Christian Sec | Börsen-Kurier
Globale Krisen bedrohen die Rohstoffversorgung der Industrie.
Die Rohstoffversorgung ist einer der kritischsten Erfolgsfaktoren für die Industrie. Globale Krisen, politische oder wirtschaftliche Konflikte können dazu führen, dass Lieferanten bestellte Produkte nicht rechtzeitig herstellen oder liefern können. In der Folge geraten Unternehmen unter Druck, ihre Verpflichtungen gegenüber Kunden termingerecht zu erfüllen. Aktuell steht die „Straße von Hormus“ als geopolitischer Risikofaktor im Fokus. Rund 20 bis 30 % des weltweiten Rohölexports passieren diese Meerenge, die als strategisches Druckmittel des Iran gilt. Rohöl ist für die Industrie nicht nur Energiequelle, sondern auch Grundstoff für die Chemie- und Kunststoffindustrie sowie für Schmierstoffe – insbesondere in Schwerindustrie, Maschinenbau und Transportwesen unverzichtbar.
Preisschocks
Globale Ereignisse gefährden nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern führen oft zu Preisschocks bei Rohstoffen – wie zuletzt durch die Covid-Pandemie und den Krieg in der Ukraine.
Die massiven Verwerfungen bei den Erdgaslieferungen nach Europa haben sich laut Voestalpine inzwischen zwar beruhigt, dennoch bleibt die Lage angespannt. „Die aufgebauten eigenen Gasspeicherkapazitäten zur Absicherung der Gasversorgung an den österreichischen Standorten werden daher bis zum Geschäftsjahr 2025/26 um 50 % reduziert“, erklärt das Unternehmen gegenüber dem Interessenverband für Anleger (IVA). Die Ukraine und Russland sind weltweit bedeutende Lieferanten für Rohstoffe zur Stahlherstellung wie Eisenerz, metallurgische Kohle und Legierungselemente. Auch die Voestalpine ist davon betroffen. Die Rohstofflieferungen aus der Ukraine sind aufgrund zerstörter Lagerstätten und unterbrochener Logistik stark eingeschränkt. Rohstoffe aus Russland bezieht das Unternehmen infolge von Sanktionen und freiwilligen Boykotten nicht mehr. Daher hat der Stahlerzeuger seit Ausbruch des Krieges den Rohstoffbezug weiter diversifiziert und konnte sämtliche weggefallenen Lieferquellen ersetzen, wie er dem IVA mitteilte.
Nicht alle Preisschocks lassen sich an Kunden weitergeben. So basieren viele Aufträge auf langfristigen Fixpreisverträgen - auch beim Maschinenbauer Andritz. Im aktuellen Jahresbericht warnt das Unternehmen, dass steigende Kosten für Rohstoffe, Energie und Zulieferprodukte infolge neuer Konflikte die finanzielle Entwicklung belasten könnten. Um das Risiko zu minimieren, setzt Andritz auf die systematische Etablierung von Beschaffungsalternativen. Dazu gehören der Ausbau der Lieferantenbasis, die Diversifikation der Zukaufs-Märkte sowie die Anpassung technischer Spezifikationen, um Abhängigkeiten von einzelnen Lieferanten zu vermeiden, erklärt Vitz Solveig, Vice President Group Supply Chain Management, gegenüber dem Börsen-Kurier.
Vertikale Integration
Die größte Unabhängigkeit erreichen Unternehmen, wenn sie selbst durch vertikale Integration in den Besitz kritischer Rohstoffe kommen. RHI Magnesita, Hersteller von feuerfesten Materialien, setzt auf Eigenversorgung: Magnesit und Dolomit werden unter anderem in Österreich, Brasilien, der Türkei und China in eigenen Bergwerken abgebaut. „Damit sind wir deutlich weniger abhängig von externen Märkten oder geopolitischen Spannungen“, so das Unternehmen uns gegenüber. Durch die vertikale Integration – vom Rohstoffabbau bis zum fertigen Produkt – kann RHI Magnesita die Verfügbarkeit in Krisenzeiten besser sichern. Zusätzlich setzt das Unternehmen auf flexible Lieferwege, gezielte Lagerhaltung sowie industrielle Kreislaufwirtschaft. In zwölf Recyclinganlagen werden hochwertige Sekundärrohstoffe zurückgewonnen, was die Abhängigkeit von Primärmaterialien weiter reduziert.
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