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Börsen-Kurier: Das Ende des billigen Geldes

Autor: Roman Steinbauer | Börsen-Kurier

Die Akzeptanz dauerhaft teurer Kreditkonditionen wird wieder wachsen müssen.

Parallel zu den anhaltenden Spekulationen an den internationalen Finanzmärkten bezüglich weiterer Zinsentscheide der Notenbanken verweisen einige große Investmenthäuser auf eine längst eingeleitete Zeitenwende.

Bereits Ende Juli publizierte die Investmentbank JPMorgan ein Arbeitspapier, wonach eine Jahrzehnte dauernde Ära des billigen Geldes endgültig zu Ende und eine Rückkehr zu wesentlich günstigeren Marktzinsen nicht mehr zu erwarten sei. Vielmehr hätten sich Investoren langfristig auf neue Gegebenheiten einzustellen. Der New Yorker Finanzdienstleister, der nach Bilanzsumme zugleich das größte Bankinstitut der Vereinigten Staaten darstellt, verkündete damit wörtlich das „Ende einer Ära“. Die Makro-Ökonomen des Instituts gehen künftig von einem Rahmen für US-Leitzinsen von 4 bis 5 % aus.

Schulden und Alterung belasten

Als strukturelle Ursache gelte JPMorgan zufolge die Kombination aus einer breiten alternden Bevölkerungsschicht und einer weltweiten Staatsverschuldung, die mitt-lerweile umgerechnet 85 BioUSD übertreffe. Dazu geselle sich nicht nur eine allgemeine nachlassende Finanzdisziplin. Auch die Verbindlichkeiten dominierender Technologiekonzerne, die bis jetzt für die Errichtung von Datenzentren mehr als 300 MrdUSD aufgenommen hätten, erhöhten den Druck.

Insgesamt seien dies Faktoren, die die Zinskosten auf Jahre hinaus hochhalten dürften. Hatten sich die Finanzmärkte seit der Wirtschaftskrise der Jahre 2008/09 an die niedrigen Kreditkonditionen „gewöhnt“, setze erst jetzt ein Prozess ein, der zu einer Akzeptanz der teureren Bedingungen führe.

Kapitalhunger als permanenter Faktor

Mittelfristig sieht auch Rachel Baxter, Kredit-Analystin und Portfolio-Managerin für festverzinsliche Wertpapiere des Vermögensverwalters Vanguard Group, drei entscheidende Punkte, die weiter-hin Aufwärtsdruck auf Kreditkosten ausüben.

Wie Baxter in einem Bloomberg-Interview am 14. September betonte, gelten dabei die Verpflichtungen der Regierungen der westlichen Welt sowie Japans und Chinas, die steigenden Kosten aufgrund der Alterung der Bevölkerung zu finanzieren, als gesicherter Beleg für einen hohen Kapitalbedarf. Parallel dazu beanspruchen höhere Ausgaben für den Verteidigungs- und Rüstungssektor die Budgets. Des Weiteren sähen sich etliche Volkswirtschaften genötigt, Investitionen in die KI-Infrastruktur zu erhöhen. Im Umfeld dieser Belastungen der Anleihenmärkte erhöhe eine über dem Zielwert der Zentralbanken befindliche Inflation das Risiko von Fehlentscheidungen durch die Währungshüter selbst.

Als hohe Zinsen normal waren

Ein Rückblick über zwei Generationen hinweg zeigt allerdings, wie sehr sich die Wahrnehmung hoher Kreditkonditionen mit der Zeit veränderte.

Im Zuge galoppierender Inflationsschübe kamen nach 1980 die Leitzinssätze - ausgehend von mehr als 18 % (!) - bis 1990 nicht unter 6 % zu liegen. Und abgesehen von einigen Quartalen bewegte sich der US-Tagesgeldzinssatz im Interbankenhandel (Federal Funds Rate) zwischen 8 % zu Beginn des Jahrzehnts und 5 % im Jahr 1999.

Im Zuge der Dotcom-Krise der Technologiewerte wurden seitens der Fed die Leihgeldkonditionen nach dem Jahrtausendwechsel erstmals bis auf 1 % reduziert, um bis zur Subprime-Krise 2008 noch einmal auf über 5 % zu klettern. Seit damals etablierte sich bis 2022 ein zuvor nicht gekanntes „Nullzins-Regime“.

Erst langsam zeichnet sich ein Prozess ab, der wirtschaftliche Kalkulationen den neuen Prämissen unterstellt.



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