Michael Kordovsky | Börsen-Kurier
Illiquider Handel und kaum Schlagzeilen sagen wenig über Qualität der Unternehmen aus.
Sie stehen im Schatten der großen heimischen Konzerne: die Nebenwerte an der Wiener Börse. Der Börsen-Kurier zeigt vier wenig beachtete Unternehmen, denen Anleger mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.
Manner: Starke Marke, kaum Bewegung
Die Produkte des ersten Unternehmens fallen bei jedem Wocheneinkauf im Supermarkt auf und werden wahrscheinlich auch von zahlreichen Börsen-Kurier-Lesern immer wieder gekauft. Es geht um die Waffeln und Süßigkeiten von Manner.
Doch die Aktie der Josef Manner & Comp. AG unterliegt bereits einer mehr als fünfjährigen Seitwärtsbewegung an der Wiener Börse. Von 2019 bis 2024 wuchs der Umsatz um 6,9 % p.a. auf 288,4 Millionen Euro und der Gewinn je Aktie verbesserte sich von 0,73 auf 7,63 Euro. Im gleichen Zeitraum verringerte das Unternehmen den Nettoverschuldungsgrad von 90 auf 32,3 %, nachdem der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit in diesem Zeitraum von 11,3 auf 44,0 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Zudem sprang von 2023 auf 2024 die Eigenkapitalquote von 36,3 auf 47,5 %. Ein starker Ergebnisbeitrag und die Einführung eines Inlands-Factoring führten zu einem starken Cashflow.
Rückgang angekündigt
Manner zeigt darüber hinaus eine starke Preissetzungsmacht, die in der ersten Jahreshälfte 2025 bei 5,7 % Umsatzanstieg eine Verbesserung des Periodenergebnisses von 1,66 auf 2 Millionen Euro ermöglichte. Doch für das Gesamtjahr 2025 (Jahresfinanzbericht wird am 23. April veröffentlicht) dürfte es laut Ad-hoc-Meldung vom 12. Februar bei leicht gestiegenem Konzern-Umsatz einen Rückgang des konsolidierten Periodenergebnisses von 14,4 auf 4 bis 6 Millionen Euro geben. Das ist primär auf gestiegene Rohstoffkosten und Wertminderungsaufwand betreffend Manner Aserbaidschan zurückzuführen.
Unter Annahme eines Periodenergebnisses von 5 Millionen Euro errechnet sich bei einem Kurs von 105 Euro ein KGV von 39,7 verglichen mit 13,8 im Jahr 2024 – ein Wert, der unter Annahme gleichbleibender Kurse und besserer Rahmenbedingungen bis 2027 durchaus wieder erreichbar erscheint. Bis 2030 würde der nächste Kursschub durchaus plausibel erscheinen.
Warimpex: viel Substanz
Ausgebombt wirkt der Aktienkurs des Bauträgers Warimpex, der sich auf die Errichtung und den Betrieb von Hotels und Büros in Zentral- und Osteuropa fokussiert. Einem aktuellen Kurs von 0,499 Euro (per 20. Februar) steht ein NNNAV je Aktie von 1,63 Euro gegenüber.
Derzeit liegt der operative Fokus auf der Umsetzung des Projekts „MOG31“ (Mogilska 31 Living) in Krakau, dem ersten multifunktionalen Wohnbauprojekt des Unternehmens in Polen. Es umfasst bei einer Gesamtfläche von 8.000 m2 146 Eigentumswohnungen. Das jüngste Bürogebäude des Unternehmens, Projekt Mogilska 35 Office in Krakau, ist bereits vollständig vermietet. Steigende Mieteinnahmen standen in den ersten neun Monaten rückläufigen Hotelumsätzen und einem schwächeren Bauträgererlös gegenüber.
Bei einem Umsatzrückgang um 6 % auf 14,8 Millionen Euro in den ersten drei Quartalen 2025 konnte das Ebitda um 17 % auf 1,0 Millionen Euro gesteigert werden. Das Unternehmen rechnet für 2025 mit einem positiven Ergebnis aus der laufenden operativen Tätigkeit.
BKS Bank und SW Umwelttechnik
Der Aktienkurs der BKS Bank unterlag mehr als einem Jahrzehnt einer Seitwärtsbewegung, ehe es in der Pandemiezeit zu einem Einbruch kam, auf den wieder eine kräftige Erholung folgte.
Der langfristige Wachstumstrend aber stimmt: Von 2019 bis 2024 stieg der Zinsüberschuss von 135,8 auf 241,6 Millionen Euro und der Jahresüberschuss nach Steuern konnte von 92,9 auf 163,2 Millionen Euro gesteigert werden. In den ersten neun Monaten 2025 waren zwar die Zinserträge aufgrund sinkender Zinsen rückläufig, während die Verwaltungsaufwendungen um 6,1 % anstiegen. Das Periodenergebnis nach Steuern ist somit um 18,3 % auf 111,8 Millionen Euro gesunken. Doch der Anteil fauler Kredite am gesamten Kreditportfolio (NPL-Ratio) blieb mit 3,5 % überschaubar, während die harte Kernkapitalquote von 15,0 auf 14,4 % leicht rückläufig war.
Per 30. September 2025 lag der Buchwert je Aktie bei 42,7 Euro, woraus bei einem aktuellen Aktienkurs von 20,2 Euro ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,47 resultiert. Rechnet man das von 3,9 auf 3,2 Euro je Aktie gesunkene Ergebnis in den ersten neun Monaten 2025 hoch auf das Gesamtjahr, dann wären es rund 4,27 E, was einem KGV von günstigen 4,7 entsprechen würde. Der Aktienkurs hat noch Luft nach oben.
Zweiter Kärntner im Bunde
Die Klagenfurter SW Umwelttechnik notiert bereits seit 1997 an der Wiener Börse und entwickelt und produziert Betonfertigteile für den Auf- und Ausbau der Infrastruktur in Österreich, Ungarn und Rumänien. Von 2022 bis 2024 blieben die Umsätze relativ stabil. Eine rückläufige Entwicklung in Ungarn steht im Jahr 2024 Zuwächsen in Rumänien gegenüber.
Allerdings belasteten negative Fremdwährungsbewertungen das Ergebnis. In den ersten sechs Monaten 2025 war der Umsatz um 10 % auf 54,1 Millionen Euro rückläufig, während das Ebit von 3,1 auf 1,6 Millionen Euro einbrach. Effizienzmaßnahmen sollen einer derzeit rückläufigen Rentabilität entgegenwirken. Das Management rechnet allerdings ab 2026 mit einer nachhaltigen Markterholung.
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