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Wiener Börse News

Aktuelle Marktanalyse: „Ampel auf Gelb“

Stefan Maxian

Aktienmärkte blicken auf ein insgesamt schwaches 2018 zurück. Dabei fiel der Jahresauftakt im Vorjahr im Zuge der Euphorie rund um die Effekte aus der US-Steuerreform und der dadurch in die Höhe schnellenden US-Gewinnwachstumsschätzungen noch sehr stark aus. Auch Eurozone-Aktienindizes notierten zu Jahresbeginn auf oder in der Nähe von ihren Allzeithöchstständen, welche sie in weiterer Folge nicht mehr erreichen sollten. Ab Februar machte sich hingegen Katerstimmung breit. Die Stimmung drückten unter anderem die rückläufigen Gewinnwachstumsschätzungen, „hawkishere“ Töne seitens der Fed, enttäuschende Konjunkturdaten und der Streit um den Budgetpfad zwischen Italien und der EU-Kommission. Die Abwärtsdynamik nahm nicht zuletzt aufgrund des von der Trump-Regierung angezettelten Handelskonflikts zu.

Auch der Wiener Aktienmarkt konnte sich diesem Trend nicht entziehen und musste ähnlich seinem deutschen Pendant im Vorjahr einen Kursrückgang von 18 % hinnehmen und blieb damit auch hinter dem breitem Europäischen Markt (Eurostoxx 50: -12 %) zurück. Während bis Dezember der ATX noch mit dem Eurostoxx mithalten konnte, waren im letzten Monat des Vorjahres die Indexschwergewichte Erste Group und OMV durch die Ankündigung einer hohen Bankensteuer in Rumänien und dem deutlichen Verfall des Ölpreises belastet.

An der Spitze der ATX Kursliste stand im letzten Jahr die Aktie von Verbund, welche unterstützt durch die Strompreisentwicklung rund 84 % zulegen konnte, gefolgt von Do&Co mit +71 % bedingt durch Zuschläge bzw. Verlängerung wesentlicher Catering-Verträge und CA Immo mit +7 %. Am unteren Ende der Performancestatistik standen voestalpine (-47 %), AT&S (-35 %) und SBO (-32 %).

Auf Basis einer Gewinnwachstumserwartung von 7 % für das aktuelle Jahr notiert der ATX auf einem KGV Bewertungsniveau von rd. 10x. Dies ist deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von rund 12x und spiegelt die Erwartung weiterer Gewinnrevisionen bzw. die zuletzt abnehmende Visibilität bezüglich der Auftragslage in einigen Branchen (z.B. Autozulieferer) wider.

Bedingt durch das günstige Bewertungsniveau können Gegenbewegungen recht stark ausfallen. So zeigt der ATX seit Jahresbeginn ein Plus von rd. 6 %. Wir erwarten kurzfristig eine Fortsetzung der Markterholung, da das Konjunkturbild und die bevorstehende Berichtsaison durchaus positiv ausfallen und nicht Anlass zu deutlichen Gewinnrevisionen bereiten sollten.

Das konjunkturelle Umfeld sollte sowohl in Österreich wie auch in CEE weiterhin für Rückenwind sorgen, allerdings mit abnehmender Dynamik. So erwarten wir für 2019e bzw. 2020e in Österreich ein BIP-Wachstum von 1,7 % und 1,4 %, in der CE Region (PL, HU, CZ, SK, SL) jeweils 2,5 % und in der SEE Region (HR, BG, RU, SE, BH, AL, KO) jeweils 2,7 %.

Eine aktuell in Österreich diskutierte Steuerreform könnte für weitere positive Konjunkturimpulse sorgen und im Fall einer Reduktion der Körperschaftssteuer (evtl. nur für nicht entnommene Gewinne) auch für 2020 oder 2021 zu einer stärkeren Gewinndynamik führen.

Für ein Anhalten der Erholungsbewegung sprechen derzeit auch bereits sehr negative Stimmungsindikatoren und der Volatilitätssprung Ende Dezember, welche oftmals mit den Tiefs in Korrekturen einhergehen. Im zweiten Halbjahr sollten unserer Meinung nach aber die Wachstumssorgen wiederkehren, zumal wir für 2020 in den USA von einer hohen Rezessionsgefahr ausgehen. Konsequenterweise dürfte sich das Aktienmarktbild in Antizipation einer signifikanten Wachstumsabkühlung dann abermals eintrüben.


Autor:
Mag. Stefan Maxian
Vizepräsident der ÖVFA
Head of Department Company Research
Raiffeisen Centrobank AG
10. Jänner 2019

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Hinweis

Die Wiener Börse AG verweist ausdrücklich darauf, dass die angeführten Informationen, Berechnungen und Charts auf Werten aus der Vergangenheit beruhen, aus denen keine Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung oder Wertbeständigkeit gezogen werden können. Im Wertpapiergeschäft sind Kursschwankungen und Kapitalverluste möglich. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Analysten wieder und stellt keine Finanzanalyse oder Anlageempfehlung der Wiener Börse AG dar.

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