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Marktanalyse: Aktienmärkte schon weit gelaufen; vorerst geht's aber weiter hinauf

Helge Rechberger

Die Kapitalmärkte haben sich 2025 an Trump gewöhnt und legen seine Worte nicht mehr auf die Goldwaage. Aus unserer Sicht werden die bestimmenden Kapitalmarktthemen 2026 der neue Fed-Chef und die Frage sein, inwieweit es der Fed gelingt, das Marktvertrauen zu sichern. Weiterhin dürfte uns das französische Politik- und Fiskaldrama für das gesamte Jahr 2026 erhalten bleiben. In der zweiten Jahreshälfte werden dann die Midterms in den USA in den Fokus rücken. Trump bleibt uns jedenfalls erhalten und dürfte vor den Midterms im November noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.

Aktienseitig beginnen wir das Jahr 2026 mit nahezu den gleichen Vorzeichen wie 2025: Bereits Anfang 2025 war die Diskussion um eine KI-Blase und hohe Bewertungen in vollem Gange – und auch 2026 startet mit denselben Fragestellungen. Crash-Propheten sind allgegenwärtig und die Bewertungen sind nach wie vor ambitioniert. Nichtsdestotrotz erwarten wir in unserem Basisszenario ein konstruktives Aktienmarktumfeld, auch wenn die Boomphase vorbei zu sein scheint und wir uns sicherlich in der Endphase des Zyklus befinden. Somit erwarten wir bei Raiffeisen Research Aktienmarktrenditen für 2026 im Bereich von 8-10 %, wobei wir den Großteil dieser Bewegung im ersten Halbjahr erwarten.

Nach längeren Phasen starker Kursanstiege an den Börsen mehren sich in der Regel die Stimmen, dass eine derartige Hausse nicht nachhaltig sein kann. Eine größere Korrektur oder gar ein Bärenmarkt muss daher die logische Konsequenz sein. Die subjektive Wahrnehmung ist jedoch verzerrt. Betrachten wir die letzten Dekaden, so kann gezeigt werden, dass starke Bullenjahre keine Ausnahme sind, sondern die Normalität. Nicht nur, dass Aktienmärkte in einer deutlichen Mehrheit der Fälle steigen, sondern, auch wenn sie steigen, sind Zuwachsraten im Bereich von 20 % zu erwarten. Mit Ausnahme des (starken) ATX fiel das Börsenjahr 2025 damit ziemlich genau in den Bereich des statistisch zu Erwartenden.

Rein fundamental spricht viel dafür, dass auch 2026 ein gutes Aktienjahr wird. Die US-Wirtschaft schwächt sich ab. Eine Rezession ist jedoch nicht Teil unseres Basisszenarios. Big Tech dominiert den Gewinnzyklus, die Gewinnwachstumsraten sollten sich jedoch im Bereich des langfristigen Wachstumspfades einpendeln. Die Konjunkturdynamik in der Eurozone gewinnt an Fahrt, mit spürbaren Effekten aus dem Infrastrukturpaket und den gestiegenen Militärausgaben. Im Einklang mit unserem Konjunkturbild erwarten wir eine Rückkehr des Gewinns pro Aktie im Euro STOXX 50 auf niedrige einstellige Wachstumsraten. Die bullischen Argumente sind dieselben, welche wir bereits in den letzten Monaten skizziert haben, weshalb wir am zuvor schon gezeichneten Pfad unserer Kursziele festhalten. Österreich ist bei all dem geografisch und thematisch (Stichwort: Branchenstruktur des ATX) quasi im Epizentrum dessen, was in den kommenden Jahren in Europa für Wachstum spricht. Frieden oder zumindest Waffenstillstand in der Ukraine sowie dann anstehende Aktivitäten zum Wiederaufbau wären da nur noch das Tüpfelchen auf dem „i“. 

Sektorseitig favorisieren wir klassische Bankenwerte sowie Unternehmen aus den Bereichen der Grundstoffe und des zyklischen Konsums. Unsere Ölpreisschätzungen implizieren jedoch nur geringes Kurssteigerungspotenzial für Energiewerte.

Autor:
Mag. Helge Rechberger, CEFA
Senior Aktienmarktanalyst
Raiffeisen Research / Raiffeisen Bank International
12. Jänner 2026

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