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Börsen-Kurier: Fünf aussichtsreiche Wiener Aktien

Michael Kordovsky | Börsen-Kurier

Stabile Cashflows, verlässliche Dividenden und klar definierte Strategien.

Die Wiener Börse startete dynamisch ins Jahr 2026. Und trotz moderater Konjunkturaussichten und anhaltender geopolitischer Unsicherheiten bieten einzelne Titel im ATX Prime weiterhin ein attraktives Chancen-Risiko-Profil.

Ausschlaggebend dafür sind eine über Jahre stabile Gewinn- und Cashflow-Entwicklung, klare strategische Positionierungen sowie eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik. Auf Basis langjähriger Fundamentaldaten, der Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten 2025 und aktueller Analystenschätzungen zählen die folgenden fünf Unternehmen zu den aussichtsreichsten Werten für die kommenden zwei Jahre.

Andritz AG: Profiteur der Dekarbonisierung

Der steirische Anlagenbauer zählt zu den strukturellen Gewinnern der globalen Investitionszyklen in Energie, Infrastruktur und Dekarbonisierung. Andritz hat in den Bereichen Wasserstoff-Technologien und Kohlenstoffabscheidung hervorragende Wachstumsperspektiven. Hier gibt es in Ostdeutschland bereits beeindruckende Referenzprojekte wie etwa eine Elektrolyseur-Gigafactory mit einer anfänglichen Produktionskapazität von einem Gigawatt (rund 160 bis 200 Elektrolyseuren pro Jahr) in Erfurt.

Von 2020 bis 2024 erhöhte Andritz den Umsatz von 6,7 auf 8,3 Milliarden Euro, während das Ebit von 315 auf knapp 662 Millionen Euro anstieg. In den ersten neun Monaten 2025 erzielten die Grazer einen Auftragseingang von mehr als 6,9 Milliarden Euro (+20,1 %), was eine entsprechende Auslastung für 2026 schafft. Laut MarketScreener-Konsens wird für die Jahre 2025 bis 2027 ein Anstieg des Gewinns je Aktie von 4,677 auf 6,186 E erwartet, woraus sich bei einem Kurs von 71,65 ein für 2027 geschätztes KGV von günstigen 11,6 ergibt.

Erste Group und OMV mit starker Ertragskraft

Die Erste Group gehört seit Jahren zu den profitabelsten Banken Europas. Von 2021 bis 2024 verbesserte das Institut seinen Gewinn pro Aktie von 4,17 auf 7,20 Euro und die Kosten-Ertrags-Relation von 55,6 auf 47,2 %. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich seit der Pandemie infolge höherer Zinsen die Zinsspanne verbessert hat (von 2021 bis 2024 von 2,05 auf 2,46 %). Bei einer stabilen NPL-Quote (Anteil fauler Kredite am Kreditportfolio) von 2,5 % konnte der Zinsüberschuss infolge starken Kundenkreditwachstums (von rund 218 auf knapp 228 Milliarden Euro) um 3 % auf 5.761 Millionen Euro gesteigert werden. Hinzu kommt noch ein solides Wachstum des Provisionsüberschusses, was per Saldo eine leichte Verbesserung des Periodenergebnisses auf 2.566 Millionen Euro ermöglichte.

Wichtigste Expansionsschritte waren 2025 die Übernahme von 49 % der Anteile der Santander Bank Polska und 50 % der Santander Towarzystwo Funduszy Inwestcyjnych. Analysten haben seit August 2025 ihre Gewinnprognosen für 2027 stark nach oben revidiert. Laut MarketScreener wird der Gewinn je Aktie von 2025 bis 2027 von rund 7,90 auf 10,38 E wachsen, woraus auf Basis eines Kurses von 104,90 ein für 2027 geschätztes KGV von 10,1 resultiert.

Die OMV zählt zu den verlässlichsten Cashflow-Lieferanten im ATX. Trotz zyklischer Schwankungen konnte dieser aus der Betriebstätigkeit von 2020 bis 2024 um 14,8 % p.a. auf 5.456 Millionen Euro gesteigert werden. Im gleichen Zeitraum stieg das Ergebnis je Aktie von 3,85 auf 4,25 Euro, und selbst wenn die Dividendenzahlung – wie von Analysten erwartet – von 2024 auf 2025 von 4,75 auf 4,35 Euro je Aktie sinken sollte, liegt bei einem Kurs von 49,10 Euro die Dividendenrendite noch immer bei 8,9 %. Zwar geht der Analystenschätzungskonsens (noch) davon aus, dass der Gewinn je Aktie bis 2027 auf 5,87 Euro steigt (2025: 4,15 Euro erwartet), doch revidierte Produktionsannahmen und rückläufige Erdöl- und Erdgaspreise belasten derzeit und stellen Risikofaktoren dar. Allerdings zeigt die Raffineriesparte Stärke. Strategisch reduziert OMV die Abhängigkeit vom Ölgeschäft durch den Ausbau der Chemiesparte Borealis sowie nachhaltiger Kraftstoffe.

Frequentis liefert sicherheitskritische Infrastruktur

Die Nachfrage nach Kommunikations- und Sicherheitssystemen für Flugsicherung, Verteidigung und Drohnenmanagement beflügelt Wachstum und Aktienkurs. Im ersten Halbjahr 2025 stieg der Auftragseingang um 35,6 % auf 309 Millionen Euro und der Auftragsbestand markierte ein Rekordniveau von knapp 764 Millionen Euro (+23 %). Das Unternehmen konnte von 2013 bis 2024 bei einem Umsatzwachstum von 9 % p.a. ein Gewinnwachstum von 11,2 % p.a. erzielen. Analysten erwarten, dass der Gewinn je Aktie von rund 2,08 Euro im Jahr 2025 auf etwa 2,90 Euro bis 2027 steigt. Auf Basis eines Kurses von 81,80 Euro liegt das für 2027 erwartete KGV zwar bei ambitionierten 28,2, doch bei anhaltender Wachstumsdynamik erscheint eine Fortsetzung des Höhenflugs durchaus denkbar.

AT&S mit Tech-Hebel für KI und Chips

Die Steirer positionieren sich als zentraler Profiteur des globalen Halbleiter- und KI-Investitionszyklus. Nach einer zwischenzeitlichen zyklischen Delle mehren sich im ersten Halbjahr 2025/26 (endete per 30.09.) umsatzseitig die Lichtblicke (Plus von 5,8 %).

Die Nachfrage nach IC-Substraten und der Start der Produktion des neuen Werks in Kulim in Malaysia zeigten Wirkung. Das Unternehmen rechnet mit starker und wachsender Nachfrage nach Produkten mit hoher Wertschöpfung, vor allem für generative KI. Aber auch etablierte Märkte wie Server für Firmen, PCs & Notebooks erholen sich. Hinzu kommen noch Chancen im Defense-Sektor. Konkret rechnet AT&S für das Geschäftsjahr 2026/27 mit einem Umsatz von 2,1 bis 2,4 Milliarden Euro (verglichen mit 1,59 Milliarden Euro in 2024/25) und einer Ebitda-Marge von 24 bis 28 %. Die Gewinnprognosen der Analysten drehen bereits nach oben. Ab 2026/27 sollen wieder nachhaltig schwarze Zahlen geschrieben werden und die hohen Investitionen der vergangenen Jahre könnten sich durchaus bezahlt machen.

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Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Autors wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.