Lea Schweinegger | Börsen-Kurier
Die Experten der UniCredit Bank Austria blicken in die nahe Zukunft unserer Wirtschaft.
Nicht ohne Folgen werden die aktuellen Einschränkungen unseres sozialen Lebens laut Einschätzung der UniCredit bleiben. Hatte man im Sommer noch Hoffnung, einen zweiten harten Lockdown in Österreich verhindern zu können, so hat ein massiver Anstieg neuer Covid-19-Fälle im Herbst ein nochmaliges „Zusperren“ - bei uns und in ganz Europa - unumgänglich gemacht. Damit einher geht natürlich auch eine Reduktion des wirtschaftlichen Aktivitätsniveaus in vielen Bereichen. Aber: „Auch wenn der erneute Lockdown für manche Branchen in Österreich ähnlich stark ausfällt wie im Frühjahr, zeigen die Aktivitätsniveaus in Österreich einen etwas geringeren Einbruch“, so Bank-Austria-Chefvolkswirt Stefan Bruckbauer in einer virtuellen Pressekonferenz vergangene Woche. Ähnliches kam zuletzt auch von der Oesterreichischen Nationalbank, und auch aus Deutschland (der Börsen-Kurier berichtete) war zu hören, dass sich aufgrund des relativ niedrigen volkswirtschaftlichen Anteils der Branchen Gastronomie, Reise und Tourismus sowie der staatlichen Unterstützungsmaßnahmen der Gesamtschaden in Grenzen halten wird.
Rezession im vierten Quartal
Auch wenn per 7. Dezember die Maßnahmen teilweise wieder aufgehoben wurden, wird laut Bruckbauer die heimische Wirtschaft im vierten Quartal 2020 erneut in eine leichte Rezessionsphase eintreten. Da die Ökonomen der UniCredit Bank Austria erwarten, dass der Lockdown mehr oder weniger in den meisten Ländern Europas bis zum Beginn des Frühjahrs 2021 anhalten wird, wird sich im ersten Quartal dann auch die wieder abschwächende Industriekonjunktur mit einem leichten BIP-Rückgang bemerkbar machen. „Mit Frühlingsbeginn und erst recht über den Sommer ist dann aber mit einer deutlichen Belebung der Wirtschaft sowohl in Österreich als auch in den meisten Ländern Europas zu rechnen“, so der Hoffnungsschimmer.
Hoher Tourismusanteil in Österreich hemmt
In Bezug auf negativ betroffene Branchen steht Österreich im internationalen Vergleich aufgrund des hohen Anteils des Tourismus schlechter da. „Mit dem hohen Tourismusanteil an der österreichischen Wirtschaftsleistung dürfte Österreich in den kommenden Jahren ungünstigere Wachstumsvoraussetzungen als etwa Deutschland, Frankreich oder die Schweiz haben“, so Bruckbauer. Er sieht es für die österreichische Wirtschaft als ausgesprochen wichtig, dass die Politik „mit einer das Wachstum stützenden Politik“ zusätzliche Impulse setzt.
Erholung hält an
Grundsätzlich hält die Industrieerholung aber trotz des zweiten Lockdowns an. Auch wird die globale Erholung ab dem Frühjahr über die Exportwirtschaft den Aufschwung in Österreich unterstützen, ist man sich sicher.
Zu rechnen sei nach einem BIP-Rückgang von 7,5 % im Jahr 2020 mit einem Aufholprozess mit Wachstumsraten von 3,1 % 2021 und 5,2 % 2022. Gebremst könnte das Aufschwungstempo durch die für Österreich typische hohe Sparquote beziehungsweise durch eine Zurückhaltung bei Investitionen werden. Die Inflation soll in Österreich unter der Marke von 2 % bleiben. Ein weiterer Hoffnungsschimmer: Auch die Arbeitslosenquote soll in Österreich von 10 % im Jahresdurchschnitt 2020 auf 9,6 % 2021 und 8,7 % 2022 sinken.
In diesem Umfeld, so Bruckbauer, ist mit weiterer Unterstützung durch die EZB-Geldpolitik zu rechnen. Zinssenkungen werde es bis Ende 2022 aber keine geben und Zinserhöhungen natürlich erst recht nicht.
Unterstützung durch Digitalisierung
Auch die Ökonomen der UniCredit Bank Austria gehen davon aus, dass mittelfristig die Trends wieder in den Vordergrund rücken werden, die bereits vor der Pandemie bestimmend waren. So etwa die Digitalisierung, die in der Krise auch bei uns einen Schub erfahren hat, oder das Thema nachhaltiges Wirtschaften, das vorerst in den Hintergrund getreten ist. Allerdings erwarten sie, dass auch die globalen Handelskonflikte wieder zunehmen werden.
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