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Triste wirtschaftliche Lage auch heuer österreichweit manifest

04.06.2025, 13:21:00

Bank Austria: 2024 lediglich in Wien minimales Wachstum - Heuer zum Teil weitere BIP-Rückgänge erwartet, etwa beim "Schlusslicht Kärnten" mit minus 1,1 Prozent

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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: Reaktionen aus Wien (Ludwig und Ruck, vorletzter Absatz)
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Ökonomen der UniCredit-Bank-Austria haben die
Wirtschaftsentwicklung der Bundesländer analysiert. Sie bestätigen
die triste ökonomische Lage, denn 2024 hat es gesamtstaatlich trotz
einer globalen Stabilisierung den zweiten Rückgang des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Folge gegeben, ein Wachstum nach
Bundesländern nur in Wien. In allen Ländern stieg die
Arbeitslosigkeit. Die Aussichten sind heikel, Industrie und Bau
leiden weiter. Und: US-Präsident Donald Trump verunsichert.
Auch das Wachstum in Wien fiel mit plus 0,4 Prozent gegenüber
2023 minimal aus. In allen anderen Bundesländern steht ein Minus vor
der Entwicklung. In Oberösterreich und Kärnten gab es mit minus 2,7
bzw. minus 2,4 Prozent den größten Rückgang. Dahinter folgten
Vorarlberg (minus 1,8 Prozent), Niederösterreich (minus 1,7
Prozent), Burgenland (minus 1,0), Steiermark (minus 0,8), Salzburg
(minus 0,7) und Tirol (minus 0,5 Prozent).
Industrieregionen besonders gedämpft
"Wie schon 2023 erlebten die Industrieregionen erneut einen
Dämpfer, ohne signifikante positive Impulse aus dem
Dienstleistungsbereich", so UniCredit-Bank-Austria-Chefökonom Stefan
Bruckbauer. Die Wertschöpfung am Bau brach um 4,4 Prozent ein, jene
in der Industrie um 5,5 Prozent. Nur die Pharmaindustrie wuchs
stark, ein Mini-Plus verzeichnete die Metallverarbeitung. Sonst gab
es in allen Industriebereichen eine Stagnation oder zum Teil immense
Rückgänge.
Investitionen gingen insgesamt deutlich um 3,4 Prozent zurück, am
Bau sogar um 5,4 Prozent - vor allem wegen des dahindümpelnden
Wohnbaus. Besonders negativ betroffen waren hier das Burgenland und
Kärnten. "Die gedämpfte Nachfrage im Wohnbau aufgrund hoher
Baukosten und höherer Zinsen belastete die Baukonjunktur massiv", so
Robert Schwarz, Ökonom bei der UniCredit-Bank-Austria. Auch der
Handel bremste die Konjunktur in allen Regionen.
Wirtschaft schrumpft, Arbeitslosigkeit steigt
Die österreichische Wirtschaft schrumpfte 2024 insgesamt um 1,2
Prozent. Der private Konsum stagnierte, der öffentliche Konsum
stützte mit einem Plus von 1,6 Prozent. Die Nettoexporte
verzeichneten auch neuerlich ein Plus. Grund dafür waren etwas
stärker sinkende reale Importe als Exporte. Der
Dienstleistungssektor verzeichnete einen leichten Anstieg der
Wertschöpfung, was sich vor allem auf die Lage in Wien positiv
auswirkte, etwas aber auch im Burgenland. Tirol und Salzburg
hingegen waren von einer schwachen Tourismus-Wertschöpfung
betroffen.
Die Arbeitslosenquote stieg österreichweit um 0,6 Punkte von 6,4
Prozent auf 7,0 Prozent im Jahresdurchschnitt 2024. Den prozentuell
stärksten Anstieg gab es in Oberösterreich. Auch in Wien und der
Steiermark war das Plus überdurchschnittlich. Wie 2023 verzeichnete
Salzburg mit 4,2 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote, Wien mit
11,4 Prozent die mit Abstand höchste. Trotzdem gab es in der
Bundeshauptstadt das stärkste Beschäftigungswachstum von 1,0
Prozent.
Österreichweit wuchs die Beschäftigung nur um 0,1 Prozent,
Rückgänge gab es in Oberösterreich (minus 0,7 Prozent), Steiermark
und Kärnten (jeweils minus 0,3 Prozent), Niederösterreich (minus 0,2
Prozent) und Burgenland (minus 0,1 Prozent). Der öffentliche Sektor
und der Bereich Informationstechnologie stützten das Wachstum, das
in Tirol und Salzburg immerhin auch je 0,7 Prozent erreichte und in
Vorarlberg stagnierte. Die Arbeitslosenquote steigt heuer und
kommendes Jahr auf 7,5 Prozent, so die weitere Erwartung.
Drittes Rezessionsjahr in Folge, "Schlusslicht Kärnten"
Zu den Aussichten schreiben die Bank-Experten zwar von einer
schrittweisen Konjunkturverbesserung. "Living in a Trump-World"
bedeute aber große Unsicherheiten, spielen sie auf die erratische
(Zoll-)Politik des US-Präsidenten an. Heuer wird für die
Alpenrepublik mit dem dritten Rezessionsjahr in Folge gerechnet, die
Prognose zeigt minus 0,2 Prozent. Erst 2026 wird wieder ein Wachstum
von 1,1 Prozent gesehen.
Immerhin wird für fast alle Bundesländer heuer mit einem höheren
Wachstum als 2024 gerechnet. Das stärkste Plus - und das ist kein
Großes - wird für Wien und Burgenland mit je 0,4 Prozent erwartet.
Trist schaut es mit dem "Schlusslicht Kärnten" aus, wie es die Bank
Austria formuliert, hier wird ein weiterer Rückgang von 1,1 Prozent
erwartet.
Wien "Place to be"
In wirtschaftlich derart schwierigen Zeiten freut dann in der
Hauptstadt freilich schon das vorige und neu prognostizierte kleine
Wachstum. "Der Wiener Weg, der sozialen Zusammenhalt mit
wirtschaftlicher Stärke verbindet, wirkt", kommentierte
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Wirtschaftskammer-Wien-Chef
Walter Ruck: "Auch wenn die Zeiten für Unternehmen nicht so leicht
sind. Wien ist für Wirtschaftstreibende der Place to be."
Inflation heuer weiter deutlich über 2,0 Prozent
Die Inflationsaussichten (VPI) beziffert die Bank Austria für
heuer mit 2,5 und für kommendes Jahr mit 1,9 Prozent. Zielwert der
EZB sind 2,0 Prozent. Die öffentliche Verschuldung klettert weiter
von 84,7 Prozent heuer auf 86,4 Prozent kommendes Jahr.
phs/cgh
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Quelle: APA