Christian Sec | Börsen-Kurier
Prognosen stimmen vorsichtig positiv für die Industrie ab 2026.
Die österreichische Wirtschaft dürfte laut Wifo-Prognose „den Tiefpunkt am Jahresende 2025 durchschritten haben“. Das Bruttoinlandsprodukt soll 2025 real um 0,5 % wachsen und 2026 um rund 1,1 %. Die Erholung wird laut den Forschern vor allem durch steigende Investitionen, höhere Staatsausgaben und eine Belebung der Exporte getragen. Gerald Walek, Senior Economist der Erste Group, erwartet zudem positive Impulse aus den fiskalischen Maßnahmen der deutschen Bundesregierung.
Porr und Wienerberger mit Chancen
Auch der Baukonzern Porr rechnet laut seinem jüngsten Quartalsbericht ab 2026 mit zusätzlichen Impulsen durch das geplante deutsche Baukonjunkturpaket. Die vorgesehenen Investitionen dürften den Auftragseingang großer Infrastrukturprojekte sowie den Ausbau von Rechenzentren antreiben, wie COO Claude-Patrick Jeutter im Interview mit dem Baufachmagazin Bau.bi erklärt.
Ähnliche Chancen sehen die RBI-Analysten für Wienerberger: Das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur in Höhe von 500 Milliarden Euro eröffnet über die nächsten zwölf Jahre umfangreiche Möglichkeiten. Ab 2026 sind massive Investitionen in Verkehrs-, Wasser- und Energieinfrastruktur sowie kommunale Projekte geplant – Bereiche, in denen Wienerberger gut positioniert ist. Der margenträchtige nordamerikanische Markt bleibt hingegen laut RBI aufgrund lokaler und makroökonomischer Faktoren belastet.
AT&S: Mehr Defense
Positive Impulse erwartet auch der Leiterplattenhersteller AT&S durch die steigende Nachfrage nach Rechenzentren, insbesondere im KI- und Cloud-Bereich. Für das Geschäftsjahr 2026/27 rechnet der Konzern mit wachsender Nachfrage nach Produkten mit hoher Wertschöpfung (vor allem im Bereich generativer KI) und plant zudem einen stärkeren Fokus auf den Defense-Sektor.
Vor diesem Hintergrund erwartet AT&S für 2026/27 einen Umsatz von 2,1 bis 2,4 Milliarden Euro sowie eine Ebitda-Marge von 24 bis 28 %, was in beiden Fällen einer starken Steigerung gegenüber dem laufenden Geschäftsjahr entspricht (25/26e: 1,7 Milliarden Euro und 23 %). Die RBI weist jedoch trotz übertroffener Erwartungen 2025 weiterhin auf bestehende Liquiditätsrisiken hin.
Andritz und Voestalpine: Analysten gut gestimmt
Der Maschinenbauer Andritz stellt laut einer Analyse von ODDO einen attraktiven Investment Case dar. Als Marktführer in vielen Endmärkten profitiere der Konzern von hohen Kapitalrenditen, dem Nachhaltigkeitstrend und der steigenden Nachfrage nach Zellstoff.
Die RBI zeigt sich für den Stahlhersteller Voestalpine in den kommenden zwölf Monate vorsichtig optimistisch. Erwartet wird ein Anstieg der Stahlpreise ab dem ersten Quartal 2026 bei weitgehend stabilen Rohstoff- und tendenziell niedrigeren Energiekosten. Schwache Endmarktnachfrage und hohe Importe könnten kurzfristig jedoch auf Volumen und Margen drücken.
JP Morgan erhöhte im November das Kursziel deutlich und verweist auf erste Anzeichen verbesserter Preissetzungsmacht, insbesondere im Automobilsegment. Ein Fragezeichen steht hinter den Zoll-/Tarifunsicherheiten und der Gefahr von Handelsumlenkungen (z.B. aus China), die zusätzliche Importströme bzw. Preisdruck auslösen könnten.
Verbund: Stabilität fürs Portfolio
Für den Energieversorger Verbund beurteilt die RBI den Ausblick positiv. Sinkende Zinsen sowie strukturelle Trends wie Elektromobilität, Wärmepumpen und der steigende Strombedarf von Rechenzentren unterstützen die Branche. Der hohe Wasserkraftanteil verschafft Verbund einen Kostenvorteil gegenüber CO₂-intensiveren Mitbewerbern. Für Anleger mit Fokus auf Stabilität gilt die Aktie daher weiterhin als defensives Investment, wie die RBI in ihrer Aktienanalyse mitteilt.
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