Christian Sec | Börsen-Kurier
Der ATX Family bündelt Familienunternehmen – langfristig chancenreich, kurzfristig oft zyklisch.
19 % des weltweiten Wirtschaftsumsatzes werden von Familienunternehmen erwirtschaftet, wie eine aktuelle Studie des Wirtschaftsberaters Deloitte zeigt.
Outperformance
Familienunternehmen zeichnen sich vor allem durch Resilienz und Langlebigkeit aus. Zahlreiche Untersuchungen, etwa der UBS & PwC Global Family Business Report, weisen darauf hin, dass gründer- und familienkontrollierte Aktiengesellschaften den Gesamtmarkt über längere Zeiträume deutlich übertreffen. Dabei werden immer wieder ähnliche Gründe genannt, die besonders im Langfristvergleich für Familienunternehmen sprechen: Während angestellte Manager häufig bonusgetrieben von Quartal zu Quartal agieren, denken Familien in Generationen. Zudem zeigen Studien, dass Familienbetriebe im Durchschnitt eine höhere Gesamtkapitalrentabilität, höhere operative Margen und eine geringere Verschuldung aufweisen.
Resilienter
Untersuchungen des Handelsblatt Research Instituts und der DZ Bank kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass Familienunternehmen deutlich höhere Eigenkapitalquoten besitzen. In Krisenzeiten schützt sie das vor existenziellen Schieflagen – weshalb sie sich nach wirtschaftlichen Einbrüchen nachweislich schneller erholen. Allerdings ist auch ein Familienunternehmen nie frei von seiner Geschichte. „Bei einem Familienunternehmen ist die Familienzugehörigkeit samt der damit oft verbundenen Historie ein eigener Faktor, was zu Entscheidungsmustern führen kann, die sich teilweise deutlich von internationalen Kapitalmarktusancen unterscheiden“, erklärt Wolfgang Matejka, Assetmanager der Wiener Privatbank, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier.
Zyklische Werte
Die Börsen tragen den Besonderheiten von Familienunternehmen mit eigenen Indizes Rechnung. In Deutschland gibt es etwa den DAXplus Family Index. Beim österreichischen ATX Family Index werden Unternehmen berücksichtigt, deren Gründerfamilien sowie Vorstände oder Aufsichtsräte zwischen 25 und 75 % der Anteile halten und die im Prime Market gelistet sind.
Derzeit erfüllen 14 Unternehmen des Prime-Market-Segments der Wiener Börse diese Kriterien. Die Branchenstruktur ist stark konzentriert: Rund ein Viertel entfällt auf Anlagen- und Maschinenbau (Andritz, Palfinger), ein weiteres gutes Viertel auf das Bauwesen (Porr, Strabag) und rund 22 % auf Hardware und Ausrüstung (AT&S, Kapsch TrafficCom). Entsprechend besteht der ATX Family fast ausschließlich aus zyklischen Werten. Klassische defensive Sektoren wie Versorger oder Telekommunikation fehlen vollständig. Eine Sonderrolle nimmt das Cateringunternehmen DO & CO ein, das im Family Index enthalten ist und sich zwischen zyklischem und defensivem Geschäftsmodell bewegt.
Höhere Vola
Bei der Wertentwicklung der vergangenen fünf Jahre liegen der Leitindex ATX Prime und der ATX Family nahezu gleichauf – beide konnten ihren Wert in diesem Zeitraum beinahe verdoppeln. Allerdings mit unterschiedlichen Mustern: In der Rezession der vergangenen beiden Jahre entwickelte sich der ATX Family aufgrund seiner zyklischen Ausrichtung deutlich schwächer als der Leitindex. In den vergangenen Monaten konnte er diesen Rückstand durch eine Überperformance jedoch wieder aufholen. Die Auswahl an Finanzinstrumenten für ein Investment in den ATX Family bleibt überschaubar. Die RBI bietet derzeit übrigens ein Open-End-Indexzertifikat (ISIN: AT0000A203R6) an.
Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von:
| Jetzt 4 Wochen gratis testen |
Weitere Information der Wiener Börse:
SpaceX auch im global market handelbar
Hinweis
Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

