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Eine Karte mit großer Bedeutung

Christian Sec | Börsen-Kurier 

Erleichterungen bei der Rot-Weiß-Rot-Karte werden positiv beurteilt.

Der Optimismus, dass sich der Facharbeitermangel zum Besseren verändern wird, ist dünn gesät. Rund drei Viertel der inländischen Betriebe erwarten laut Fachkräfteradar 2023 eine weitere Verschärfung des Arbeitskräftemangels in den nächsten Jahren. 

Seit Oktober 2022 erleichtern neue Regeln für die „Rot-Weiß-Rot-Karte“ (RWR-Karte) das Recruiting von dringend benötigten Facharbeitern aus Drittländern. Bei IT-Kräften ist z. B. kein Studium mehr erforderlich, wenn eine adäquate Berufserfahrung nachweisbar ist. Diese können halbjährig angerechnet werden, zuvor waren nur ganze Jahre möglich. Auch die Anerkennung von Ausbildungen und Sprachqualifikationen wurde erleichtert. So sind Sprachzertifikate bis zu fünf Jahre gültig, zuvor war es ein Jahr. Insgesamt erfolgt das Auswahlverfahren der RWR-Karte über ein Punktesystem. Je nach Ausbildung, Arbeitserfahrung oder Sprachkenntnissen bekommen Bewerber Punkte, um die RWR-Karte zu erlangen. 

Vor der Reform war der Weg für Unternehmen, zu Arbeitskräften zu kommen, sehr mühsam, wie uns der Personalleiter des Biotec-Unternehmens Marinomed, Helmut Baranyovski, erklärt: „Wir haben im Jänner 2022 erstmals eine RWR-Karte für eine Akademikerin in der Forschung benötigt und es war ein sehr mühsamer Prozess.“ Die schlechten Erfahrungen führten dazu, dass das Unternehmen versucht, seitdem nur noch EU-Staatsbürger einzustellen. 

Einsatz im IT-Bereich

Beim Lichttechnik-Konzern Zumtobel hat die Karte eine große Bedeutung. Jährlich beantragt das Unternehmen etwa 15, vor allem für den IT-Bereich. Andere Bereiche des Konzerns, wo die RWR-Karte zum Einsatz kommt, sind F&E sowie Produktmarketing. Die Erleichterungen im Bereich der Sprachzertifikate und bei der Anrechnung von Berufserfahrungen haben die Antragstellung vereinfacht und beschleunigt, gibt das Unternehmen auf Börsen-Kurier-Anfrage bekannt. Mögliches Verbesserungspotenzial sieht das Unternehmen im Bereich der Digitalisierung, sodass es in Zukunft auch möglich ist, den Status des jeweiligen Antrages auch digital abzurufen. 

Auch bei Kapsch TrafficCom stellt die RWR-Karte ein wichtiges Instrument dar, um hochqualifizierte Fachkräfte im IT-Bereich zu finden, so das Unternehmen zum Börsen-Kurier. „Diese Stellen erfordern oft sehr spezifische Qualifikationen wie Deep Learning, Mautsysteme bzw. Mautlösungen, und die Karte ermöglicht es uns, gezielt nach diesen Fachleuten zu suchen“, so Johannes Rogi, Unternehmenssprecher von Kapsch TrafficCom. 

Für die Telekom Austria ist die RWR-Karte wichtig, um dem Mangel an Schlüsselkräften zu begegnen. Dort sind es ungefähr 20 RWR-Karten pro Jahr, vorwiegend im IT-Bereich, die genutzt werden. Dabei lobt der Konzern die Erleichterungen bei der Rekrutierung von Arbeitskräften aus Drittländern. So gibt es nun für die Herkunftssprachen Bosnisch, Kroatisch und Serbisch Punkte für die Bewilligungsanforderung, wird erklärt, aber auch die generell schnellere Verfahrensabwicklung - „es wird versucht, die acht Wochen einzuhalten“ - wird vom Telekommunikationskonzern positiv erwähnt. 

Nicht überall essenziell

Bei Semperit arbeiten derzeit 21 Beschäftigte mit einer RWR-Karte. Dort wird ihre Bedeutung relativiert: „Wir haben aktuell elf verschiedene Arten der Beschäftigungsbewilligung, die RWR-Karte ist eine davon.“ Die Semperit wünscht sich jedenfalls neben einer schnelleren Bearbeitung auch eine längere Gültigkeit, die derzeit in der Regel 24 Monate beträgt. 
 

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