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Jeder Sturm geht zu Ende

Christian Sec | Börsen-Kurier

Industrie erwartet ein weiterhin schwieriges Geschäftsjahr mit wenig Erholung.

Am Ende wird alles gut werden, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Dieses Zitat von Oscar Wilde bringt die Stimmung in der Industrie auf den Punkt, wenn man die Ausblicke der Unternehmen in ihren Quartals- bzw. Halbjahresberichten analysiert. Zweckoptimismus oder nicht: die ernüchternden Quartals- bzw. Halbjahresbilanzen der Unternehmen sind Realität und zeigen, dass „das Ende“ noch nicht da ist. Die Aussichten sind dementsprechend eingetrübt, zeigen aber immerhin einen Funken an Hoffnung. 

Der Baustoffhersteller Wienerberger musste den Ausblick in all seinen Endmärkten nach unten revidieren. Vor allem in Europa werden laut den Prognosen des Unternehmens die Endmärkte Neubau, Renovierung und Infrastruktur 2023 zweistellige Rückgänge aufweisen. Trotz dieses schwachen Marktumfelds geht Wienerberger in seinem Halbjahresbericht für das laufende Geschäftsjahr von einer „starken Performance“ aus, mit einem Ebitda von 800 bis 820 Millionen Euro. 2022 lag das Ebitda bei rund 1 Milliarde Euro

Bei Mayr-Melnhof ist für das 3. Quartal weiter mit einer angespannten Ergebnissituation zu rechnen. So kündigt das Unternehmen im dritten Quartal weitere signifikante Maschinenabstellungen an. Vor allem der Karton- und Papierbereich des Unternehmens ist davon betroffen. Der Konzern reagiert darauf mit einem Kosteneinsparungsprogramm, inklusive Reduktion bei Neuinvestitionen. Das Ziel sei eine möglichst rasche Erholung der Margen und eine Reduktion der Nettoverschuldung, wie berichtet wird. So sank die Ebitda-Marge im ersten Halbjahr von rund 17 auf knapp unter 10 % und die Umsatzrendite von 12,8  auf 4,8 %. Wobei Mayr-Melnhof diesbezüglich nicht allein dasteht.

Optimismus bei Lenzing

Der Holzfaserproduzent Lenzing verbuchte im vergangenen Halbjahr einen Verlust von 65,8 Millionen Euro. Dabei meinte Lenzing-CEO Stephan Sielaff bei der Präsentation der Halbjahreszahlen: „Wir hoffen, dass wir das Schwierigste hinter uns haben.“ So bleibt die Prognose für 2023 unverändert aufrecht mit einem Ebitda-Ziel zwischen 320 bis 420 Millionen Euro und damit weit über dem Ebitda des Vorjahres von 241,9 Millionen Euro. 

Allerdings gibt der Halbjahresbericht zu bedenken, dass die erwartete Erholung des weltweiten Fasergeschäftes auch im zweiten Halbjahr mit Unsicherheit behaftet ist. Ein Anhalten der niedrigen Nachfrage nach Baumwolle kann sich auch negativ auf die Nachfrage nach holzbasierten Cellulosefasern auswirken. „Daher ist auch ein stagnierendes Preisszenario im Faserbereich aufgrund niedriger Baumwollpreise nicht auszuschließen“, so Lenzing im Halbjahresbericht. Und dies hätte auch negative Auswirkungen auf die Margen. 

Der steirische Leiterplattenhersteller AT&S, dessen Umsätze im letzten Quartal um 28 % gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zurückgegangen waren, erwartet, dass sich die Eintrübung des weltweiten Marktumfeldes weiter fortsetzt. Im Jahresverlauf erwartet AT&S eine schrittweise Verbesserung des Umsatzes, was zu einem Jahresumsatz zwischen 1,7 und 1,9 MrdE führen soll (Geschäftsjahr: 2022/23: 1,8 MrdE). In wichtigen Segmenten wie den IC-Substraten für Notebooks rechnet der Konzern mit geringerer Nachfrage als 2022. In diesem Bereich werde das Vorjahresniveau voraussichtlich erst mit Ende 2024 wieder erreicht werden. Auch bei Industrie und Medizin wird 2023/24 mit einer Stagnation bzw. einem Rückgang gerechnet. 

Für die voestalpine bleibt die Guidance nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen für das Geschäftsjahr 2023/24 unverändert. So erwartet der Vorstand der voestalpine für das laufende Geschäftsjahr ein Ebitda in einer Bandbreite von 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 2022/23 betrug das Ebitda rund 2,5 Milliarden Euro.

 

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