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Marktanalyse: Zwischen Geopolitik, Renditesprung und KI-Hausse: Aktienmärkte behaupten sich

Karin Kunrath

Die globalen Aktienmärkte zeigen sich trotz zahlreicher Belastungsfaktoren insgesamt sehr robust. Ob der starken Entwicklung seit Jahresbeginn mehren sich zwar zweifelnde Stimmen, von einer breiten Risikoaversion kann jedoch keine Rede sein. Stattdessen dominieren Rotationen zwischen Sektoren und Regionen – vor dem Hintergrund einer zunehmend komplexen Gemengelage aus Geopolitik, Zinsen und strukturellen Zukunftsthemen.

Ein zentraler Unsicherheitsfaktor bleibt der anhaltende Konflikt im Iran. Immer wieder aufflammende Eskalationssorgen führen phasenweise zu höherer Volatilität, da Marktteilnehmer sowohl Störungen bei Energie- und Rohstofflieferungen als auch eine breitere geopolitische Ansteckung fürchten. Entsprechend reagieren vor allem Ölpreis und energieintensive Branchen sensibel auf Nachrichtenlage und politische Signale. Zuletzt schienen sich die Konfliktparteien wieder etwas anzunähern, es bleibt jedoch abzuwarten, ob und wie schnell eine bindende Friedenserklärung unterzeichnet werden kann.

Parallel dazu stehen die Renditen an den Anleihemärkten wieder stärker im Fokus. In den USA wie in Europa sind die langfristigen Staatsanleiherenditen im Laufe des Frühjahrs spürbar angestiegen. Eng verknüpft damit sind die Erwartungen an die großen Notenbanken. Die Märkte haben ihre Hoffnungen auf rasche und zahlreiche Zinssenkungen im Laufe der letzten Monate sukzessive zurückgenommen. Statt eines dynamischen Lockerungszyklus rechnen Investoren zunehmend mit einem längeren Verharren auf einem moderat erhöhten Zinsniveau. Jede neue Inflations- oder Arbeitsmarktzahl wird entsprechend daraufhin abgeklopft, ob sie Spielraum für Entspannung bietet oder die Notenbanken zu weiterer Zurückhaltung zwingt.

Trotz dieses anspruchsvollen Umfelds zeigt sich ein Segment besonders widerstandsfähig – und in vielen Fällen deutlich outperformend: Unternehmen, die direkt oder indirekt vom Megatrend Künstliche Intelligenz (KI) profitieren. Halbleiterhersteller, Cloud-Anbieter, sowie Ausrüster von Rechenzentren zählen weltweit zu den größten Gewinnern der letzten Monate. Getrieben wird die Entwicklung von hohen Investitionsprogrammen in Rechenleistung und Infrastruktur sowie von der Erwartung, dass KI in zahlreichen Branchen Produktivitätssprünge ermöglichen wird. Die hohe Kursdynamik spiegelt nicht nur aktuelle Gewinnsteigerungen, sondern auch erheblichen Zukunftsoptimismus wider – mit entsprechend ambitionierten Bewertungen.

Für Investoren ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Auf der einen Seite belasten der Iran-Konflikt, steigende Anleiherenditen und unklare Zinspfad-Erwartungen die allgemeine Risikobereitschaft. Auf der anderen Seite bleibt die Gewinnsituation vieler Unternehmen solide, und strukturelle Wachstumsthemen wie KI sorgen für deutliche Lichtblicke – ein Bild, das übrigens auch für den heimischen Aktienmarkt gilt. Der ATX bewies enorme Resilienz und hat seinen Aufwärtstrend, nachdem der Iran-Schock verdaut war, wiederaufgenommen und zuletzt sogar neue All-Time-Highs markiert. Und auch im ATX ist die Begeisterung für Künstliche Intelligenz angekommen und trägt dort einen Namen: AT&S. Der Hersteller von High-End-Leiterplatten und IC-Substraten legte im Jahresverlauf bereits deutlich über 300 Prozent zu und stellt damit alle anderen österreichischen Unternehmen in den Schatten.

Autorin:
Karin Kunrath, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management
(Raiffeisen Capital Management steht für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.)
1. Juni 2026

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