Gesellschafter. Daher gibt es keine Bewertungsdiskussionen und es ist kein Exit für die Kapitalrückzahlung am Ende der Laufzeit (fünf bis acht Jahre) notwendig.

Fiskalisches Zuckerl: der Finanzierungsaufwand ist steuerlich absetzbar. In Frage kommt dieses „Equity 2.0“, wie es Edlinger nennt, für wachstumsorientierte KMU mit nachhaltigem Geschäftsmodell, Umsätzen ab 5 Mio Euro p.a. und stabilem positiven Cashflow. „Typische Anlässe“: Rekapitalisierung zur Unternehmensstabilisierung und zur Fremdkapital-/ Bonitätsverbesserung, Wachstumsfinanzierung, Akquisitionsfinanzierung, und/oder zum Aufschub von Anteilsveränderungen.

 

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