Autor: Michael Kordovsky | Börsen-Kurier
Starke Kursgewinne treffen im ATX auf weiterhin attraktive Bewertungen.
Der ATX liegt 2026 rund 25 % im Plus und markierte am 6. August bei 6.780 Punkten ein neues Jahreshoch. Spitzenreiter AT&S kommt auf mehr als 345 %.
Im Juni vereinbarte der Konzern mit AMD und einem weiteren Kunden den Ausbau von High-End-IC-Substratkapazitäten für KI und High-Performance Computing. Kundenzusagen sollen Investitionen von 1,5 bis 2,0 MrdE tragen. Zugleich wurde der Ausblick 2026/27 auf 45 bis 55 % währungsbereinigtes Umsatzwachstum erhöht. Nach der Kursvervielfachung ist mit einem von Analysten geschätzten KGV 2027/28 von 15,7 bereits viel Zukunft vorweggenommen. Doch bei Eintritt der Prognosen bestehen Chancen auf weitere Kursgewinne.
Bei RBI ist der Anstieg fundamental breiter unterlegt. Ohne Russland stieg der Halbjahresgewinn um 25 % auf 708 MioE. Das Kreditportfolio ist solide, da der Anteil notleidender Kredite (NPE-Quote) sogar auf niedrige 1,6 % zurückging. Hinzu kommt eine CET1-Quote ohne Russland von 15,5 %. Auf Expansion im Kerngeschäft deuten die geplante Übernahme von Garanti BBVA Romania und das Addiko-Übernahmeangebot hin.
Auch Voestalpine lieferte bessere Zahlen. Effizienzsteigerungsmaßnahmen ermöglichten im ersten Quartal 2026/27 einen Anstieg des Ebitda um 37 % auf 495 MioE, wobei rund 100 MioE an Einmaleffekten anfielen. Der Nettogewinn legte um 85 % auf 196 MioE zu. Durch den konsequenten Abbau des Nettoumlaufvermögens und die Veräußerung von Böhler Profil verringerte sich die Nettoverschuldung binnen Jahresfrist um 29 % auf 1,04 MrdE.
Wo noch Luft bleibt
Die Bawag bleibt operativ stark. Der Halbjahresgewinn stieg um 19 % auf 487 MioE. Die Effizienz des Instituts hat sich weiter verbessert und die CET1-Quote erreichte solide 17,4 %. Die geplante PTSB-Übernahme für rund 1,6 MrdE soll nach drei Jahren den Gewinn je Aktie um mehr als 20 % erhöhen. Bawag kann sie nach eigenen Angaben vollständig selbst finanzieren.
Bei Wienerberger besteht nach jüngsten Kursrückgängen Aufholpotenzial. Der Q2-Umsatz stieg um 13 % auf 1,41 MrdE, aber das operative Ebitda sank wegen schwacher Wohnneubaumärkte von 253 auf 230 MioE. Positiv: Mehr als 60 % der Umsätze stammen inzwischen aus den weniger zyklischen Segmenten Infrastruktur und Renovierung. Zudem rechnet der Analystenkonsens von MarketScreener für 2027 und 2028 wieder mit zweistelligen Zuwächsen beim Gewinn je Aktie.
Palfinger steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 2,3 % auf 1.166 MioE, aber das Ebit sank um 7 % auf 84 MioE. Lichtblicke sind Großaufträge über mehr als 100 MioE in den vergangenen Monaten und ein Effizienzprogramm mit 25 MioE nachhaltigen Einsparungen ab 2027. Für 2026 werden Umsatz und operatives Ergebnis über dem Vorjahresniveau angestrebt, und Analysten rechnen 2027 und 2028 wieder mit Zuwächsen beim Gewinn je Aktie. Laut MarketScreener läge bei einem Kurs von 30,95 E das für 2028 geschätzte KGV bereits bei günstigen 7,7.
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