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Wiener Börse News

Europa gegen Amerikas Tech-Giganten

Jens Korte | Börsen-Kurier

Mehr als neun Milliarden USD soll Google an die Europäische Union zahlen. Der Vorwurf lautet auf Verstoß gegen faire Wettbewerbsbestimmungen. Seit zehn Jahren laufen die Untersuchungen. Nun gab es eine weitere Anhörung vor fünf Richtern in Luxemburg. Der Fall ist insofern wegweisend, weil das Urteil Signalwirkung für andere Klagen gegen große amerikanische Tech-Unternehmen wie Amazon, Apple oder Facebook haben könnte. Haben die Europäer ein besseres Verständnis von Regulierung und fairem Marktzugang als die Amerikaner? 

Nun, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Es gibt keine großen europäischen Technologiekonzerne, gegen die Washington vorgehen könnte. Unter den zehn größten Tech-Firmen auf der Welt stammen drei aus Asien und sieben aus den USA. Eine Monopolstellung eines EU-Konzerns ist in dem Sektor entsprechend kein großes Thema. Und dass sich Washington sträubt, gegen amerikanische „Techies“ vorzugehen, liegt auf der Hand. 

Der Vorwurf, dass Google, Facebook und Co. ihre Segmente beherrschen und ihre Stellung ausnutzen, ist durchaus nachvollziehbar. Wie WhatsApp vergangene Woche mitteilte, wurden erstmals zwei Milliarden aktive User übersprungen. Damit hat die App fast so viele User wie Facebook. Das Social-Media-Unternehmen hatte WhatsApp 2014 für die damals schwindelerregende Summe von 19 Mrd USD geschluckt. Zwei Jahre zuvor hatte Facebook bereits Instagram für eine Milliarde Dollar aufgekauft. Damit hat Facebook eine monopolartige Position bezogen. Googles Suchmaschine hat bisher ebenfalls keine ernsthafte Konkurrenz. Entsprechend beherrscht Google den Markt für Onlineanzeigen. 

Es stimmt nicht ganz, dass sich in den USA kein Widerstand regt. Einige der demokratischen Präsidentschaftskandidaten spielen mit dem Gedanken, Technologiegiganten wie Facebook zu zerschlagen. Zudem sollen Übernahmen erschwert werden. FAAMG (die großen Fünf - Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google) haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 400 Firmen übernommen. 

Die Wall Street scheint sich über den politischen Gegenwind bisher noch keine zu großen Gedanken zu machen. Die Aktien ziehen von einem Rekord zum nächsten. Seitens der EU wird erst Anfang 2021 mit einem Urteil im Fall Google gerechnet. Und sollte die Entscheidung gegen Google ausfallen, dann dürfte das Management in Berufung gehen und den Prozess vor den Europäischen Gerichtshof bringen. Es ist ein wichtiger Prozess. Aber ein finales Urteil dürfte in weiter Ferne liegen.

 

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Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

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