
„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so nah.“ Als Fondsgesellschaft stehen wir zu globalen Aktienstrategien, aber wir stehen auch zu einer Beimischung des heimischen Aktienmarktes. Wussten Sie, dass die Wiener Börse im Jahr 2025 zu den zehn besten Börsenplätzen der Welt gehörte? Wussten Sie, dass die Wiener Börse auch im Jahr 2026 trotz des mehr als komplizierten globalen Umfeldes zum Halbjahr wieder den globalen Top-10 angehört. Wo ist mediale Freude im Inland? Ein Problem der heimischen Kapitalmarktumgebung ist auch, dass es sinkende Aktienkurse meist intensiv berichtet in Schlagzeilen schaffen. Steigende Kurse dagegen werden oft wenig bis gar nicht berichtet. Um Wiener Aktien richtig zu verstehen, sind aber drei Punkte zu berücksichtigen.
Erstens: Hängen Börse und Inlandswirtschaft zusammen?
Ein Kardinalfehler in der Beurteilung ist und bleibt, dass man aus den Zahlen der heimischen Konjunktur oder den Handlungen der heimischen Politik eine Meinung zur Wiener Börse ableitet. Das ist falsch, das eine hat mit dem anderen wenig bis sehr wenig zu tun. Die klar überwiegende Mehrheit der in Wien notierten Unternehmen hat eine geringe Abhängigkeit vom Inland. Es handelt sich um stark in Osteuropa oder global verankerte Geschäftsmodelle, oft Marktführer in ihren Nischen, aber – und das möge hoffentlich beständig so bleiben – mit ihrem Headquarter in Österreich. Für viele dieser Unternehmen ist daher die Weltkonjunktur oder die Lage in Osteuropa für den Geschäftserfolg wichtiger als die heimischen Konjunkturzahlen.
Zweitens: Wer bewegt die Kurse wirklich?
Wir heimischen Investoren, egal ob Private oder Institutionelle, sind nicht stark genug, um den Kapitalmarkt im Inland nachhaltig zu bewegen. Über drei Viertel der Umsätze an der Wiener Börse kommen von internationalen Investoren. Deren Einschätzung und Wahrnehmung entscheidet daher auf Sicht über das Kursniveau – und nicht unsere. Dies zu erkennen ist wichtig, weil die Meinung der Auslandsinvestoren zählt. Ein Beispiel: Bank-Aktien wurden in den vergangenen beiden Jahren in ganz Europa neu entdeckt – und nicht nur in Österreich. Nach Jahren der Flaute hat beginnend im März 2025 mit dem Konjunkturpaket Deutschlands das Interesse wieder zugenommen. Die Region wird wieder mehr von globalen Investoren interessiert verfolgt – anstatt einzig und allein auf die großen amerikanischen Tech-Riesen zu setzen. Damit gibt es auch wieder Nachfrage nach kleinkapitalisierten Unternehmen, die in den Vorjahren oft vernachlässigt wurden. Eine Lösung im Krieg Russland-Ukraine, wenn auch aktuell nicht wirklich in Sicht, wäre ein weiterer positiver Treiber.
Drittens: Was sagt der Index wirklich aus?
Die eingangs beschriebenen Rankings basieren auf den jeweiligen Indices. Die Mehrzahl der internationalen Indices legen die Gewichtungen der einzelnen Unternehmen je nach Höhe des frei gehandelten Börsenwertes fest, auch in Wien ist dies der Fall. Damit muss man wissen, dass die drei Großbanken ERSTE, Raiffeisen International und BAWAG etwa 40 % der Indexgewichtung ausmachen, mit dementsprechendem Einfluss auf die ATX-Performance. Das bedeutet nicht, dass Sie das in Ihrem Portfolio so umsetzen müssen, auch Fondsmanager streuen aufgrund der Gesetzeslage etwas breiter.
Fazit: Einen Blick Wert…
Aktien sind die beste langfristige Vorsorge. Neben den globalen Investments gibt es auch regionale Champions. ERSTE und Vienna Insurance dominieren in Osteuropa. Voest, Palfinger, Andritz, Wienerberger, AT+S oder Strabag sind Qualitätsführer in ihren Bereichen. Die Liste lässt sich fortsetzen. Ein kleiner Teil „Patriotismus“ ist daher auch in der Geldanlage angesagt. Wir empfehlen eine Gewichtung von etwa 4 % des Aktienteils.
Autor:
Alois Wögerbauer, CIIA
Manager des 3 Banken Österreich-Fonds
Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-GmbH
1. Juli 2026
Hinweis
Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.
