Michael Kordovsky | Börsen-Kurier
Vier interessante Aktien, die erst auf den „zweiten Blick“ auffallen.
Sinkende Zinsen und gleichzeitig eine schwierige Phase der europäischen Automobilindustrie: Das ist aufgrund der höheren Finanzwerte-Exposure und stärkeren Abhängigkeit der österreichischen Industrie vom Automobilsektor eine kritische Konstellation für die Wiener Börse. Aber es gibt auch Unternehmen, die in der Regel fast wetterfest laufen.
Austriacard - ein möglicher Geheimtipp
Ein innovatives Unternehmen der Wiener Börse ist beispielsweise die Austriacards Holdings AG, ein Anbieter von Karten- und Sicherheitslösungen sowie von Dienstleistungen im Bereich der digitalen Transformation. Das Angebot des Unternehmens umfasst Bank- und Zahlungskarten, sichere Druckdienstleistungen, Dokumentenmanagement sowie digitale Lösungen basierend auf KI, Machine Learning und Datenanalysen. Besonders stark ist das Unternehmen in wachstumsstarken Segmenten wie Challenger- und Neobanken sowie in Märkten wie Zentral- und Osteuropa, dem Nahen Osten, Afrika, den USA und Großbritannien.
Das Unternehmen war in der Lage, von 1994 bis 2023 den Umsatz auf das 35-Fache und das Ebitda auf das 21-Fache zu steigern. Von 2019 bis 2023 stieg das Ebitda von 13,0 auf 49,3 Millionen Euro und der Nettogewinn von 1,5 auf 17 Millionen Euro. Der Wachstumstrend setzte sich auch in den ersten neun Monaten 2024 fort, in denen der Umsatz um 14 % und der Gewinn vor Steuern um 20,7 % gesteigert werden konnten. Laut unter finanzen.at veröffentlichtem Analystenschätzungskonsens sollte der Gewinn/Aktie von 2025 auf 2026 weiter von 0,75 auf 0,84 Euro wachsen, woraus bei einem Kurs von 5,94 Euro ein für 2026 geschätztes KGV von nur 7,1 resultieren würde. Eine mittelfristige Kursverdopplung wäre in diesem Szenario möglich.
Frequentis und Do & Co als Wachstumswerte
Im Segment sicherheitskritischer Kommunikationsinfrastruktur für Luftfahrt, Polizei, Rettungswesen, Militär, Schifffahrt etc. über eine starke Marktposition verfügt Frequentis, dessen konstanter Wachstumstrend der Vergangenheit sich auch zukünftig fortsetzen sollte. Die Analysten sind optimistisch gestimmt: So sollte von 2025 bis 2027 der Gewinn/Aktie weiter von 1,93 auf 2,52 E wachsen. Und bei einem Kurs von 29 E liegt das für 2025 geschätzte KGV bei relativ günstigen 15.
Ebenfalls zu den sogenannten „Hidden Champions“ der Wiener Börse könnte man das Airline- und Event-Catering-Unternehmen Do & Co noch zählen, das aus der Pandemie-Krise gestärkt hervorgegangen ist und Rekordergebnisse liefert. Vom Geschäftsjahr 2017/18 bis hin zum Jahr 2023/24 (enden jeweils am 31.3.) konnte der Gewinn pro Aktie um 16,1 % p.a. gesteigert werden. Im gleichen Zeitraum hat sich der Umsatz in etwa verdoppelt. Im ersten Halbjahr 2024/25 expandierte vor allem das Airline-Catering-Geschäft mit neuen Kooperationen, und mit der UEFA Euro 2024 sowie der Formel 1 ist auch das Event-Catering rund gelaufen. Bei 28,5 % Umsatzplus im ersten Halbjahr konnte das Ergebnis nach Ertragssteuern um 39,2 % verbessert werden und auch der Analystenausblick stimmt: Von 2024/25 auf 2025/26 sollte der Gewinn/Aktie weiter von 9,829 auf 11,253 Euro wachsen, was bei einem Kurs von 194,40 E einem für 2025/26 geschätzten KGV von günstigen 17,3 entspräche. Solange keine elementaren weltpolitischen Schocks oder Katastrophen wie die Pandemie kommen, sieht es in den kommenden Jahren nach kontinuierlichem Wachstum aus.
Dauerbrenner Österreichische Post
Aufgrund der kontinuierlichen Zuwächse im Paketgeschäft in Kombination mit dem Bankenstandbein Bank99 verfügt die heimische Post über eine hohe Ertragskontinuität. Seit
2006 schüttet das Unternehmen jedes Jahr eine Dividende aus. Am 2. Mai 2024 wurden zuletzt 1,78 Euro/Aktie an die Aktionäre gezahlt, woraus bei einem Kurs von 29,85 Euro eine Dividendenrendite von knapp 6 % resultiert. Tarifanpassungen und Wahlen wirkten sich positiv auf Umsatz und Erträge in den ersten drei Quartalen 2024 aus: Bei 13,6 % Umsatzplus stieg das Ebit um 10,7 % und auch die Analysten gehen in den kommenden Jahren von soliden Erträgen aus: Von 2025 auf 2026 sollte das Ergebnis pro Aktie von 2,11 auf 2,22 Euro steigen, woraus bei einem Kurs von 29,85 Euro ein für 2026 geschätztes KGV von 13,4 resultieren würde. Die Chancen auf zukünftige Dividendenanhebungen stehen gut.
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Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

