Autor: Michael Kordovsky | Börsen-Kurier
Die Handelsströme verschieben sich, das globale Wachstum bleibt jedoch robust.
US-Präsident Trump verschärfte zuletzt den Handelskonflikt mit Kanada. Seit 29. September sind unter anderem bestimmte kanadische Alkohol- und Milchprodukte sowie Motorräder mit mehr als 800 ccm von der Einfuhr in die USA ausgeschlossen. Schon zuvor hatte Washington auf ausgewählte kanadische Waren zusätzliche Zölle von bis zu 50 % verhängt. Ottawa reagierte seinerseits ab Anfang September mit Gegenzöllen von 15, 25 und 50 % auf US-Waren im Wert von umgerechnet rund 17 MrdE. Somit bleibt die Handelspolitik selbst innerhalb Nordamerikas ein großer Unsicherheitsfaktor.
Oder ein anderes Beispiel: Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO hatte bis Mitte September 80 Angriffe auf die internationale Schifffahrt in und um die Straße von Hormus seit Beginn des Nahostkonflikts verifiziert. Und auch im Roten Meer kam es im Juli und August erneut zu Angriffen auf Handelsschiffe.
Handel wächst – Gewichte verschieben sich
Trotz dieser enormen geopolitischen Verwerfungen zeigt sich der Welthandel bislang allerdings relativ widerstandsfähig. Vollständige Daten der großen Weltwirtschaftsorganisationen reichen zwar erst bis zum ersten Quartal (als der weltweite Warenhandel real um 3,2 % gegenüber dem Vorjahr zunahm), aktuellere Frühindikatoren sprechen jedoch auch nicht für einen Einbruch: Der WTO Goods Trade Barometer stieg im Juli auf 102,0 Punkte und signalisiert damit ein über dem Trend liegendes Handelsvolumen. Besonders stark entwickelte sich der Handel mit elektronischen Komponenten, getragen von der Nachfrage im Zuge von KI-Investitionen. Auch die Auftragseingänge im Export deuteten auf weiteres Wachstum hin. OECD-Daten bestätigen die robuste Entwicklung: Im zweiten Quartal stiegen die Warenexporte der G20 gegenüber dem Vorquartal um 5,9 %, die Importe um 6,7 %. Auch der Handel mit Dienstleistungen legte weiter zu.
In der Eurozone zeigt sich gleichzeitig eine deutliche Verschiebung zwischen Exporten und Importen. Von Jänner bis Juli stiegen die Warenausfuhren in Länder außerhalb des Euroraums gegenüber dem Vorjahreszeitraum lediglich um 1,2 % auf 1.763,6 MrdE, die Einfuhren aber um 5,8 % auf 1.746,6 MrdE. Dadurch schrumpfte der kumulierte Handelsüberschuss von 92,8 auf nur noch 17,0 MrdE. Im Juli allein lagen die Exporte allerdings 9,0 % und die Importe 7,9 % über dem Vorjahresmonat.
Auch in den USA ergibt sich ein gemischtes Bild. Nach den am 6. Oktober veröffentlichten Daten der Bundesbehörden Census Bureau und BEA stiegen die Waren- und Dienstleistungsexporte von Jänner bis August gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,8 %, die Importe um 4,4 %. Das Handelsdefizit verringerte sich dadurch kumuliert um 19,9 %. Im August selbst weitete es sich jedoch deutlich aus, weil die Importe stärker zulegten als die Exporte. Besonders die Einfuhr von Industrie- und Kapitalgütern zog an.
China meldet ebenfalls kräftig steigende Handelswerte. In den ersten acht Monaten 2026 legte der Außenhandel in Yuan gerechnet um 17,6 % zu. Die Exporte stiegen um 14,6 %, die Importe sogar um 22,0 %. Allein im August lagen die Ausfuhren 18,6 % und die Einfuhren 21,7 % über dem Vorjahresniveau.
Fazit
Bislang sprechen all diese Daten folglich nicht für einen Einbruch des Welthandels. Sie zeigen aber, wie unterschiedlich sich Handelsströme zwischen den großen Wirtschaftsräumen entwickeln.
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