Emotionen wurden in der Geldanlage oft als Schwäche ausgelegt und in klassischen Anlagemodellen ignoriert. Nun scheint eine Trendwende einzusetzen. Die Finanzpsychologie (Behavioral Finance) gewinnt an Bedeutung. Neben Handels- und Investmentmodellen bietet die Finanzpsychologie hilfreiche Richtlinien zu mehr Erfolg in der Geldanlage und der Anlageberatung; gerade für Privatinvestoren. Was Behavioral Finance ist und wie sie helfen kann – hier ein Überblick.

Wo stecken Herr und Frau Homo oeconomicus?

Die neoklassische Wirtschaftstheorie betrachtet uns als Homo oeconomicus. Ein streng logisch argumentierender und handelnder Mensch. Stets vollkommen informiert und strebend nach Gewinnmaximierung mit minimalstem Einsatz an Zeit, Arbeit und Kapital. Erkennen Sie sich wieder?

Nur selten gelingt es uns, derart nüchtern zu entscheiden – gerade in der Geldanlage. Vielmehr werden unsere Anlageentscheidungen von individuellen Motiven, Einstellungen, Bewertungen und der unterschiedlichen Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen beeinflusst.

Wussten Sie, dass das das Gehirn unnötige Informationen automatisch ignoriert? Genau wie das zweite das im Satz zuvor.

Die tägliche Informationsflut

Wussten Sie, dass das das Gehirn unnötige Informationen automatisch ignoriert? Genau wie das zweite „das“ im Satz zuvor. Unser Gehirn selektiert Inhalte aus der täglichen Informationsflut. In einer Sekunde strömen über 1 Milliarde Bits an Reizen auf uns ein. Hiervon verarbeiten wir etwa 15 Millionen Bits unbewusst und 60 Bits bewusst. Dies entspricht beispielsweise einer siebenstelligen Telefonnummer.

Optimiert für unseren Alltag

Angepasst an unseren limitierten Datenspeicher ist es sehr rational Informationen zu selektieren. Die Informationsauswahl gelingt uns in der Regel sehr gut. Denk- und Entscheidungsmuster sind optimal auf unseren Alltag ausgerichtet: rational und effizient. Dieselben eingeübten Denk- und Entscheidungsmuster können jedoch in abstrakten Situationen, beispielsweise der Geldanlage, zu fatalen Fehlern führen. Ein Beispiel: Unsere Informationsselektion erfolgt einseitig und wir verpassen Anzeichen einer Trendumkehr. Behavioral Finance bietet hilfreiche Tipps, wie wir in abstrakten Situationen Fehler vermeiden können.

Mit Behavioral Finance zu mehr Anlageerfolg

Die Finanz- und Börsenpsychologie berücksichtigt unsere individuellen und emotionalen Denk- und Entscheidungsmuster. Dabei werden Finanz- und Wirtschaftswissenschaften mit Sozialpsychologie und Neurowissenschaften verbunden. Behavioral Finance erklärt nicht nur, wie unsere Denk- und Entscheidungsmuster funktionieren sondern auch, wie wir diese in der Geldanlage geschickt einsetzen können. Nutzen Sie das Wissen der Finanzpsychologie und treffen Sie bessere Anlageentscheidungen.


Autor
Mag. Birgit Bruckner, MSc, CIIA
Selbständige Beraterin und Trainerin
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