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Christian Sec. | Börsen-Kurier

Sinkende Kurse und hohe Profite führen zu hohen Dividendenrenditen.

Über die vergangenen 30 Jahre betrachtet, machten Dividendenzahlungen bei den 20 größten und meistgehandelten österreichischen Aktien die Hälfte der Rendite aus, wie die Entwicklung des Performance-Index ATX Total Return zeigt. Dies gilt umso mehr dann, wenn durch die Unsicherheit auf den Märkten zwar die Kurse abstürzen, aber die Realwirtschaft brummt. 

Der ATX verlor im vergangenen Jahr rund ein Fünftel seines Wertes. Auf der anderen Seite fuhren viele Unternehmen hohe Gewinne ein. Billigere Aktienpreise und teilweise höhere Profite lassen die Dividendenrenditen bei vielen Werten rasant ansteigen. Der Dividendenvorschlag der OMV beträgt 5,05 Euro pro Aktie, was derzeit einer Dividendenrendite von mehr als 12 % entspricht. 

Ein Blick auf den ATX-Dividendenkalender zeigt, dass die Bawag Group und der Holzfaserproduzent Lenzing mit Renditen von rund 9 und 8 % auf den Plätzen zwei und drei liegen. 

Zwar bringen Dividenden einen Mehrertrag im Portfolio und sollen auch im Investmentprozess Berücksichtigung finden, erklärt Alexander Sikora-Sickl vom Erste Asset Management gegenüber dem Börsen-Kurier. Jedoch warnt der Experte vor einem häufig stattfindenden Trugschluss, dass High Dividend Stocks per se ein risikoarmes Investment seien. „Dividendentitel sind häufig Zykliker aus den Sektoren Konsum oder Industrie, die entsprechend volatil sein können.“ Tatsächlich weist die OMV in den letzten fünf Jahren mit einer Volatilität von rund 40 % und einer Aktienrendite von rund -16 % ein deutlich schlechteres Risiko-Rendite-Profil aus als der Leitindex ATX. 

Global und sektoral streuen

Bei der Selektion von Dividendentitel gilt es generell genau auf den Sektor zu achten. Verlieren Anleger das Vertrauen in eine Branche sind kräftige Kursrückgänge die Folge, selbst wenn attraktive Dividenden ausgeschüttet werden. Aktuelles Beispiel sind US-Büroimmobilienunternehmen, wie Sikora-Sickl erklärt. So liegt die Markterwartung darin, dass eine hohe Inflation zu Zinserhöhungen führt, infolgedessen eine Abkühlung der Wirtschaft und Abbau von Personal folgt, was wiederum zu einem Einsparen von Büroflächen und letztendlich sinkende Mieteinnahmen zum Ergebnis hat. Fazit: der Office-REITs-Index hat zwar eine sehr hohe Dividendenrendite von 6,9 %, allerdings 2023 einen Kursverlust von rund 30 % zu beklagen. 

Beim zweiten Punkt geht es um die Preissetzungsmacht der Unternehmen, also ob Unternehmen steigende Kosten weitergeben können. Wenn dem nicht so ist, dann führen bald die höheren Kosten zu niedrigem Gewinn bzw. Verlust und damit zur Kürzung oder gar Ausfall der Dividende, so Sikora-Sickl. Gerade bei kostengetriebener Inflation kann man z. B. die Entwicklung der Ebitda-Marge, als Indikator für die Preissetzungsmacht hernehmen. Marktführer in ihrer Branche wie Wienerberger oder der Maschinenbauer Andritz weisen dabei stabile Zahlen auf, auch in Phasen hoher Kostenanstiege. Beide Unternehmen weisen im Vergleich zu den High Dividend Stocks eher gemäßigte Dividendenrenditen zwischen 3 und 4 % auf. 

„Der Fokus ausschließlich auf hohe Ausschüttung ist nicht zielführend“, meint auch Josef Stadler, Portfoliomanager der Kathrein Privatbank. Aspekte wie Wachstum, Profitabilität aber auch das Risiko der politischen Einflussnahme, wie z. B. bei den Versorgern, sind wichtiger als der Blick auf die Dividendenrendite, so Stadler. Sein Fazit: „Wenn man in Dividendentitel investieren möchte, dann global und sektoral gestreut.“

Eine Möglichkeit dazu bietet der „Erste Responsible Stock Dividend“ (ISIN: AT0000A1QA61), ein globaler Nachhaltigkeits-Aktienfonds mit Dividendenfokus, der in den vergangenen Jahren eine Ausschüttungsrendite konstant von 3 % und etwas darüber bewerkstelligen konnte. 

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