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Börsen-Kurier: Der Industrie fehlen die Arbeitskräfte

Christian Sec | Börsen-Kurier

Was heimische AGs gegen den Fachkräftemangel tun.

Das Problem des Fachkräftemangels ist nicht kleiner geworden, sondern wird derzeit lediglich von geopolitischen Herausforderungen überdeckt. Denn der demografische Wandel schreitet unaufhaltsam voran: Die Bevölkerung altert, und immer weniger junge Menschen treten in den Arbeitsmarkt ein. Jedes Jahr gehen größere Kohorten der Babyboomer in den Ruhestand – ein Verlust, der von der nachfolgenden Generation nicht kompensiert werden kann. Hinzu kommt ein Kompetenzdefizit infolge der rasanten technologischen Entwicklung und Digitalisierung, wie Andreas Peichl, der Leiter des Ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen, in einem Interview mit Mercer erklärt.

Derzeit gibt es in Österreich bundesweit 64 Mangelberufe. Rechtlich werden Berufe dann so eingestuft, wenn beim Arbeitsmarktservice (AMS) im Jahresschnitt weniger als 1,5 passende Arbeitsuchende pro gemeldete offene Stelle registriert sind. Im Vorjahr waren es noch 81. Aufgrund der wirtschaftlichen Abkühlung und der gestiegenen Arbeitslosigkeit in bestimmten Branchen – vor allem am Bau und in Teilen der Industrie – stehen dem Arbeitsmarkt rein rechnerisch wieder etwas mehr Arbeitsuchende zur Verfügung. Dadurch fallen Branchen mit einer leichten Entlastung jedoch automatisch aus der vereinfachten Zuwanderungsliste für Drittstaatsangehörige heraus.

Interne Ausbildung

Der Fachkräftemangel bleibt in der Industrie vor allem bei spezialisierten technischen Qualifikationen eine Herausforderung, erklärt etwa das Unternehmen Lenzing auf Anfrage des Börsen-Kurier. Für Lenzing sei es daher entscheidend, gezielt jene Kompetenzen zu sichern und weiterzuentwickeln, die für Innovation, Transformation und langfristige Wettbewerbsfähigkeit wesentlich sind. Dazu setzt das Unternehmen auf Aus- und Weiterbildung, interne Talententwicklung und ein klares Bekenntnis zur Ausbildung junger Fachkräfte – insbesondere über das eigene Bildungszentrum BZL. Als international aufgestelltes Unternehmen profitiere man zudem davon, auf unterschiedliche Talentmärkte und eine breite Erfahrung in der Qualifizierung von Mitarbeitern an verschiedenen Standorten zurückgreifen zu können, heißt es.

Fluktuation reduzieren, Frauen fördern

Auch Andritz investiert durch Ausbildungsprogramme, Partnerschaften mit Universitäten, Praktika und Abschlussarbeiten in die nächste Generation. Weltweit sind jedes Jahr rund 700 Auszubildende in 17 Ländern bei Andritz tätig. Gemeinsam mit globalen Hochschulkooperationen sollen diese Programme den Talentpool stärken. Ein wichtiger Teil der Unternehmensstrategie ist die Bindung von Talenten durch die Senkung der freiwilligen Fluktuationsrate: Lag diese 2021 noch bei 6,5 %, konnte sie bis Ende 2025 auf 4,0 % gesenkt werden.

Ein weiterer Hebel zur Erweiterung des Talentpools ist die Erhöhung der Frauenquote. Bei der OMV lag der Frauenanteil in den Führungsentwicklungsprogrammen zuletzt bei 28,1 % (2024: 45,6 %). Im integrierten Absolventenentwicklungsprogramm von OMV Upstream für technische Kompetenzpools betrug der Frauenanteil im Jahr 2025 wiederum 28 % (2024: 36 %), während er im „Fuels & Feedstock Fresh Graduate Program“ bei 50 % lag (2024: 41 %). Die OMV unterstützt damit gezielt die Rekrutierung und Entwicklung von Frauen in technischen Positionen.

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