Wiener Börse News

Besserung ist in Sicht

Michael Kordovsky | Börsen-Kurier

Ohne zweiten Welle könnten 2021 und 2022 gute Jahre werden.

Wer wissen will, wie es nach der Corona-Krise mit der Industrieproduktion weitergehen könnte, sollte einen Blick auf die Zahlen aus China werfen, das uns im Seuchenzyklus um rund zwei Monate voraus ist. In China normalisiert sich das Geschehen und die Produktion fährt trotz schwacher Nachfrage und mäßigem Konsum bereits wieder hoch. Im April stieg Chinas Industrieproduktion gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,9 % und somit stärker als von den Volkswirten erwartet (1,0 %). Im März gab es laut chinesischer Statistikbehörde noch ein Minus von 1,1 %. Die Wirtschaft erholt sich bereits von den Lockdown-Maßnahmen, wenn auch ausgehend von einem niedrigen Basisniveau.

Zu den Feierlichkeiten rund um den „Tag der Arbeit“ entwickelten sich die Umsätze im Einzelhandel gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch um 6,7 % rückläufig. Die Catering- und Beherbergungs-Branchenumsätze hatten sich laut Analysten von Nomura nur auf 70 % des normalen Levels erholt. Die Einzelhandelsumsätze im April gingen zwar um 7,5 % zurück, stärker als von Volkswirten erwartet (-7,0 %). Aber es war schon eine wesentliche Besserung gegenüber 15,8 % Minus im März.

Der verbesserte Produktionslevel zeigte bereits erste positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote in chinesischen Städten entwickelte sich von 6,2 % im Feber bis April auf 6,0 % rückläufig. Das Risiko in China bleibt aber eine zweite Covid-19-Welle. Die US-Wirtschaft durchläuft indessen noch das „Tal der Tränen“.

Wie in der Weltwirtschaftskrise

Unabhängig vom Pandemie-Verlauf benötigt die US-Wirtschaft dringend ein Reopening, denn im April brach in den USA die Fabriksproduktion um 13,7 % (März: -5,5 %) ein – stärker, als Volkswirte erwartet hatten. Und betrachtet man die gesamte Industrieproduktion, so lag im April der Rückgang bei 11,2 % – das ist der größte Einbruch in der 101-jährigen Datenhistorie! Obwohl sich der vorläufig ausgewertete Einkaufsmanagerindex für die gesamte US-Wirtschaft von April auf Mai von 27,0 auf 36,4 Punkte erholt hat, rechnen die Volkswirte von IHS Markit im zweiten Quartal mit einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 37 %. Doch bereits nach zwei Jahren sollte das Vorkrisen-Niveau wieder erreicht sein.

Erste Lichtblicke in Europa

Von der Dynamik der Einkaufsmanagerindizes her ähnlich sieht es in Europa aus. Der „Flash Eurozone PMI Composite Output Index“ stieg von April auf Mai von 13,6 auf ein 3-Monats-Hoch von 30,5 Punkten. Allerdings ist das Ausgangsniveau außerordentlich niedrig. Im Vergleich dazu war der Index während der Finanzkrise im Feber 2009 nur auf 36,2 Punkte abgesackt. Aber es gibt Lichtblicke: Zwar rechnen die Volkswirte von IHS Markit durchaus mit einer Schrumpfung des BIP um rund 10 % im zweiten Quartal. Doch die Auflockerungen der Corona-Restriktionen könnten einiges abfedern. Somit relativieren sich hier die im Euroraum veröffentlichten Produktionsdaten für März 2020. Zwar beschleunigte sich von Feber auf März der jährliche Rückgang von -2,2 auf -12,9 %, wobei es Investitionsgüter und Verbrauchsgüter mit je -21,5 bzw. -24,5 % am härtesten traf. Doch die mittlerweile infolge des Reopenings steigende Nachfrage spricht für eine baldige Besserung im Produktionsbereich, die der vorläufige Einkaufsmanager-Index „Flash Eurozone Manufacturing PMI Output Index“ mit einem Anstieg von 18,1 auf 35,4 Punkte bereits signalisiert.

Fazit: Das Ausmaß der Kontraktion ist nach wie vor geschichtsträchtig. Doch mit einer schrittweisen Auflockerung der Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen sollte sich die Wirtschaft wieder erholen. Ohne weitere Zwischenfälle könnten 2021 und 2022 durchaus gute Jahre werden. Allerdings gibt es erhöhte systemische Risiken infolge einer drohenden Pleitewelle.

 

Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von:

Börsen-Kurier    Jetzt 4 Wochen gratis testen

Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.