Christian Sec | Börsen-Kurier
Steigende Energiepreise und Inflation treffen Österreichs Unternehmen unterschiedlich stark.
Der starke Energiepreisanstieg infolge des Iran-Krieges erhöhte weltweit die Inflation. Die Inflationsrate in Österreich lag im April 2026 bei 3,3 % und damit klar über dem Zwei-Prozent-Ziel der EU. Rohöl der Sorte Brent kostete im März und April durchschnittlich rund 100 USD je Barrel. Vor dem Iran-Krieg lag der Preis bei rund 70 USD. Gemäß den Terminmarktnotierungen von Anfang Mai dürften die Energiepreise noch mehrere Monate auf einem ähnlichen Niveau verharren, wie der Konjunkturbericht des Wifo zeigt. Dies könnte auch Auswirkungen auf die Unternehmen haben.
Für Wolfgang Matejka, den CIO der Wiener Privatbank, gibt es mit dem Öl- und Gaslieferanten OMV und dem Ölfeldtechnik-Spezialisten SBO klare Profiteure der höheren Energiepreise. Bei der OMV stützen steigende Öl- und Gaspreise die Ergebnisse im Upstream-Geschäft (Bereich: Förderung und Exploration). Im gleichen Atemzug könnte die SBO als Zulieferer der Öl- und Gasindustrie von höheren Investitionen in Exploration und Produktion profitieren, so der Experte.
Für den Fachmann zählt auch der Verbund zu den klaren Gewinnern, weil die Strompreise in Europa im Merit-Order-System durch das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt werden – und das sind häufig Gaskraftwerke. Wasserkraftproduzenten wie Verbund profitieren davon, weil ihre Produktionskosten vergleichsweise niedrig bleiben.
Indirekte Chancen
Auch für den Nahrungsmittelhersteller Agrana könnten laut Matejka die steigenden Energiepreise und die daraus resultierende Inflation positive Effekte haben. So könnten Energieengpässe dazu führen, dass Zuckerrohr verstärkt zur Ethanolproduktion statt zur Zuckergewinnung verwendet wird. Dadurch würde weniger Zucker auf den Weltmarkt gelangen, was die Zuckerpreise stützen und europäischen Produzenten zugutekommen könnte.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei Brasilien als wichtigster Akteur am globalen Zuckermarkt: Wird dort mehr Zuckerrohr in Ethanol gelenkt, sinkt das verfügbare Zuckerangebot für den Export. Marktbeobachter verwiesen Mitte April 2026 auf einen ungewöhnlich hohen Ethanolanteil zu Saisonbeginn sowie auf niedrigere brasilianische Zuckerexporte im zweiten Quartal.
Der Aluminiumhersteller Amag könnte laut Matejka bei einer länger andauernden Energiekrise von guten Energieverträgen in Kanada profitieren. Hintergrund ist die 20-%-Beteiligung an der kanadischen Aluminerie Alouette, deren Stromversorgung langfristig über Wasserkraft abgesichert werden soll. Damit wäre ein Teil der Primäraluminiumversorgung für Amag vergleichsweise kostengünstig und CO₂-arm gesichert, was sich vor allem bei steigenden Aluminiumpreisen positiv auswirken könnte.
Hohe Zinsen
Inflation führt meist auch zu höheren langfristigen Zinsen, was Immobilienentwickler wie CPI Europe und CA Immo belastet, wie Matejka gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt. Höhere Finanzierungskosten verteuern die Refinanzierung, zugleich erhöhen steigende Renditeanforderungen den Druck auf Immobilienbewertungen.
Der Büroimmobilienentwickler CA Immo verweist selbst darauf, dass der Zinsanstieg der vergangenen Jahre Immobilienwerte belastet hat, wenngleich zuletzt eine Stabilisierung erkennbar war. Auch bei CPI Europe (ehem. Immofinanz) stiegen die Gesamtfinanzierungskosten von rund 1,9 % im Jahr 2021 auf 3,3 % Ende 2025 an. CPI schreibt zudem im Jahresbericht, dass steigende Inflation und höhere langfristige Zinsen neben den Finanzierungskosten auch Auswirkungen auf Betriebskosten und Mieterlöse haben könnten.
Dieser Artikel wurde zur Verfügung gestellt von:
| Jetzt 4 Wochen gratis testen |
Hinweis
Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

