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Wiener Börse News

Marktanalyse: Risk-on – Risk-off

Christoph Schultes

Auf den Monat September blicken Aktieninvestoren gerne zurück, die meisten Indizes verzeichneten deutliche Kursgewinne. Der amerikanische S&P legte in diesem Zeitraum um 1,7 % zu, der österreichische ATX hatte am Ende sogar ein Kursplus von 3,4 % zu Buche stehen. Die Gewinne waren breit gestreut, alle – bis auf einen – Subsektor des Stoxx Europe 600 gingen mit einem positiven Vorzeichen aus dem Monat, besonders gefragt waren Finanztitel, Banken an erster Stelle (+9 %) vor Versicherungen und Financial Services. Automobiles & Parts bestätigten mit einem Monatsplus von 6% den Risk-on Modus, auf der Verliererseite sah man lediglich den defensiven Food & Beverage-Sektor.

Auch in Wien waren zyklische Werte gefragt. Auf der Performanceliste ganz oben zu finden war Andritz, die ihre monatelange Talfahrt beenden konnte und am Ende ein Kursplus von 17 % aufzuweisen hatte. AT&S (+8,5 %) und FACC (+7 %) wurden damit auf die Plätze verwiesen. Auf der anderen Seite verlor der Verbund mehr als 7% was allerdings durch eine YTD-Performance von noch immer über 30 % relativiert wird.

Bis jetzt sorgten Themen wie die sich hochschaukelnden Handelskonflikte und der immer wahrscheinlicher werdende harte Brexit höchstens für eine erhöhte Volatilität an den Märkten, die durch die besänftigenden geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen der Notenbanken wieder geglättet werden. Die Tatsache, dass man kaum eine alternative attraktive Veranlagungsform zu Aktien findet, hält die Kurse hoch. Die Frage lautet, wie lange noch?

Mit dem Segen der WTO verhängten die USA nun Strafzölle auf Flugzeuge und diverse andere landwirtschaftliche und industrielle Produkte aus Europa. Dass die Aufschläge (10 % für Flugzeuge, 25 % für andere Produkte) nicht höher ausfallen, verdanken wir wahrscheinlich der Tatsache, dass auch die amerikanische Wirtschaft schwächelt. Das bestätigt der gerade vom ISM veröffentlichte Einkaufsmanagerindex des verarbeiteten Gewerbes, der überraschenderweise noch einmal deutlich auf 47,8 (Vormonat 49,1) zurückgegangen ist, entgegen den Erwartungen der Analysten, die mit einem Wert von knapp über 50 gerechnet hatten. Der Subindex Exportaufträge verzeichnete mit 41,0 gar das niedrigste Niveau seit 10 Jahren.

Die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums nimmt global gesehen ab, Prognosen müssen immer häufiger zurückgenommen werden. Und das betrifft nicht nur die Konjunktur, sondern auch die Gewinne der Unternehmen, wie ein Blick auf den Stoxx Europe 600 verrät. Dessen Gewinnprognosen wurden alleine in den letzten drei Monaten im Schnitt um 2,5 % nach unten revidiert. Nur zwei von 19 Subsektoren, nämlich die defensiven Food & Beverage sowie Healthcare, erfreuten sich erhöhter Gewinnprognosen.

Folglich sind auch die Forward-KGVs zu niedrig berechnet, aktuell weisen der amerikanische S&P ein KGV von 19x, der europäische Stoxx 600 eines von 18x aus. Sie mit historischen Durchschnitten zu vergleichen macht wenig Sinn, da sich das Zins- bzw. Renditeumfeld nachhaltig geändert hat. Dennoch lässt sich sagen, dass die erwarteten Renditen (als Kehrwerte der KGVs) von 5,3 % bzw. 5,6% nicht gerade hoch sind, d.h. auch – implizit betrachtet – keine besonders hohen Risikoprämien beinhalten können. Aber genau diese könnten sich nun langsam erhöhen.

Ein Crash an den Börsen erscheint äußerst unwahrscheinlich, dennoch spricht vieles für eine (vielleicht auch längere) Konsolidierungsphase, und in einer solchen sollten defensive Werte wieder an Bedeutung gewinnen. Viele Zeichen stehen derzeit auf Risk-off!


Autor:
Christoph Schultes, MBA, CIIA
Sector Analyst Real Estate
Erste Group Bank AG
7. Oktober 2019

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Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

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