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Marktanalyse: Die Zukunft war früher auch besser

Uta Pock

Kriegskasse oder Friedensdividende wurde an dieser Stelle vor einem Jahr gefragt und damit das Risiko von militärischen, hybriden und Handels-Kriegen thematisiert. In der Zwischenzeit gab es (u.a.) die Pressekonferenz im Rosengarten, hohe US-Zölle, Einigungen zu etwas niedrigeren, in den letzten Dekaden aber unerreichten US-Zollsätzen, Gespräche zum Krieg Russlands gegen die Ukraine, Spannungen innerhalb der NATO, die Beendigung des Gazakriegs, die US-Intervention in Venezuela, die im Ende Februar begonnenen militärischen Konflikt eskalierten US/Israel-Iran-Auseinandersetzung, (unerfüllte) Wünsche des US-Präsidenten an eine lockerere Geldpolitik, einen dann doch vom Fach kommenden designierten Nachfolger für Jerome Powell, die Beendigung der EZB-Zinssenkungen bei 2 % und last but not least das Ende der längsten, wenn auch nicht tiefsten Rezession der österreichischen Nachkriegsära. 

Die oben angerissenen Wirrnisse haben die Finanzmärkte nur kurz nach der Zollankündigung im Rosengarten erschüttert, anschließend setzten die Aktienmärkte zu neuen Rekorden an. Der ATX, der in der Total Return Variante schon 2024 ein Rekordhoch erreicht hatte, übertraf auch in der „normalen“ Variante seinen bisherigen Höchststand und startete freundlich ins Jahr 2026.

Mehrere Faktoren trugen zur Resilienz der Aktienmärkte bei, insbesondere:

  • Die unmittelbare Wirkung der Zölle wurde offenbar überschätzt. 
  • Investitionen in und Erwartungen an die Künstliche Intelligenz boomten

Beiden Themen wurde in den letzten Wochen ein neues Kapitel hinzugefügt: 

  • Der Supreme Court entschied, dass länderspezifische, durch den US-Präsidenten dekretierte Zollsätze rechtswidrig sind. 
  • Während zunächst vor allem die Gefahr von Überinvestitionen und/oder Materialverknappungen die KI-Euphorie trübte, wurde in der letzten Februarwoche ein düsteres Szenario für ihre makroökonomischen Konsequenzen publiziert, das am Kapitalmarkt auf viel Resonanz stieß. 

Aus der Zollentscheidung könnte Erleichterung resultieren, sie wurde aber postwendend mit der Einführung eines generellen Zollsatzes von 10% für 150 Tage beantwortet, um Zeit für Ersatzlösungen zu finden.  Produktspezifische oder als Antwort auf Handelshemmnisse konzipiert Zölle gelten ohnehin weiter. Zudem ist die Unsicherheit jetzt wieder höher und die 2025 mühsam gefundenen Handelsabkommen könnten wieder aufgeschnürt werden. Im Vorfeld der US-Zwischenwahlen sind Kompromisse womöglich besonders schwierig. Die Unternehmen prüfen nun, ob und wie sie zu Unrecht bezahlte Zölle von der Regierung zurückverlangen können. Allerdings hat sich 2025 gezeigt, dass die Unternehmen recht gut mit wachsenden und schwankenden Handelshemmnissen umgehen können. Der IWF hat sowohl im Oktober 2025 als auch im Jänner 2026 seine Erwartung an das Weltwirtschaftswachstum angehoben. Die KI-Dystopien sind Szenarien, die das Bewusstsein für notwendige Regulierung (eine europäische Kernkompetenz) schärfen und an den Aktienmärkten die klassischen Industrie- und Dividenden (endlich) wieder stärker ins Scheinwerferlicht lassen. Der ATX kann davon nur profitieren. Die Eskalation im Iran hat den Ölpreis in die Höhe getrieben, aufs Gesamtjahr gerechnet dürfte er aber wieder abnehmen, ebenso wie der Druck auf die Aktienkurse. Weniger Entlastung ist von der Zinsseite zu erwarten. Die Segmentierung des Welthandels und die erhöhten Sicherheitsausgaben – insbesondere der Staaten, aber auch, etwa zur Abwehr von Cyberangriffen, durch der Unternehmen – tragen dazu bei, dass die Inflation wohl zurückgekommen ist, um zu bleiben, sodass in der Eurozone fast kein und in den USA auch mit neuem Fed-Präsidenten nur ein auf 50 bis 100 Basispunkte begrenzter Spielraum für weitere Zinssenkungen besteht. 

Zitat: Karl Valentin, Ort und Datum unbekannt.

Autorin:
Dipl.-Vw. Uta Pock, lic.oec.int.
Senior Research Analyst
2. März 2026

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