Christian Sec | Börsen-Kurier
Trotz schwieriger Wirtschaftslage bleiben Börsenunternehmen im M&A-Bereich aktiv.
Derzeit tobt ein Bieterkampf um die Addiko Bank aus Wien, die seinerzeit aus der Hypo-Alpe-Adria-Bank hervorgegangen ist. Die RBI hat bekanntgegeben, im Übernahmerennen bereits Annahmeerklärungen von 50,42 % der Addiko-Aktien gesichert zu haben. Jedoch erhöhte die slowenische Bank Nova Ljubljanska (NLB) ihr Angebot an die Aktionäre noch einmal deutlich auf 37 E je Aktie. Das Offert liegt damit um 10,50 E über dem konkurrierenden Angebot der RBI.
Trotz der Zusage der Mehrheit der Aktionäre setzen die Slowenen auf das Widerrufsrecht der Aktionäre. Das Spiel ist also noch nicht entschieden: 75 % der Aktionäre müssen einem der beiden Angebote zustimmen, damit die freiwillige Übernahme zustande kommt. Mit der Übernahme will die Raiffeisenbank ihren Marktanteil in Kroatien ausbauen sowie in den slowenischen Markt eintreten, wo sie insbesondere im Corporate- und Investment-Banking sowie im KMU-Segment Potenzial sieht. Darüber hinaus beabsichtigt die RBI gemeinsam mit der serbischen Alta Group – einer Aktionärin von Addiko – den Verkauf der Addiko-Tochterbanken in Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro.
Banken treiben die Konsolidierung
Die Akquisitionsaktivitäten im Bankenbereich sind kein Zufall, sondern Teil eines europaweiten Konsolidierungstrends. Die Bawag plant derzeit die Komplettübernahme der irischen Bank PTSB. Diese dürfte etwas geordneter über die Bühne gehen als der Raiffeisen-Deal. Die Bank hat sich bereits 57,5 % der PTSB-Anteile, die im Besitz des irischen Finanzministeriums sind, gesichert. Bei der Hauptversammlung der irischen Bank im Juli werden insgesamt 75 % Zustimmung der anwesenden Aktionäre benötigt, um das Institut vollständig übernehmen zu können, erklärte der Bawag-Finanzvorstand Enver Sirucic laut Medienangaben.
Nach der Bekanntgabe der Übernahme erhöhten die Analysten der Privatbank ODDO ihr Kursziel für die Bawag von 149 auf 175 E, vor allem aufgrund der attraktiv bewerteten und klar ergebnissteigernden Übernahme von PTSB. Den Kaufpreis bezeichnet ODDO mit 1,6 MrdE als attraktiv. Die Bawag selbst geht davon aus, dass die Übernahme bis 2028 mehr als 250 MioE zusätzlichen Nettogewinn liefern könnte.
Auch Industrie bleibt in Bewegung
Die Industriebetriebe treten derzeit – auch aufgrund der unsicheren Wirtschaftslage – etwas auf die Bremse. Der Baustoffhersteller Wienerberger hat allerdings im Mai eine Vereinbarung zur Übernahme der Univerzum Group unterzeichnet, einem Hersteller von Hintermauerziegeln in Serbien. Dieser Schritt stärkt die Präsenz im aufstrebenden Bausektor Südosteuropas. „Das Unternehmen erwartet für 2026 einen Umsatz von rund 20 MioE, verbunden mit attraktiven Margen und starkem Wertschöpfungspotenzial – mit einem Enterprise-Multiple (EV/EBITDA) nach Synergien von etwa dem Fünffachen“, erklärte Wienerberger-CEO Heimo Scheuch in einer Aussendung. Zuvor hatte das Unternehmen seine Marktposition im Bereich Rohrleitungssysteme bereits durch eine Akquisition in Schweden gestärkt.
Im Juni hat dann auch der Baukonzern Strabag das Unternehmen Van Elle übernommen, den größten Spezialtiefbauanbieter im Vereinigten Königreich. Van Elle erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 150 MioE und beschäftigt mehr als 600 Mitarbeiter. Der Kaufpreis liegt bei etwa 68 MioE. „Die Übernahme von Van Elle stellt einen wesentlichen Meilenstein für den Ausbau und die Stärkung unserer Präsenz im Vereinigten Königreich dar“, erklärte Stefan Kratochwill, Vorstandsvorsitzender der Strabag, zur Transaktion.
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