
Der September machte seinem Ruf als schwieriger Börsenmonat alle Ehre und beendete die fünfmonatige Gewinnserie der europäischen Aktienmärkte. Der Stoxx Europe 600 gab um 2,5 % nach, wobei lediglich zwei Subindizes im Plus schlossen: Öl und Gas sowie Technologie. Zu den größten Verlierern zählten neben den Automobilwerten vor allem die zinssensitiven Immobilienaktien. Die wichtigsten Belastungsfaktoren waren das Wiederaufflammen geopolitischer Spannungen, das den Ölpreis deutlich ansteigen ließ. Im Monatsverlauf überschritt Brent zeitweise die Marke von 108 USD je Barrel. In Kombination mit den dadurch verstärkten Inflationssorgen veranlasste dies die Notenbanken zu einer restriktiveren Gangart. Sowohl die EZB als auch die US-Notenbank Fed erhöhten ihre Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte und signalisierten angesichts der anhaltend hohen Inflation weitere Zinsschritte, mit denen auch unserer Meinung nach bis Jahresende zu rechnen ist. Gleichzeitig zeigte sich die Konjunktur weitgehend widerstandsfähig, nicht zuletzt dank der weiterhin hohen Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Diese Kombination aus robustem Wachstum, steigenden Inflationserwartungen und einer restriktiveren Geldpolitik ließ die Renditen langlaufender Staatsanleihen auf mehrjährige Höchststände steigen.
Der ATX konnte sich diesem schwierigen Umfeld weitestgehend entziehen und den September mit einem Plus von 1,3 % abschließen. Anders als erwartet waren diesmal jedoch nicht die Banken die wichtigsten Kurstreiber, obwohl diese grundsätzlich von höheren Zinserwartungen profitieren sollten. Maßgeblich für die positive Entwicklung war vielmehr der anhaltende Höhenflug der AT&S-Aktie. Das Unternehmen erhielt weiteren Auftrieb durch die Ankündigung einer Kapazitätserweiterung im Bereich der IC-Substrate nach dem Abschluss einer langfristigen Vereinbarung mit Marvell. Daneben zeigte sich auch die von steigenden Energiepreisen begünstigte OMV solide. Ebenfalls zu den Gewinnern zählte die STRABAG, die auf ihrem Capital Markets Day ihre Mittelfristziele anhob, sowie Verbund, dessen Aktie einen Teil der im zweiten Quartal erlittenen Kursverluste wieder aufholen konnte. Der ATX überschritt im September erstmals die Marke von 7.000 Punkten. Seit Jahresbeginn konnte der österreichische Leitindex per Ende September knapp 29 % zulegen und ließ damit die wichtigsten internationalen Indizes wie den S&P 500 (+11 %) und den Stoxx 600 (+7 %) deutlich hinter sich.
Die gestiegenen Kurse haben bislang jedoch nicht zu einer höheren Bewertung geführt, da diese durch kontinuierlich positive Gewinnrevisionen kompensiert wurden. Dies gilt insbesondere für die Sektoren Banken sowie Öl und Gas. Mit einem aktuellen KGV von 11,9x für 2026 bzw. 10,6x für 2027 wird der ATX weiterhin mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem Stoxx 600 bewertet (15,0x bzw. 13,8x), obwohl die Gewinndynamik deutlich höher ausfällt. Nach einem erwarteten Gewinnwachstum von 12 % im Jahr 2026 rechnen Analysten für den ATX im Jahr 2027 mit einem weiteren Anstieg der Gewinne um 14 %. Für den Stoxx 600 liegen die entsprechenden Gewinnwachstumsraten lediglich im hohen einstelligen Bereich (7 % bzw. 9 %). Auch bei der Dividendenrendite bleibt der ATX attraktiv. Diese dürfte von 3,4 % im Jahr 2026 auf 4,2 % im Jahr 2027 steigen. Der Stoxx 600 bietet demgegenüber Dividendenrenditen von 3,2 % bzw. 3,5 %.
Hohe Anleiherenditen setzten die Börsen Ende September und Anfang Oktober zumindest kurzfristig unter Druck, da sie zu einer Neubewertung von Unternehmen führten. Zudem reduzieren höhere Finanzierungskosten insbesondere in stark fremdfinanzierten Sektoren die zukünftigen Gewinnerwartungen und belasten zusätzlich zu den steigenden Energiekosten die Ertragsaussichten vieler Unternehmen. Die aktuelle Konsolidierungsphase an den Aktienmärkten spiegelt diese Entwicklungen wider und wird möglicherweise auch durch Gewinnmitnahmen nach der sehr starken Kursentwicklung in diesem Jahr verstärkt. Dennoch, oder gerade deshalb, erscheinen uns Aktien als Anlageklasse weiterhin attraktiv, wenngleich eine differenzierte Betrachtung der einzelnen Sektoren angebracht ist. Die Zusammensetzung des ATX bietet einen interessanten Mix, der auch im aktuellen Marktumfeld gut positioniert sein sollte. Dazu zählen insbesondere Banken, Energie- und Technologiewerte sowie ergänzend zyklische Branchen wie Bau und Baustoffe. Eine weitere Outperformance gegenüber dem europäischen Gesamtmarkt würde uns daher keineswegs überraschen.
Autor:
Christoph Schultes, MBA, CIIA
Chief Equity Analyst Austria
Erste Group Bank AG
5. Oktober 2026
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