Christian Sec | Börsen-Kurier
Billigimporte werden zum Stresstest für Österreichs Unternehmen.
Chinesische Billigimporte haben sich in den vergangenen Jahren zu einem strukturellen Belastungsfaktor für die europäische Industrie entwickelt. Allein 2024 importierte die Europäische Union Waren im Wert von rund 520 Milliarden Euro aus China. In den vergangenen zehn Jahren sind die Einfuhrwerte aus China um mehr als 102 % gewachsen, die EU-Exporte nach China jedoch um lediglich 47 %. Wie ernst die Lage ist, zeigt der Fall des deutschen Stahlerzeugers Thyssenkrupp: Laut dem Industriemagazin führten preisaggressive asiatische Stahlimporte, begünstigt durch Subventionen und Überkapazitäten, zu deutlichen Produktionsrückgängen und Werksschließungen.
Post profitiert
„Die Zeit, in der in China und den angrenzenden Ländern ausschließlich Billigware produziert wurde, ist vorbei“, sagt Bernhard Haas, Fondsmanager des Erste Stock Vienna und Experte für den heimischen Aktienmarkt, gegenüber dem Börsen-Kurier. In vielen Bereichen hätten asiatische Anbieter qualitativ stark aufgeholt oder europäische Wettbewerber sogar überholt – insbesondere dort, wo über Jahre zu wenig in Effizienz, Automatisierung und Innovation investiert worden sei.
Für österreichische Börsenunternehmen ergibt sich daraus ein differenziertes Bild. Zu den Profiteuren dieser Entwicklung zählt laut Haas die Post, die vom stark steigenden Paketvolumen aus China profitiert. „Als Logistik-Dienstleister ist die Österreichische Post einer der Profiteure“, so Haas. Gleichzeitig nehme jedoch die Abhängigkeit von großen E-Commerce-Plattformen zu. In der EU stieg die Zahl der über Online-Plattformen bestellten Kleinsendungen mit einem Warenwert unter 150 Euro von 1,4 Milliarden im Jahr 2022 auf rund 4,6 Milliarden Stück im Jahr 2024. Rund 91 % dieser Kleinsendungen kamen 2024 aus China, wie das Europäische Parlament in einer Aussendung berichtet.
Lösungen gesucht
Ein ambivalentes Bild zeigt sich laut Haas beim Lichttechnikkonzern Zumtobel. Zwar ermöglichen günstigere Komponenten aus China niedrigere Produktionskosten, doch chinesische Fertigprodukte erhöhen den Preisdruck im europäischen Markt. „Chinesische Importe drücken hier zunehmend auf die Preise – wobei auch die lokale Konkurrenz in Europa eine Rolle spielt“, so Haas.
Besonders herausfordernd ist die Situation für den Holzfaserhersteller Lenzing. „Lenzing hat bislang noch keine wirklich überzeugende Lösung gegen die billigere chinesische Konkurrenz gefunden“, meint Haas, auch wenn die Ertragssituation, vor allem aufgrund von Effizienz- und Kostensenkungsprogrammen, verbessert werden konnte.
Zölle gegen Billigimporte
Direkter ist der Wettbewerb bei der Semperit AG Holding. Vor allem im Billigsegment spielen chinesische Anbieter eine große Rolle, weshalb das Unternehmen versucht, sich über differenziertere Produkte zu positionieren – „bislang jedoch mit gemischtem Erfolg“, meint der Fondsmanager.
Auch bei Grundstoff- und Rohstoffunternehmen wie der Voestalpine, Mayr-Melnhof oder RHI Magnesita spielen asiatische Konkurrenten eine wesentliche Rolle. Importrestriktionen wie Quotenregelungen oder Aufschläge wirken stabilisierend, chinesische Überkapazitäten beeinflussen jedoch weiterhin das globale Preisniveau. So berichtet RHI Magnesita im Halbjahresbericht 2025 von einem „hoch kompetitiven Preisumfeld“ mit Druck durch chinesische Exporteure, was die Margen herausfordert.
Aus Anleger- und Investorensicht wird der Konkurrenzdruck aus China ein strukturelles Thema bleiben. Entscheidend sei daher, ob Unternehmen konsequent in Technologie, Effizienz und Produktqualität investieren.
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