Börsen-Kurier
Der Branchenumsatz soll bis zum Jahr 2024 um bis zu 50 % steigen.
Die Corona-Pandemie dominiert weiterhin die Life-Science-Branche und fordert Gesundheitssystemen, Gesellschaften und Volkswirtschaften weltweit weiterhin eine Menge ab. Durch beispiellose Anstrengungen und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Arzneimittelentwicklern und Zulassungsbehörden wurden im Jahr 2020 mehrere prophylaktische Impfstoffe mit hohem Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil entwickelt.
Doch auch über die Impfstoff-Entwicklung hinaus haben die US-amerikanische FDA und andere Zulassungsbehörden während der Pandemie weltweit ihre Arbeit fortgesetzt. Allein in den USA wurden im vergangenen Jahr mehr als 50 neue Medikamente zugelassen. Daniel Koller, der das Investment Team der Schweizer BB Biotech AG leitet, erwartet gegenüber dem Börsen-Kurier auch für den weiteren Verlauf dieses Jahres eine beachtliche Anzahl weiterer Zulassungen: „Für die Zulassungsbehörden und Medikamentenentwickler war die Lernkurve während der Pandemie steil - und wir hoffen, dass sie zukünftig aus dieser intensiven Zeit Nutzen ziehen können.“
Mit einer geschätzten jährlichen Wachstumsrate im zweistelligen Bereich gehört der Biotechsektor zu den interessantesten Industrien überhaupt. In den kommenden drei Jahren dürfte der globale Branchenumsatz von 190 auf 289 Mrd. USD steigen. Inzwischen stammt jedes zweite Medikament aus Biotechlaboren und viele Branchenvertreter zeichnen sich durch eine starke Umsatz- und Gewinndynamik aus. Daneben lassen die Übernahmeaktivitäten in der Branche auf mittlere bis und lange Sicht beträchtliches Bewertungspotenzial zu.
Ebenso wird in diesem Jahr mit einer steigenden Zahl klinischer Entwicklungsprojekten gerechnet, die eine zunehmende Anzahl an Produktzulassungen nach sich zieht. Große Fortschritte sind etwa bei vielen Projekten in der klinischen Entwicklung wie beispielsweise bei der Behandlung von Onkogenen und onkogenen Mutationen zu erwarten. Zudem steht nach Einschätzung von Koller bei zahlreichen immunonkologischen Programmen die baldige Veröffentlichung wichtiger Daten an, die sich zukünftig positiv auf die Stimmung in der Branche und das Anlageverhalten von Investoren auswirken dürften. Beachtliche Fortschritte werden weiterhin bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems erzielt, etwa bei zahlreichen genetisch bedingten Erkrankungen wie der Huntington-Krankheit.
Biotech-Sektor: Hauptprofiteur von Künstlicher Intelligenz
Neue Technologien werden in den kommenden Jahren eine zusätzliche Rolle als Innovationstreiber spielen. „Der Biotech-Sektor gilt als einer der Hauptprofiteure von Künstlicher Intelligenz“, bringt es der promovierte Biotechnologe Koller auf den Punkt, „so erfordert die pharmazeutische Forschung das Analysieren umfangreicher Datenmengen, um Krankheiten zu verstehen und neue Medikamente zu entwickeln“.
In der Tat sind die Biowissenschaften einer der reichhaltigsten Bereiche in Bezug auf Datenvielfalt, und -zugänglichkeit - angefangen bei der genetischen Information eines Virus bis zu von Patienten gewonnenen Biomarkern. Diese Fülle an ständig wachsenden Informationen macht es zum perfekten Terrain für die Anwendung von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI), die auf qualitativ hochwertige Datensätze angewiesen sind. KI kann überall in der Wertschöpfungskette der Medikamentenentwicklung eingesetzt werden.
Der Großteil der Aufmerksamkeit im Bereich der KI liegt derzeit auf der Forschungsphase, in der neue Moleküle entworfen werden. Für den Bellevue-Biotech-Experten Koller ist Relay Therapeutics ein solches Beispiel, wo der Zugang zu einzigartiger Rechenleistung dem Unternehmen einen Vorteil beim Verständnis der Molekulardynamik verschafft. In ähnlicher Weise nutzt Black Diamond Therapeutics fortschrittliche Analytik, um die Auswirkungen verschiedener Mutationen auf ein onkologisch relevantes Protein-Target zu verstehen. Koller glaubt, dass Künstliche Intelligenz Hand in Hand mit menschlichen Experten arbeiten muss: „Maschinenlernende Systeme sind relativ neu in der Forschung, ideal ist eine sorgfältige Balance zwischen experimentellen und rechnerischen Ansätzen.“
Geht es um die Auswahl der Aktien, legt Investmentchef Koller großen Wert auf starke Fundamentaldaten. Zudem sollten die Firmen einen klaren Fokus darauf haben, neue Therapien auf den Markt zu bringen. Zusätzlichen Wert bei der Bewertung von KI-bezogenen Biotech-Unternehmen misst er mit seinem Team auch der verwendeten Technologie bei.
Bisweilen sei es ein einzigartiger Datensatz von hoher Qualität, manchmal sei es die Recheninfrastruktur, die das Unternehmen vom Rest abhebe. „Wichtig ist, auf diesem sich schnell entwickelnden Gebiet der KI auf dem Laufenden zu bleiben“, so Koller. Dafür sei es notwendig, die neueste Literatur zu lesen und die Anwendung der Technologie in der Medikamentenentwicklung kritisch zu betrachten.
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