"IPO Spotlight" – gemeinsam mit Trending Topics sprechen wir mit Expertinnen und Experten aus Österreich und Deutschland über den Weg von Unternehmen und Scale-ups an die Börse.
Wer an den europäischen Kapitalmarkt denkt, hat meist Aktien im Kopf. Dass der Anleihenmarkt in Europa eigentlich deutlich größer ist, wissen die wenigsten – und genau darin sieht das Grazer Unternehmen CMTA seine Chance. Das 2017 gegründete Fintech will den traditionell telefongetriebenen und stark fragmentierten Fixed-Income-Markt mit Software und Daten aufbrechen. Und hat dabei konkrete Pläne, eines Tages als gelistetes Unternehmen an der Wiener Börse zu landen.
IPO Spotlight mit Christoph Müller von CMTA direkt anhören:
Was CMTA macht: Digitaler Zugang zum Anleihenmarkt
CMTA ist als daten- und softwaregetriebenes Unternehmen im institutionellen, außerbörslichen Anleihenhandel tätig. Das Unternehmen richtet sich ausschließlich an Geschäftskunden und deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab: Es begleitet Emittenten bei der Strukturierung und Platzierung von Anleihen, betreibt eine Handelsplattform für den Sekundärmarkt um Liquidität und Transparenz zu schaffen und stellt anderen Marktteilnehmern dafür seine Infrastruktur als Service zur Verfügung.
Das Herzstück des Unternehmens ist eine KI-gestützte Softwareplattform namens James. Diese analysiert in Sekundenschnelle tausende Portfolios und berechnet, welche Anleihe für welchen Investor geeignet ist – basierend auf regulatorischen Vorgaben, Risikoprofilen und Portfoliostrukturen.
Das Geschäftsmodell von CMTA gliedert sich in drei Bereiche. Erstens das transaktionsbasierte Geschäft, bei dem CMTA als Intermediär auftritt und am Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis einer Anleihe verdient. Zweitens die Emissionsbegleitung: Emittenten, die sich über den Anleihenmarkt finanzieren möchten, erhalten datenbasierte Analysen zu Marktumfeld, Strukturierungsvarianten und Platzierungschancen. Drittens Infrastructure as a Service – andere Marktteilnehmer können die regulatorische und technische Infrastruktur von CMTA nutzen und zahlen dafür wiederkehrende Gebühren.
Aktiengesellschaft von Anfang an, mit Blick nach vorne
CMTA ist bereits seit der Gründungsphase als Aktiengesellschaft strukturiert. Müller betont, dass das keine Zufallsentscheidung war, sondern eine strategische Weichenstellung mit Blick auf spätere Kapitalmarktoptionen.
„Da die AG für uns in Bezug auf spätere Kapitalmarktoptionen der CMTA immer das Go-To-Vehicle war, haben wir uns entschieden, das einfach von Anfang an zu lernen, eine gute AG zu sein“, sagt CEO Christoph Müller.
Die Struktur als AG bringe Vorteile in der Reputation, in der Governance und in der Transparenz gegenüber Investoren. Gleichzeitig habe das Unternehmen dadurch frühzeitig gelernt, mit den Anforderungen von Aufsichtsrat, Aktionären und Vorstand professionell umzugehen.
IPO in zwei bis drei Jahren: Erst der europäische Rollout, dann der Börsengang
Ein Börsengang ist für CMTA kein fernes Szenario, sondern ein konkretes Ziel. Müller sieht den IPO als logischen nächsten Schritt in der Entwicklung des Unternehmens – allerdings erst nach dem erfolgreichen Abschluss des europäischen Rollouts.
„Wir möchten das jetzt die nächsten zwei, drei Jahre erfolgreich in sämtlichen europäischen Märkten umsetzen. Dann haben wir aus unserer Sicht einen Wert und einen Moment in der Reife des Unternehmens erreicht, wo ein IPO sehr schön zur Geschichte passen kann und wo das Unternehmen und spätere Aktionäre einen schönen Einstiegszeitpunkt finden“, so Müller.
Als Gründe für einen Börsengang nennt er mehrere Faktoren: „Ein IPO schafft Liquidität für Frühinvestoren, für Mitarbeiter, für Kernaktionäre. Es erleichtert die Kapitalaufnahme auch in weiterer Folge.“
Wiener Börse: „Einer der größten Anleihe-Listingplätze weltweit“
Als möglichen Börsenplatz hat CMTA die Wiener Börse bereits konkret ins Auge gefasst. Müller verweist dabei nicht nur auf die regionale Verbundenheit, sondern auch auf eine weniger bekannten Stärke des Wiener Marktplatzes.
„Die Wiener Börse ist nicht nur ein international vernetzter, hochinteressanter Marktplatz. Die Wiener Börse ist tatsächlich einer der größten Anleihe-Listingplätze weltweit. Das ist, denke ich, sehr vielen nicht bewusst“, sagt der CMTA-CEO.
Die Wiener Börse listet jedes Jahr viele zehntausend Anleihen aus der ganzen Welt, was sie zu einem idealen Partner für ein Unternehmen wie CMTA mache, das selbst im Anleihenmarkt verwurzelt ist. Müller sieht darin eine natürliche Überschneidung der Ökosysteme.
„Da wir das Ökosystem des österreichischen Kapitalmarktes für uns nutzen, aber auch ein vitaler Teil davon sind, hat es für uns immer viel Sinn gemacht, den Gedanken von Anfang an sauber durchzuspielen.“

