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Börsen-Kurier: Optimismus mit Vorsicht

Autor: Tibor Pásztory | Börsen-Kurier

OeNB: Konjunktur aufgehellt, aber Angst vor Inflation bleibt. EZB erhöht Zinsen.

Einen verbesserten Konjunkturausblick bis 2028 lieferte die Oesterreichische Nationalbank in ihrer jüngsten der in Quartalsabständen erscheinenden Interimsprognosen.

Die OeNB spricht von einem verbesserten Konjunkturausblick und nennt als Grund den gestiegenen Welthandel, allen Hindernissen wie dem weiter eskalierenden Krieg im Persischen Golf zum Trotz. Dieser Anstieg basiere auf einer vermehrten Investitionstätigkeit in Infrastruktur und Künstliche Intelligenz. Die höhere Inflation führt OeNB-Gouverneur Martin Kocher dabei nicht auf die bessere Konjunktur, sondern auf den Krieg im Golf zurück.

Erstes Halbjahr mäßiges Wachstum

Dabei, so toll scheinen die Konjunkturdaten derzeit gar nicht. Immerhin ist das erste Halbjahr aufgrund von Zöllen und geopolitischen Verwerfungen etwas weniger gut verlaufen als noch im Juni erwartet, weswegen die Wachstumsprognose für Österreich für das Gesamtjahr 2026 nun mit 0,5 % um 0,1 %-Punkte geringer ausfällt als ursprünglich erwartet. Für 2027 und 2028 erwartet die OeNB allerdings ein BIP-Wachstum von 1,3 % bzw. 1,2 %. Gleichzeitig soll die derzeit bei 3 % liegende Inflation im nächsten Jahr auf 2,3% und 2028 schließlich auf 2,2 % sinken und sich dem gewünschten Inflationsziel im Euroraum von 2 % empfindlich nähern. Dürre und hohe Temperaturen hätten sich auf die Inflation dabei kaum ausgewirkt.

Alternative Szenarien

Woher rührt also der (vorsichtige) Optimismus die Zukunft betreffend? OeNB Head of Business Cycle Analysis Section Gerhard Fenz begründet die, wie er sie bezeichnet, „aufgehellte“ Prognose mit Daten aus dem Einkaufsmanagerindex sowie einer Auswertung der im Sommer gestiegenen Lkw-Fahrleistungen. „Letztere sind trotz Trockenheit gestiegen“, bemerkt Fenz.

Dies alles gilt, wie seitens der OeNB betont wird, nur beim Anhalten der weiterhin positiven Tendenz. Neue negative Einflüsse können diese jederzeit ändern. „Dann können wir uns nächste Woche gleich anders unterhalten“, so Fenz zu anwesenden Journalisten. Aus diesem Grunde behält sich die OeNB immer noch zwei weitere Szenarien in Reserve, ein mäßiges und ein ganz negatives. Marktkommentatoren halten dies alleine schon aufgrund der auffällig optimistischen (niedrigen) Öl- und Gaspreisprognosen der EZB für notwendig.

Sollten diese nicht halten - und damit rechnet wohl die Mehrheit - stiege auch die Inflation.

Zinsentscheidungen EZB

Zinsentscheidungen EZB Wie also reagiert die EZB? Sie hat praktisch zeitgleich zur OeNB-Prognose alle drei Leitzinsen (Einlagensatz, Haupt- und Spitzenrefinanzierungssatz) jeweils um 0,25 %-Punkte erhöht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde geht es dabei um die „Glaubwürdigkeit der EZB“, so ihre Argumentation. OeNB-Gouverneur Kocher betont dabei, die Entscheidung im EZB-Rat sei einstimmig gefallen. Der Markt rechnet allerdings noch mit zwei weiteren Erhöhungsschritten bis Mitte 2027, und auch der Fed-Chef Kevin Warsh wird sich einem solchen Schritt entgegen den Wünschen Donald Trumps wohl anschließen.

Ob EZB oder Fed, ob die Zinserhöhungen die Inflation wirklich drücken können, wird sich weisen. Denn der bestimmende Faktor ist nicht eine überhitzte Konjunktur, sondern der Öl- und Gaspreis. Sollte dieser kriegsbedingt nicht sinken oder gar weiter steigen, würden als Folge auch die meisten anderen Preise steigen.

Martin Kocher, als gelernter Wirtschaftsforscher ein ausgewiesener Experte, ist sich dessen wohl bewusst und erwähnt ergo dessen, dass auch noch ganz andere Szenarien existieren.



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