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Börsen-Kurier: Strategien: Von Bevorratung bis Recycling

Christian Sec | Börsen-Kurier

Wie sich Industriekonzerne gegen Rohstoff-Engpässe absichern.

Bei zwölf der 17 strategischen Rohstoffe ist die Versorgung in der EU mitunter stark gefährdet, wie eine Analyse des Kontext-Instituts auf Basis von Daten des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) zeigt. Bei knapp der Hälfte dieser Rohstoffe ist China für Österreich das Land mit der höchsten Importabhängigkeit.

Österreichs Exportwirtschaft ist davon direkt betroffen: Laut der Analyse sind mehr als die Hälfte der österreichischen Jahresexporte auf kritische Rohstoffe angewiesen. Besonders exponiert sind die Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie. Laut Medienberichten prüft die EU derzeit den Aufbau strategischer Vorräte an wichtigen Mineralien wie Wolfram, Gallium, Seltenen Erden, Magnesium, Germanium und Graphit. Ziel ist es, die Abhängigkeit von China zu verringern und die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger gegen Lieferengpässe, Handelskonflikte und geopolitischen Druck zu machen.

Die Bevorratung ist auch Teil der Strategie des Stahlkonzerns Voestalpine zur Sicherung der Rohstoffversorgung. Das Vorhalten von Vorräten an kritischen Rohstoffen – etwa Eisenerz und metallurgischer Kohle – trägt dazu bei, kurzfristige Versorgungsengpässe zu überbrücken, schreibt der Konzern in seinem aktuellen Geschäftsbericht.

Integration oder Zukauf

Der Aufbau von Lagerbeständen ist allerdings nur eine von mehreren Möglichkeiten, die Resilienz gegenüber Lieferkettenstörungen zu erhöhen. Der Technologiekonzern Andritz schloss mit ASTA Energy Solutions eine langfristige Liefervereinbarung bis 2031 ab. Damit sichert sich das Unternehmen inmitten globaler Verknappungen den Zugriff auf geschäftskritische Kupferleiterlösungen und stärkt so den weltweiten Ausbau von Turbogeneratoren für die Energieinfrastruktur gegen mögliche Lieferausfälle. Eine weitere Strategie besteht darin, vorgelagerte Wertschöpfungsstufen zu erwerben (vertikale Integration) und dadurch selbst zum Rohstofflieferanten zu werden. Das ist insbesondere dann von Vorteil, wenn die Weltmarktpreise eines Rohstoffs – etwa infolge geopolitischer Krisen – stark ansteigen. RHI Magnesita baut in diesem Zusammenhang Magnesit und Dolomit unter anderem in Österreich, Brasilien, der Türkei und China in eigenen Bergwerken ab.

Recycling als Lösung

Neben der Diversifizierung der Lieferquellen gewinnt vor allem das Recycling zunehmend an Bedeutung, um Unternehmen unabhängiger von immer fragileren globalen Lieferketten zu machen. Katharina Rogenhofer, Vorständin des Think-Tanks Kontext, erklärt dazu: „Die Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen ist für Europa und Österreich nur erreichbar, wenn wir alle Hebel der Kreislaufwirtschaft nutzen: von der Reduktion der Nachfrage über Materialeffizienz und Langlebigkeit bis hin zu Wiederverwendung und Recycling.“

Bei der Voestalpine sinkt etwa durch den schrittweisen Rückgang des Einsatzes von Kohle und Koks auch der Bedarf an Eisenerz, indem der Anteil von recyceltem Stahlschrott gezielt erhöht wird.

Die Kupferrecyclinganlage des Leiterplattenherstellers AT&S in Leoben wiederum wurde für eine maximale Kapazität von einer Tonne pro Tag ausgelegt. Im Geschäftsjahr 2025/26 lag die tatsächliche Tagesleistung jedoch bei nur 250 Kilogramm. Das ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn der gesamte Kupferbedarf des Unternehmens beträgt mehr als 3.000 Tonnen. Immerhin stammt mittlerweile aber rund die Hälfte des eingekauften Kupfers aus Recycling.


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