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Energiekonzern Verbund verdiente 2023 um ein Drittel mehr

14.03.2024, 14:26:00

Gewinn erhöhte sich auf 2,27 Mrd. Euro - Investitionen in den kommenden drei Jahren bei 5,5 Mrd. Euro - Dividende soll auf 4,15 Euro pro Aktie kräftig angehoben werden

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Der teilstaatliche Energiekonzern Verbund hat auch
2023 wieder prächtig verdient. Der Gewinn erhöhte sich um 32 Prozent
auf 2,27 Mrd. Euro. "Wir haben wirklich sehr gute Ergebnisse zu
verzeichnen", sagte Konzernchef Michael Strugl am Donnerstag. Das
Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 42
Prozent auf 4,5 Mrd. Euro, der Umsatz lag mit 10,45 Mrd. Euro nur
knapp über dem Vorjahr. 2024 dürfte das Ergebnis allerdings deutlich
niedriger ausfallen.
"Wir haben das in einem sehr unruhigen Umfeld geleistet", sagte
Strugl bei der Präsentation der Ergebnisse. Zum einen sei der Markt
weiterhin volatil, das zeige sich etwa bei der Preisentwicklung.
"Wir rechnen damit, dass es auch weiterhin unruhig bleiben wird auf
den Energiemärkten." Zum anderen sprach der Verbund-Chef von
politischen Unsicherheiten innerhalb Österreichs und verwies hier
unter anderem auf die Gewinnabschöpfung und die Gasdiversifizierung
aber auch auf Gesetze in Vorbereitung, etwa das
Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG). Die schwächelnde Konjunktur
und die hohen Zinsen seien eine weitere Herausforderung.
Vor diesem Hintergrund will der Verbund in den kommenden drei
Jahren (inklusive 2026) insgesamt rund 5,5 Mrd. Euro investieren,
vor allem in den Netzausbau, Kraftwerke und Speicher. "Nachdem wir
unsere Steuern bezahlt haben, nachdem wir die Gewinnabschöpfung
bezahlt haben, nachdem wir die Dividende ausgeschüttet haben, wird
jeder Euro reinvestiert", sagte der Verbund-CEO. Strugl, der auch
Präsident von Oesterreichs Energie ist, rechnet für die gesamte
E-Wirtschaft bis 2030 mit Investitionskosten von 60 Mrd. Euro für
den Ausbau der Netze und der Erzeugung. "Die Energietransformation
braucht enorme Investitionen in der nächsten Dekade."
"2023 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte von Verbund",
sagte Finanzvorstand Peter Kollmann. Für 2024 erwartet der Verbund
ein EBITDA zwischen rund 2,6 und 3,3 Mrd. Euro und ein
Konzernergebnis zwischen rund 1,3 Mrd. und 1,75 Mrd. Euro, die
Prognose liegt damit deutlich niedriger als 2023. Grund dafür sei
der sinkende Gaspreis, der über die Merit-Order auch zu fallenden
Strompreisen führt. Die hohe Bandbreite im Ausblick sei der hohen
Volatilität geschuldet, sowohl beim Strompreis als auch bei der
Wasserführung.
Wesentlich für das Verbund-Ergebnis seien einerseits die
Strompreise, andererseits die eigene Erzeugung. Der
Erzeugungskoeffizient bestimme die erzeugte Strommenge, "das ist
naturgegeben, das hängt mit dem Wasserdargebot zusammen", sagte
Kollmann. Der Koeffizient lag 2023 bei 0,98 und damit knapp unter
dem langjährigen Durchschnitt, aber deutlich besser als 2022 (0,86).
Die Erzeugung aus Wasserkraft stieg 2023 um 3.755 auf 30.509 GWh.
Derzeit teilt sich die Gesamterzeugung auf 92 Prozent Wasserkraft, 4
Prozent Windkraft und 1 Prozent Photovoltaik auf, dazu komme die
Wärmekraft mit 2 Prozent und Batteriespeicher mit unter 1 Prozent,
erklärte Strugl. Bis 2030 will der Konzern den Anteil der neuen
Erneuerbaren, also Wind und Sonne, auf 25 Prozent erhöhen.
Verbund verkauft rund 80 Prozent der Eigenerzeugung über
Terminmärkte und 20 Prozent über Spotmärkte. Die deutlich höheren
Terminmarktpreise auf dem Großhandelsmarkt für Strom wirkten sich
2023 positiv auf das Ergebnis aus, der durchschnittlich erzielte
Absatzpreis stieg auf 167,1 Euro/MWh (2022: 115,1 Euro/MWh).
Die Dividende pro Aktie soll um fast 40 Prozent auf 3,40 Euro
ansteigen, dazu kommt eine Sonderdividende in Höhe von 0,75 Euro.
Davon profitiert auch die Republik Österreich, die zu 51,0 Prozent
am Verbund beteiligt ist. Für 2023 liegt die Dividende an die
Republik bei 650 Mio. Euro. Zusätzlich seien im abgelaufenen Jahr 90
Mio. Euro an Übergewinnsteuer geflossen, weitere Steuerzahlungen
summierten sich auf 450 Mio. Euro. "Das heißt, wir haben insgesamt
1,12 Mrd. Euro an die Republik Österreich ausgeschüttet", sagte
Kollmann. Weitere 25,0 Prozent des Verbund gehören einem Syndikat
aus EVN und Wiener Stadtwerke, 5,0 Prozent hält die TIWAG und 20,0
Prozent sind in Streubesitz.
Beim vieldiskutierten Ausbau der West-Austria-Gasleitung, mit dem
die Kapazität im Fluss von Deutschland nach Österreich erhöht werden
soll (WAG Loop), spiest es sich laut Verbund noch am Tarifsystem.
Das Projekt sei wichtig für die Versorgungssicherheit, den Ausbau
habe die Gas Connect Austria, die zu 51 Prozent im Eigentum des
Verbund steht, bereits nach Ausbruch des Ukraine-Krieges beantragt.
Ein Jahr später sei das Vorhaben vom Regulator genehmigt worden.
"Seither wird an diesem Projekt geplant und gearbeitet", sagte
Strugl. Verbund begrüße die angekündigte finanzielle Beteiligung der
Regierung, Voraussetzung für die Investition sei allerdings auch ein
neues Tarifsystem, weil sich die Gasflüsse seit dem Ausbruch des
Krieges verändert hätten. Eine neue Regulierung müsse dafür sorgen,
"dass das Unternehmen Gas Connect Austria auch in Zukunft
investitionsfähig ist", der aktuelle Entwurf zeige das bisher nicht,
so der Verbund-Chef.
Die Opposition übte abermals Kritik am hohen Ergebnis des
Energiekonzerns. SPÖ-Energiesprecher Alois Scholl sah im hohen
Gewinn einen "Ausdruck von Regierungsversagen", die Übergewinnsteuer
der schwarz-grünen Regierung sei "ein Rohrkrepierer". Auch für die
FPÖ ist die Übergewinnsteuer "Augenauswischerei", Energiesprecher
Axel Kassegger forderte vom Verbund "sofort Gutschriften an seine
Kunden" zu verteilen.
Das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut sah sich in ihrer Kritik
an einer womöglich ungerechtfertigten Bereicherung der
Energieversorger bestätigt. So habe der Verbund seit Ausbruch der
Energiekrise 2,64 Mrd. Euro an "Übergewinnen" erzielt. "Gleichzeitig
gehen Erwartung und Realität bei der abgeschöpften Summe durch die
Übergewinnsteuer meilenweit auseinander", so das Institut. "Nachdem
der Verbund bereits 2022 eine enorme Summe an Übergewinnen
einstrich, ist allein der Anstieg des Konzernergebnisses von 2022
auf 2023 mit rund 600 Millionen Euro fast genauso hoch wie der
Konzern in einem durchschnittlichen Jahr vor der Energiekrise
erwirtschaftet hat", sagte Momentum-Ökonom Jakob Sturn laut einer
Aussendung.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0347-24, Format 88 x 90 mm)
  cgh/stf/kre
 ISIN  AT0000746409
 WEB   http://www.verbund.com


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Quelle: APA, Meldungen der letzten 4 Wochen