
Zölle waren erneut das größte Thema des Monats, wobei Präsident Trump zunächst die ursprüngliche 90-Tage-Frist, die am 9. Juli auslaufen sollte, bis zum 1. August verlängerte. Kurz darauf verschickte er Briefe, in denen er noch höhere Zölle als die am 2. April angekündigten für viele Handelspartner der USA ankündigte. Der Monat endete damit, dass die USA Vereinbarungen mit mehreren wichtigen Handelspartnern trafen, wobei Japan, die EU und Südkorea Zollsätze von 15 % akzeptierten, während einige asiatische Länder etwas höhere Sätze erhielten, darunter Vietnam mit 20 % und Indonesien und die Philippinen mit 19 %. Diese Rahmenvereinbarungen ließen viele Fragen zu den Details offen, nicht zuletzt dazu, ob die in den Vereinbarungen skizzierten Pläne für ambitionierte Investitionen in den USA tatsächlich umgesetzt werden würden. An anderer Stelle wurden Ende Juli die aktuellen Zölle für Mexiko um weitere 90 Tage verlängert (25 % für Nicht-USMCA-Waren und Autos), während Länder, die noch keine Vereinbarung getroffen hatten, mit höheren, aber unterschiedlichen Sätzen belegt wurden, darunter Indien (25 %) und Brasilien (50 %). Am späten Abend des 31. Juli kündigte Präsident Trump an, dass Kanada nun mit Zöllen in Höhe von 35 % belegt werde (ausgenommen sind Waren, die den USMCA-Vorgaben entsprechen). Zu Beginn des Monats richtete sich die Aufmerksamkeit der Märkte auf die US-Fiskalpolitik, nachdem der Senat das „One Big Beautiful Bill” verabschiedet und Präsident Trump unterzeichnet hatte. Nach diesem Paket von Steuersenkungen und anderen Maßnahmen wird das US-Bundesdefizit in den nächsten Jahren voraussichtlich auf 6,5 bis 7 % des BIP ansteigen. In Europa haben die Aussichten für fiskalische Impulse in den letzten Monaten weiterhin positiv überrascht, da die NATO-Verpflichtungen höher als erwartet ausfielen und Deutschland schnellere (und umfangreichere) Ausgabenpläne auf den Weg brachte. Auch die EZB hielt an ihrer restriktiven Geldpolitik fest, wobei Präsidentin Lagarde signalisierte, dass der im Juni erreichte Einlagensatz von 2 % durchaus das Ende des Lockerungszyklus markieren könnte. Darüber hinaus einigten sich die NATO-Mitglieder Anfang Juli darauf, das Verteidigungsausgabenziel bis 2035 von derzeit 2 % auf 5 % des BIP anzuheben. Davon sind 3,5 % für die Kernverteidigung und 1,5 % für Investitionen in die Widerstandsfähigkeit, wie z. B. Cybersicherheit und Infrastrukturverbesserungen, vorgesehen.
Was die Aktienmärkte betrifft, so legten die meisten Aktienindizes im Juli zu, wobei der griechische AMEX (+7,3 % Gesamtrendite) die beste Performance erzielte. Weitere bemerkenswerte Gewinner waren der Shanghai Composite (+4,5 %) und der britische FTSE 100 (+4,3 %). Neben den positiven Daten und den rückläufigen Handelsrisiken wurden US-Aktien durch die Rückkehr des „Tech-exceptionalism”-Narrativs gestützt, da Microsoft (+3,95 %) und Meta (+11,25 %) in den Tagen nach der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das zweite Quartal einen Kursanstieg verzeichneten. Die solide Gewinnsaison wurde auch durch die geringer als erwarteten Auswirkungen der Zölle auf die Unternehmensgewinne begünstigt, sodass der S&P 500 (+2,27 % Gesamtrendite) und der NASDAQ (+3,73 %) den dritten Monatsgewinn in Folge verzeichneten. Der NASDAQ erreichte in den 22 Handelstagen des Monats sogar 14 neue Allzeithochs, während der Mag-7 den Juli mit einem neuen Rekordhoch beendete. Die nachlassenden Handelssorgen stützen ebenfalls die Gewinne globaler Aktien, obwohl einige der von Zöllen betroffenen Indizes, darunter der deutsche DAX (+0,65 %), hinter der Gesamtentwicklung zurückblieben. Da die Fed ebenfalls keine Eile mit Zinssenkungen hat, stieg der US-Dollar-Index um +3,19 % und machte damit einen Teil seines Rückgangs von -10,7 % im ersten Halbjahr wieder wett. In Europa spiegelten die Sektorentwicklungen unterschiedliche Trends wider. Fünf Sektoren – die meisten davon zyklisch – schnitten überdurchschnittlich ab: Reise & Freizeit (+6,05 %), Banken (+7,17 %), Grundstoffe (+2,71 %), Energie (+5,07 %) und Industrie (+2,33 %). Das Schlusslicht bildeten Medien (-6,5 %), Einzelhandel (-4,18 %) und Immobilien (-4,1 %). Im Gegensatz dazu war die monatliche Performance der Anlagestile bei europäischen Aktien relativ konsistent, wobei Value (+2,6 %) deutlich besser abschnitt als Growth (-1,0 %).
Der ATX legte um 2 % zu und erreichte damit den höchsten Stand seit 2009. Banken (Erste Group) und Versicherungen (Uniqa) waren mit 11,41 % bzw. 10,09 % die Aktien mit der besten Performance im Juli. Auch DO&CO entwickelte sich im Juli stark. Die Aktien mit der schlechtesten Performance im Juli waren wienerberger (-6,64 %) nach der Bekanntgabe schwächerer Ergebnisse für das zweite Quartal, insbesondere in Nordamerika.
Autor:
Mag. Andreas Wosol
Vorstand ÖVFA
Amundi Austria GmbH, Head of Value
1. August 2025
![]() |
Hinweis
Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

