
Der Juli 2026 war wieder geprägt von einem geopolitischen Energieschock (Krieg zwischen den USA und dem Iran), einer konfrontativen Haltung der Fed und einem Boom-Bust-Erholungszyklus bei KI und Halbleitern. Europäische Aktien erwiesen sich als weitaus widerstandsfähiger als die US-Märkte und profitierten von umfassenden Gewinnanhebungen, Rückenwind aus dem Energiesektor und einer geringeren Konzentration in den Technologiesektor.
Die mit Abstand folgenreichste makroökonomische Entwicklung im Juli war erneut der anhaltende und eskalierende militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran, der die Ölpreise stark in die Höhe trieb. Brent-Rohöl näherte sich zum Monatsende 88 US-Dollar pro Barrel, während WTI über 85 US-Dollar lag und damit auf dem besten Weg zu seinem größten Monatsgewinn seit März war. Am letzten Tag des Monats kündigte Trump ein Abkommen zur Entwaffnung der Hamas im Gazastreifen an. Das zweite prägende Thema im Juli war eine heftige Korrektur des KI-/Halbleiter-Trends, gefolgt von einer teilweisen Erholung zum Monatsende hin. „Risse“ im KI-Narrativ wurden bereits zu Beginn des Monats sichtbar, als ein chinesischer Durchbruch im Bereich der künstlichen Intelligenz und Anzeichen für Fortschritte Chinas bei der Herstellung fortschrittlicher Chips Befürchtungen vor zunehmendem Wettbewerb und Überkapazitäten schürten. Sowohl die EZB als auch die Fed ließen die Zinsen im Juli unverändert, doch die Entscheidung der Fed war alles andere als einstimmig – drei Vertreter stimmten für eine Anhebung um 25 Basispunkte, was die stärkste Spaltung seit Jahren darstellte.
Die europäischen Märkte schnitten im Juli deutlich besser ab als ihre US-Pendants, wobei der FTSE 100 alle wichtigen Indizes der Industrieländer anführte. Der Nasdaq bekam die volle Wucht des Ausverkaufs bei KI- und Halbleiteraktien zu spüren. Der Stoxx Europe 600 war auf dem besten Weg zu einem vierten Monatsgewinn in Folge und erreichte am 31. Juli kurzzeitig ein neues Allzeithoch, bevor er seine Gewinne wieder abgab.
Der österreichische ATX verzeichnete einen soliden Anstieg von +1,6 % und lag damit weitgehend im Einklang mit dem allgemeinen Trend der europäischen Outperformance. In den USA war der Energiesektor der unangefochtene Spitzenreiter, der auf Monatsbasis fast drei Standardabweichungen über der Vergleichsgruppe lag, angetrieben durch den Ölpreisanstieg im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt. Der IT-Sektor war aufgrund der Korrektur bei KI- und Chip-Aktien der klare Nachzügler. Die defensive Umschichtung in Finanzwerte, Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter spiegelt die allgemeine Risikovermeidung und die Absicherung gegen Inflation wider. Die Sektorbreite in Europa war deutlich stärker als in den USA – alle Sektoren außer dem Technologiesektor verzeichneten positive Renditen.
Im Juli übertrafen Value- und defensive Titel sowohl in den USA als auch in Europa den Großteil des Monats über Growth- und Technologiewerte, bevor es gegen Monatsende zu einer teilweisen Umkehr kam.
Insgesamt verdeckte der Anstieg des ATX um +1,6 % einen stark uneinheitlichen Markt: Die Spanne zwischen dem besten (OMV +15,1 %) und dem schlechtesten (AT&S –32,9 %) Wert lag bei rund 48 Prozentpunkten. Der Index wurde von seinen Schwergewichten aus den Bereichen Energie (OMV) und Finanzen (VIG, RBI) gestützt, während die Segmente Bau (Wienerberger, Porr, Strabag) und technologienahe Branchen (AT&S) einen erheblichen Dämpfer darstellten.
Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 war ein wesentlicher Treiber für die Schwankungen des ATX im Monatsverlauf, wobei sich die Ergebnisse auf die letzte Juliwoche (28.–31. Juli) konzentrierten. Die Bilanz fiel gemischt aus: Übertreffungen im Finanzsektor und bei ausgewählten Industrieunternehmen wurden durch Verfehlungen im Energiesektor (auf Basis des Gewinns je Aktie), bei den Versorgern und bei den Baustoffunternehmen ausgeglichen. Der Nettoeffekt wirkte sich insgesamt stützend auf den Index aus, auch wenn die Reaktionen der einzelnen Aktien sehr asymmetrisch ausfielen. Eine wichtige Beobachtung aus der bisherigen Berichtssaison im Juli ist die Entkopplung zwischen EPS-Überraschungen und der Aktienperformance. Sowohl OMV als auch Verbund verfehlten den EPS-Konsens, erzielten jedoch starke Renditen seit Monatsbeginn, da makroökonomische Rückenwindfaktoren (Ölpreise, Neubewertung der Strompreise) das Q2 Ergebnis überwogen. Umgekehrt übertrafen Erste und Palfinger zwar die Konsensschätzungen, schlossen den Monat jedoch mit Kursverlusten ab, da sich der Markt jeweils auf die Gewinnqualität bzw. auf sektorale Gegenwinde konzentrierte. Dieses Muster unterstreicht, dass für den ATX im Juli makroökonomische und thematische Faktoren –stärkere Renditetreiber waren als die einzelnen Gewinnzahlen.
Autor:
Mag. Andreas Wosol
Vorstand ÖVFA
Amundi Austria GmbH, Head of Value
3. August 2026
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