Christian Sec | Börsen-Kurier
Klimawandel zwingt Unternehmen zu Anpassungen und neuen Geschäftsfeldern.
Die Verbund AG weist in ihrem aktuellen Geschäftsbericht darauf hin, dass der Klimawandel einen wesentlichen Einfluss auf Geschäftsmodell und Strategie haben kann. Aufgrund des rund 90-prozentigen Anteils der Wasserkraft ist das Unternehmen besonders anfällig für Trockenperioden, da eine geringe Wasserführung die Stromerzeugung und Effizienz beeinträchtigt. So verlor Verbund kürzlich sein A+ Rating; die Herabstufung auf A wurde unter anderem mit schwächeren Kennzahlen infolge staatlicher Eingriffe sowie dem deutlichen Rückgang des operativen Cashflows von 3,3 auf 1,9 MrdE im Jahr 2025 begründet. Gleichzeitig betont das Unternehmen, dass die niedrige Wasserführung 2025 kein struktureller Trend infolge des Klimawandels sei. Langfristig erwartet Verbund ein stabiles Wasserdargebot, allerdings mit klimabedingten Veränderungen wie mehr Regen statt Schnee und häufigeren Extremereignissen.
Strategisch reagiert der Konzern mit dem Ausbau von Wind- und Photovoltaikprojekten und verfolgt das Ziel, bis 2030 rund 25 % der Stromerzeugung aus diesen Technologien zu erzielen; seit 2021 wurde die Produktion aus Wind und Solar bereits von rund 840 GWh auf mehr als 2.100 GWh gesteigert.
Unbestritten ist jedoch nicht nur, dass die steigenden Durchschnittstemperaturen zu häufigeren Hitze- und Dürreperioden führen, die die Wasserverfügbarkeit beeinflussen. Steigende Hitzetage erzeugen auch zusätzliche Nachfrage nach Kühlung und Fernkältelösungen, wie die EVN berichtet. Die EVN nutzt dabei die vorhandene Wärmeinfrastruktur aus Fernwärme, um auch klimafreundliche Kühlung aus Biomasse anzubieten, wie z.B. für Spitäler, wie dem Universitätsklinikum Krems.
Prävention statt Versicherungsfall
Im langjährigen Schnitt belaufen sich die versicherten Schäden im Bereich der Naturkatastrophen in Österreich auf über 1 MrdE pro Jahr. Für die Versicherer, die in den vergangenen Jahren mit erhöhten Schadensfällen im Zuge von Hochwasserkatastrophen und anderen Naturkatastrophen konfrontiert waren, wird daher Prävention und Anpassung immer wichtiger und entwickelt sich zu einem neuen Geschäftsfeld.
Uniqa hat daher mit dem Aufbau der Uniqa Sustainable Business Solutions ein neues Geschäftsfeld etabliert. Seit 2024 bietet der Versicherer Risiko- und Gefahrenanalysen sowie Empfehlungen zur Anpassung an den Klimawandel für Firmenkunden an.
Zu den Klimarisiken ist die Meinung der Versicherungen unisono, dass in Zukunft das Umweltrisiko nicht mehr allein durch die Privatwirtschaft gestemmt werden kann und es eine Symbiose zwischen Privatwirtschaft und Staat brauche, weil bald viele Risiken nicht mehr bepreisbar sein werden, was wiederum zu einer Versicherungslücke in der Gesellschaft führt, die möglicherweise wiederum von der Gemeinschaft in irgendeiner Form aufgefangen werden muss.
Neue Geschäftsfelder für Ölfeldprofi
Auch bei Schoeller-Bleckmann sind die Schritte zu neuen Geschäftsfeldern aufgrund des fortschreitenden Klimawandels mehr als nur allgemeine ESG-Rhetorik. Der Hersteller von Hochpräzisionsteilen für die Ölfeld-Service-Industrie baut mit seiner Strategie 2030 ein neues Segment auf, um auch außerhalb des Kerngeschäfts zu wachsen. Dabei sind die Ambitionen groß. 2025 wurde das Ziel in Zahlen gegossen. SBO will den Umsatz bis 2030 auf 900 MioE steigern, davon 200 MioE aus neuen Geschäftsfeldern, und hebt in diesem Zusammenhang u.a. die Geothermie hervor.
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