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Marktanalyse: Was ist schon normal?

Andreas Wosol

Auch der Monat Juli stand wieder im Spannungsverhältnis zwischen der biologischen Krise und der wirtschaftlichen Realität bzw. Unsicherheit. Während das Sozialleben aber auch das Kapitalmarktgeschehen stark von der täglichen Berichterstattung der Neuinfektionen beeinflusst wird, wurden im Juli die volkswirtschaftlichen Folgen der „Lockdown“-Maßnahmen bestätigt. Auf der einen Seite verzeichnete das vorläufige Wirtschaftswachstum in der EU den historisch stärksten quartalsweisen Rückgang von -12.1% im 2. Quartal (nach -3.6% im 1. Quartal), währen auf der anderen Seite Vorlaufs Indikatoren wie z.B. der EU composite PMI wieder Werte über 50 – genauer gesagt 54,8 -  erreicht haben und damit schon wieder auf eine Erholung der wirtschaftlichen Aktivitäten hindeutet. Ähnliche Entwicklungen sind auch Global zu erkennen. Darüber hinaus hat sich auch auf der politischen Front einiges getan, nach langen Verhandlungen haben sich auch die Europäischen Staaten auf einen Recovery Fund und das künftige EU Budget geeinigt. Neben den Liquiditätsspritzen der Notenbanken kommen jetzt auch abgestimmte Fiskalpolitische Unterstützungspakete zur Rettung aus der schlimmsten biologischen Krise hinzu.

Das Marktsentiment war im Juli gemischt, während Investoren den Goldpreis auf neue Höchststände verhalfen. Dies wurde einerseits von einer Dollarschwäche aber auch als Absicherungsstrategie vor künftiger Inflation beflügelt. Auf den Aktienmärkten waren vor allem die USA und Schwellenländer mit positiven Renditen, während Europa und Japan im Minus waren. Auch der Ölpreis konnte sich weiterhin stabilisieren.

Auch der österreichische Aktienmarkt konnte sich dem europäischen Trend in Julie nicht entziehen, obwohl es auch zwei deutliche Profiteure der COVID19-Krise gibt. Zum einem berichtete Semperit AG Anfang Juli über eine sehr positive Entwicklung im Bereich der medizinischen Schutzhandschuhe seit Ausbruch der Krise. Und zum anderen gab Marinomed Biotech AG bekannt, dass mit präklinischen Daten gezeigt werden konnte, dass Carragelose das Potenzial hat, das Risiko von COVID19 zu erkranken zu reduzieren oder auch die Krankheit zu behandeln.

Auch in der zweiten Jahreshälfte könnte der Markt an mindestens drei Fronten eine neue Entwicklung betrachten. Wir werden dann wissen, wie sich der Schulbeginn auf die Virusverbreitung auswirkt. Wir werden aber auch in den ersten Wochen der normalen Grippesaison auf der nördlichen Hemisphäre sein. Es besteht auch eine Chance, dass wir bis dahin kurz vor der Zulassung eines COVID-Impfstoffs stehen. Und auch die US-Wahl wird schon hinter uns liegen. 


Autor:

Andreas Wosol, CFA
Head of Value Amundi Asset Management
Senior Portfolio Manager – European Equities
Head of Equity
Amundi Austria GmbH
Vorstandsmitglied ÖVFA
6. August 2020

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