Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service anbieten zu können. Mit der Nutzung dieser Website stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu. Mehr erfahren Schließen

Wiener Börse News

Aktuelle Marktanalyse: Ein langer Weg

Horst Simbürger

Die gestiegenen Bewertungen an den Märkten, die Länge des Börsenaufschwunges – in den USA mittlerweile der zweitlängste in der Geschichte – und steigende 10-Jahresrenditen haben zu Befürchtungen über einen Rückschlag an den Börsen geführt. Die USA sind im Wirtschafts- und Zinszyklus weiter vorangeschritten, aktuell scheinen die Perspektiven aus Anlegersicht für Europa besser zu sein, die relative Performance der Märkte, die Notenbankpolitik, die Marktbewertungen und der Gewinntrend sind nicht die einzigen Gründe, folgende weitere Punkte sind relevant:

Seit Bestehen des STOXX 600 im Jahr 1988 bis 2008 lagen die jährlichen Zuwachsraten des STOXX 600 und des  S&P 500 auf ähnlichen Niveaus bei 11,2% bzw. 12,0%, von 2008 bis heute waren es 3,5% vs. 8,2%. Es gibt natürlich zahlreiche Argumente warum die USA erfolgreicher waren. Die Fed hat viel früher mit einer lockeren Geldpolitik begonnen, während in Europa noch über die Zulässigkeit von Anleiheankaufsprogrammen diskutiert wurde, und selbst das Überleben des Euro kurzfristig angezweifelt wurde, das ist jedoch eine Vergangengheitsbetrachtung und kein Maßstab für die Zukunft.

1. Der europäische Wirtschaftszyklus weist eine Zeitverschiebung zu den USA von mindestens 2 Jahren auf, während die FED das Ankaufsprogramm beendet und mit Zinserhöhungen begonnen hat, wird die EZB ihr Ankaufsprogramm noch bis mindestens September diesen Jahres fortsetzen. Zinserhöhungen sind frühestens ab Mitte 2019 zu erwarten.

2. Selbst wenn man die Bewertungen um die unterschiedliche Branchengewichtung korrigiert, ist der Bewertungsunterschied auf einem 25 Jahreshoch.

3. Europäische Unternehmen haben einen steigenden Gewinntrend, während sich in den USA die Kurve verflacht. Die Gewinnmargen von US Unternehmen liegen 20% über dem Spitzenwert von 2007, während die Gewinnmargen in Europa erst das Niveau von 2007 erreicht haben, und weiter wachsen sollten.

In nächster Zeit warten noch einige Unwägbarkeiten, vor allem von politischer Seite. Bis dato kann die Politik Präsident Trumps als großer aggressiver Bluff interpretiert werden, seine Taktik anfänglich unhaltbare Behauptungen über massive Benachteiligungen aufzustellen, weiters mit deutlichen Maßnahmen drohen, um am Ende kleine Verbesserungen zu erzielen. Bis dato haben sich China, Europa und scheinbar sogar Nordkorea an den Regieplan gehalten, es ist jedoch schwer einzuschätzen was passiert wenn dies nicht mehr der Fall ist. Dennoch, in einem relativ „rationalen“ politischen und wirtschaftlichen Umfeld sollte Europa stärker profitieren.


Autor:
Horst Simbürger, MSc, CEFA
Managing Director
CONVERTINVEST Financial Services GmbH 
2. Mai 2018

CONVERTINVEST Financial Services GmbH Logo ÖVFA

Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.