Meinl-Reisinger in Kanada: Treffen mit Amtskollegin Anand geplant
"Partnerschaft mit EU" im Fokus - Außenministerin besucht in Ottawa Wasserkraftwerk der Firma Andritz und Carleton University
"In einer Welt, die sich geopolitisch neu sortiert, wird Kanada für Europa immer wichtiger", hieß es im Vorfeld der Reise seitens des Außenministeriums (BMEIA). Kanada hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend von den USA abgewandt und der EU angenähert. Hintergrund der Entfremdung sind die Verhängung aggressiver Strafzölle, geopolitische Provokationen und Eingriffe in die wirtschaftliche Souveränität durch US-Präsident Donald Trump.
Nach dem Erfolg der Demokraten bei den Midterms am Dienstag (Ortszeit), die von Beobachtern auch als Denkzettel für Trump interpretiert wurden, machte sich in Kanada laut Medienberichten vorsichtiger Optimismus breit, dass sich die Dynamik bei der US-Handelspolitik einschleifen könnte. Doch warnen Experten und Regierungsberater vor der Annahme, dass ein von Demokraten kontrollierter Kongress automatisch alle Strafzölle, etwa auf Stahl oder Aluminium, aufheben wird. Mitunter werden auch Befürchtungen laut, dass Trump nach der Wahlniederlage der Republikaner noch aggressiver agieren und unter Umständen versuchen könnte, Kanada eine Mitschuld am Debakel seiner Partei zuzuschieben.
Bereits vor der Wahl hatte es Spannungen gegeben. Vorwürfe des aus den Reihen der Republikaner stammenden US-Botschafters in Ottawa, Pete Hoekstra, Kanada mische sich in die Midterms ein, wehrte Premierminister Carney dezidiert als "völlig haltlos" ab. Die sogenannte Einmischung sei lediglich Kanadas legitimes Recht gewesen, Handelsabkommen abzulehnen, die nicht den Interessen des Landes entsprechen würden.
Erster Besuch nach Kanada-EU-Gipfel in Montréal
Meinl-Reisinger ist die erste Chefdiplomatin, die Ottawa nach dem Kanada-EU-Gipfel besucht, der vergangene Woche in Montréal abgehalten worden war. Bei dem zweitägigen Summit schmiedeten die Europäische Union und Kanada eine "Allianz für die Zukunft". Beide Seiten brachten zahlreiche neue Projekte auf den Weg. Sie sollen etwa die Abhängigkeit von Großmächten wie China und den USA bei Künstlicher Intelligenz (KI) und kritischen Rohstoffen reduzieren.
Die NEOS-Politikerin, die Sonntag früh nach Wien zurückkehren wird, unterstütze die angestrebte Vertiefung der Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und Kanada ausdrücklich, wird seitens des BMEIA betont. "Mit dem Handelsabkommen CETA wurde ein Rahmen für den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen geschaffen, von dem auch österreichische Unternehmen profitieren können, die in Kanada in den Bereichen Infrastruktur, grüne Energien und Zukunftstechnologien bereits stark vertreten sind."
Besuch von Andritz-Wasserkraftwerk in Ottawa
In Ottawa besucht die NEOS-Politikerin das Wasserkraftwerk Chaudière Falls der österreichischen Firma Andritz, das 20.000 Haushalte mit Strom versorgt. Auch bei Verteidigung, Energieversorgung und kritischen Abhängigkeiten wollen beide Seiten künftig stärker zusammenarbeiten.
Im Zuge der politischen Gespräche sollen daher "Bereiche für eine vertiefte wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit sowie multilaterale Kooperationsmöglichkeiten" erörtert werden, zumal Österreich in der Periode 2027/28 einen nichtständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat einnehmen wird. Das nordamerikanische Land teile "unsere Werte und Interessen", hieß es weiters seitens des BMEIA.
"Zusammenarbeit mit der EU soll weiter wachsen"
"Deshalb soll die Zusammenarbeit mit der EU sicherheitspolitisch wie wirtschaftlich weiter wachsen." Für Österreich gehe es dabei um sehr konkrete Dinge, etwa um neue Märkte für heimische Betriebe, stabile Lieferketten und "einen verlässlichen Verbündeten für unsere Sicherheit".
Meinl-Reisinger wird am Samstag auch eine Keynote an der Norman Paterson School of International Politics an der Carleton University in Ottawa halten und sich mit Studierenden austauschen. Die Universität lädt regelmäßig internationale Politikerinnen und Politiker zum Austausch, im Vorjahr etwa den finnischen Präsidenten Alexander Stubb.
Enge Kooperation in internationalen Organisationen
Österreich und Kanada arbeiten eng in internationalen Organisationen zusammen und teilen grundsätzliche Ansichten in Bereichen wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Klimaschutz. Die diplomatischen Beziehungen gehen im Grunde über erste honorarkonsularische Vertretungen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Aufgrund der stark ansteigenden Migration aus der Habsburgermonarchie wurde von der Monarchie Österreich-Ungarn 1902 in Montreal ein von Berufsdiplomaten geführtes reguläres Konsulat eröffnet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1952 formelle diplomatische Beziehungen aufgenommen. 1958 folgte die Eröffnung einer österreichischen Botschaft in Ottawa. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Kanada in Wien eine Vertretung etabliert.
Stabile Wirtschaftspartner
Kanada ist ein stabiler Wirtschaftspartner. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2025 bei rund 2,3 Milliarden Euro, wobei österreichische Exporte nach Kanada knapp 1,7 Milliarden Euro und Importe aus Kanada knapp 670 Millionen Euro ausmachten. Der Fokus lag dabei in den Branchen Maschinen- und Kraftfahrzeugbau und erneuerbare Energien. Zudem bilden Holz-, Forst- und Metallprodukte eine wichtige Säule. Etwa 200 österreichische Unternehmen sind in Kanada aktiv.
ed/tes
ISIN AT0000730007
WEB http://www.andritz.com
www.neos.eu
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Quelle: APA
