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„Grüne“ Fonds bewähren sich

Patrick Baldia | Börsen-Kurier

Corona-Pandemie wird dem Boom der nachhaltigen Anlagen kein Ende bereiten.

Nachhaltige Veranlagungen haben seit der Finanzkrise massiv an Bedeutung gewonnen. Ende 2019 waren mehr als 860 Mrd Euro in einschlägigen Fonds investiert - und damit so viel wie nie zuvor. Experten meinen, dass auch die Covid-19-Pandemie dem Boom kein Ende bereiten wird. Darauf deutet auch der aktuelle „Global Sustainable Fund Flows Report“ von Morningstar. Demnach haben ESG-Fonds im ersten Quartal 2020 Zuflüsse von mehr als 40 Mrd Euro verzeichnet. Aus dem gesamten Fondsuniversum wurden hingegen 345 Mrd Euro abgezogen. Anmerkung: ESG steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Aufsichtsstrukturen).

Ende März belief sich das globale ESG-Fondsvermögen auf knapp 760 Mrd Euro. Das entspricht zwar einem Minus von 12 % gegenüber Ende 2019, mit 18 % ging das gesamte globale Fondsvolumen aber noch stärker zurück. Worauf ist dies zurückzuführen? „Dass nachhaltige Fonds in den letzten Wochen eine bessere Performance geliefert haben, liegt einerseits an der höheren Qualität der Unternehmen und andererseits an branchenspezifischen Gründen“, meint Michael Huber vom Team „Nachhaltige Investments“ bei der Raiffeisen KAG gegenüber dem Börsen-Kurier.

„Qualität setzt sich langfristig immer durch“, so Huber. Aus der Sicht von ESG-Investoren gehe es hier aber nicht nur um die Nachhaltigkeit der angebotenen Produkte und Dienstleistungen, sondern auch um fundamentale Aspekte. So müssten etwa die Finanzen passen. „Unternehmen, die einen finanziellen Polster haben, werden Krisen besser überdauern. Jene, bei denen das nicht der Fall ist, geraten gerade in schwierigen Phasen eher unter Druck“, meint Huber.

„Dass wir parallel zur Covid-19-Krise auch eine Ölkrise erleben, hat Fonds, die wie wir nicht in Öl-Explorationsunternehmen investiert sind, geholfen“, so Huber weiter. Aber auch Fluglinien, Flughäfen, Kreuzfahrtbetreiber und Reiseveranstalter, die bekanntlich besonders von Krise betroffen sind, würden sich nicht in Portfolios, die nach strengem ESG-Ansatz gemanagt werden, finden. Auf der anderen Seite habe eine hohe Gewichtung des Gesundheitssektors geholfen. Auch erneuerbare Energien hätten vergleichsweise wenig gelitten. Bei einigen Windpark-Errichtern und -Betreibern würde YTD sogar ein kleines Plus zu Buche stehen.

Die Widerstandsfähigkeit von ESG-orientierten Unternehmen in der aktuellen Krise kann für Jean-Jacques Barbéris von Amundi auch an der größeren Loyalität der Anleger liegen. „Analysen zeigen, dass die Zuflüsse in ESG-Investmentfonds sensibler als herkömmliche Fonds auf positive Renditen in der Vergangenheit reagieren, aber weniger auf negative Renditen“, sagt er. So dürften Anleger aus dem einfachen Akt des verantwortungsvollen Investierens einen positiven Nutzen ziehen, der die mit einer negativen Performance verbundenen Nachteile ausgleicht.

„Unsere Analyse deutet darauf hin, dass die Vorliebe für ESG-Themen während der Krise eher zugenommen hat“, glaubt Experte Barbéris, dass Nachhaltigkeit trotz der Auswirkungen der Covid-19-Krise weiterhin eine Priorität für Investoren haben wird. „Immer mehr institutionelle Investoren verschreiben sich dem Thema Nachhaltigkeit und auch Assetmanager steigen immer öfter auf ESG-Strategien um“, so auch Huber. Das dürfte eine Folge haben: die Bewertungsschere sollte weiter aufgehen. „Man kann klar sagen: Nachhaltige Unternehmen sind mittlerweile teurer geworden“, so Huber.

 

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