Raja Korinek | Börsen-Kurier
Turbulenzen werden die Märkte noch länger prägen, Chancen sollten gezielt genutzt werden.
Der Antritt des US-Präsidenten Donald Trump zu seiner zweiten Amtszeit hat tiefe Spuren auf den internationalen Märkten hinterlassen. Allein der Liberation Day am 2. April, an dem höhere Zölle verkündet wurden, löste einen Crash aus. Es war zugleich der Startschuss für den Abwärtstrend beim US-Dollar. Europäische Aktien hatten begonnen, den US-amerikanischen Pendants davonzuziehen.
Einzig, völlig überraschend kamen die hohen Schwankungen nicht, konstatiert Anita Frühwald, Country Head Austria & CEE bei der BNP Paribas Asset Management, im Gespräch mit dem Börsen-Kurier. „Die meisten Investoren hatten mit Trumps Aktionen gerechnet.“ Letztendlich hätten sich viele der „Sorgenkinder“, so etwa eine Rezession aufgrund des US-Handelskonflikts, aber auch eine Eskalation im Nahostkrieg, ohnedies nicht materialisiert. Frühwald mahnt jedoch vor Euphorie: „Eine erhöhte Volatilität dürfte uns noch länger begleiten, wenngleich wir insgesamt mit einem positiven Trend an den Börsen rechnen.“
Zollverschiebung verunsichert
Damit dürfte die langjährige Expertin recht behalten. Allein die Ankündigung Trumps, die EU-Zölle in Höhe von 15 %, die am 1. August hätten in Kraft treten sollen, um eine Woche zu verschieben, löste erneut ein Verkaufswelle aus. Dabei dürften die Zölle zahlreiche große europäische Exporteure eher treffen, ein Umstand, der allmählich der Outperformance europäischer Aktien der vergangenen Monate einen Dämpfer verpassen dürfte. Dennoch sollten Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben allein in Deutschland eine Stütze vor allem in den entsprechenden Sektoren bieten.
Frühwald nennt zudem Eigenschaften, die ihr am US-Markt besonders gefallen. Dazu zählen die niedrigeren Energiepreise, Deregulierung aber auch der Fiskalstimulus. Tatsächlich sieht Trumps jüngstes Steuerpaket – das „One Big Beautiful Bill“ – jede Menge Vergünstigungen vor. Auch weitere Unternehmensübernahmen sollten zu einem insgesamt positiven Umfeld beitragen. Vor allem die US-Technologiebörse Nasdaq steht dabei im Fokus. „Der Technologiesektor ist vom Zollstreit weniger betroffen, da die Umsätze mit Dienstleistungen erzielt werden.“ Auch die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) sieht Frühwald als wichtigen Treiber. Schon jetzt macht sich dies in den Zahlen bemerkbar.
KI ist der Wachstumstreiber
So vermeldete Microsoft gute Geschäfte mit Produkten zur Nutzung von KI. Im Geschäftsjahr 2024/25 verdiente der Konzern insgesamt 102 MrdUSD, ein Plus von 16 % im Jahresvergleich. Die Suchmaschine Google setzt inzwischen auf einen KI-Assistenten. Und Apple zeigt sich offen für Zukäufe im Bereich der KI. Der iPhone-Hersteller musste zugleich eine KI-Version der Sprachassistentin Siri auf 2026 verschieben.
Doch auch der Blick auf die Emerging Markets kann sich lohnen. An der Börse im Reich der Mitte könnte ebenfalls der Technologiesektor die Nase vorne haben.
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