Autor: Christian Sec. | Börsen-Kurier
Expansion, Bilanzstärkung oder Aktienrückkäufe: Wie die ATX-Konzerne ihre Gewinne einsetzen.
Laut AK-Dividendenreport 2026 schütteten die 20 ATX-Unternehmen heuer insgesamt rund 5,6 MrdE aus. Das sind 8,6 % weniger als im Vorjahr. Die auf Basis der Gewinne errechnete Ausschüttungsquote liegt heuer bei 45,4 % und fällt damit etwas niedriger aus als in den vorangegangenen Jahren. Rund die Hälfte der erwirtschafteten Gewinne verbleibt somit in den Unternehmen. Doch wird damit die Expansion vorangetrieben, die Bilanz gestärkt oder weiteres Kapital an die Aktionäre zurückgegeben?
Bauriesen setzen auf Expansion
Der Baustoffkonzern wienerberger setzte im ersten Halbjahr 2026 klar auf Expansion. 197 MioE flossen in Wachstum – 40 MioE in den Ausbau des bestehenden Geschäfts und 157 MioE in Übernahmen. Die Dividendenzahlungen beliefen sich dagegen auf 104 MioE. Damit investierte der Konzern fast doppelt so viel in organisches und anorganisches Wachstum wie er an seine Aktionäre ausschüttete.
Auch die Strabag setzte stark auf Expansion. Rund 340 MioE entfielen auf Übernahmen, weitere 360 MioE auf Sachanlagen und Immobilien. Dem standen tatsächliche Dividendenzahlungen von rund 275 MioE gegenüber. Der Konzern investierte somit etwa zweieinhalbmal so viel wie er an seine Aktionäre ausschüttete. Ausschlaggebend waren vor allem die Übernahmen der WTE-, Van-Elle- und Stumpp-Gruppe.
voestalpine und EVN stärken Bilanz
Einen anderen Schwerpunkt setzte die voestalpine: Der Stahlkonzern nutzte den Cashflow und Verkaufserlöse zur Stärkung der Bilanz. Die Nettofinanzverschuldung sank im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 um knapp 18 % auf 1,04 MrdE. Gleichzeitig verbesserte sich die Gearing Ratio – das Verhältnis von Nettofinanzverschuldung zu Eigenkapital – von 16,2 auf 12,9 %.
Auch beim Energieversorger EVN stand die Bilanzstärkung im Vordergrund. Das Unternehmen reduzierte seine Nettoverschuldung im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 um rund 61 MioE auf 1,1 MrdE. Dabei handelte es sich allerdings weniger um einen klassischen Schuldenabbau aus dem laufenden operativen Cashflow als vielmehr um die Verwendung von Erlösen aus dem Verkauf des internationalen Projektgeschäfts. Dafür erhielt EVN einen Kaufpreis von 100 MioE. Mit einer soliden Finanzstruktur will der Energieversorger auch den langfristigen Zugang zu Kapital zu attraktiven Konditionen sichern. Die Ratings von Moody’s und Scope Ratings wurden im April beziehungsweise Mai 2026 bestätigt: Moody’s vergab A1, Scope A+ – jeweils mit stabilem Ausblick.
Kapitalrückführung an Aktionäre und Mitarbeiter
Eine weitere Möglichkeit der Kapitalverwendung sind Aktienrückkäufe. Der Gewerbeimmobilienkonzern CA Immo setzte im ersten Halbjahr 2026 neben der Dividende auch auf dieses Instrument. Bis Ende Juni kaufte das Unternehmen knapp 2,45 Mio eigene Aktien zurück und wendete dafür rund 68,6 MioE auf. Das Rückkaufvolumen entsprach damit rund 80 % der Dividendenausschüttung von 82,8 MioE. Insgesamt flossen somit im ersten Halbjahr rund 150 MioE über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurück. Das Unternehmen begründete das Programm unter anderem mit dem Ziel, den Shareholder Value zu steigern.
Die Bawag Group nutzte Aktienrückkäufe hingegen nicht zur Kapitalrückführung an ihre Aktionäre. Der Konzern kaufte im Jänner und Februar 2026 eigene Aktien im Wert von 75 MioE zurück. Das Programm diente jedoch der Erfüllung von Verpflichtungen aus Mitarbeiter-Aktienprogrammen.
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