Autor: Michael Kordovsky | Börsen-Kurier
Supranationale Entwicklungsbanken bieten hohe Kupons – doch der Wechselkurs entscheidet.
Hohe Zinsen in brasilianischem Real, türkischer Lira oder südafrikanischem Rand sind kein Geschenk. Bei Anleihen supranationaler Entwicklungsbanken treffen die Bonität international gestützter Emittenten und die Risiken der jeweiligen Währung aufeinander. Wer in Euro rechnet, kann trotz pünktlicher Zins- und Tilgungszahlungen verlieren. Bei Triple-A-Entwicklungsbanken dominiert deshalb oft der Wechselkurs.
Viele Staaten, unterschiedliche Aufgaben
Die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD) beispielsweise ist der ursprüngliche Kern der Weltbank. Sie finanziert vor allem Länder mit mittlerem Einkommen. Ihre 189 Mitgliedsländer haben umgerechnet insgesamt rund 297 MrdE Kapital gezeichnet, davon 21 MrdE eingezahlt und 276 MrdE bei Bedarf abrufbar. Das Credit-Rating erreicht die höchste Stufe, nämlich Aaa bei Moody’s und AAA bei S&P.
Die International Finance Corporation (IFC) finanziert dagegen Privatunternehmen. Sie gehört 186 Staaten und ist ebenfalls mit Aaa bzw. AAA bewertet.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) entstand 1991 zur Unterstützung des wirtschaftlichen Wandels nach dem Ende der Planwirtschaft. Heute ist sie auch außerhalb Europas aktiv. Eigentümer sind 77 Staaten sowie die EU und die Europäische Investitionsbank. S&P, Moody’s und Fitch bewerten sie alle mit der Höchstnote.
Die 1964 gegründete Afrikanische Entwicklungsbank (AfDB) finanziert wiederum Infrastruktur, Wachstum und Integration auf dem Kontinent. Hinter ihr stehen 81 Mitgliedstaaten. Ihre regulären vorrangigen Verbindlichkeiten genießen ebenfalls AAA-Bonität.
Die lateinamerikanische Entwicklungsbank CAF mit 24 staatlichen Anteilseignern fördert regionale Infrastruktur und Entwicklung. Hier reicht das Rating von AA– bei Fitch über Aa1 bei Moody’s bis AA+ bei S&P.
Warum auch Staatsanleihen ausfallen können
Die historische Bilanz ist bemerkenswert: Für die genannten großen Entwicklungsbanken ließ sich auch in längeren Recherchen des Börsen-Kurier kein dokumentierter Zahlungsausfall einer regulären vorrangigen Anleihe feststellen. Eine Ausfallgarantie ist das natürlich auch nicht. Kapitalreserven, konservative Refinanzierung, Gläubigervorrang bei Kreditnehmern und abrufbares Mitgliedskapital stärken aber die Kreditqualität. Dass Staaten ihren Förderbanken selbst Zahlungen schuldig bleiben können, ist davon zu unterscheiden.
Auch Staaten mit langer Kredithistorie bieten historisch betrachtet keine absolute Garantie. Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff erfassten in einer Langzeitstudie (über 8. Jahrhunderte bis 2006) für Frankreich und Deutschland sowie deren jeweilige Vorgängerstaaten (bzw. Staatengebilde) jeweils acht historische Zahlungsausfälle beziehungsweise Umschuldungen bei Auslandsschulden. Diese sind aber nicht mit acht Ausfällen moderner Bundesanleihen gleichzusetzen. Größe schützt also nicht vor Finanzkrisen. Der Vergleich mit heutigen Entwicklungsbanken hat jedoch Grenzen.
Der Dollar als Risikofaktor
Die hohen lokalen Zinsen spiegeln häufig Inflation, Geldpolitik, Haushaltslage und Risikoprämien. Der brasilianische Real (BRL) reagiert zusätzlich auf Fiskalpolitik und Rohstoffpreise, die türkische Lira (TRY) auf Inflation, Notenbankpolitik und Vertrauen, der südafrikanische Rand (ZAR) auf Kapitalströme und Rohstoffe. Beim mexikanischen Peso (MXN) sind US-Konjunktur und Zinsdifferenz bedeutsam; der kolumbianische Peso (COP) hängt auch am Ölmarkt, die indonesische Rupiah (IDR) an Außenfinanzierung und Importkosten.
Studien der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigen, dass steigende US-Renditen vor allem zusammen mit einem festeren Dollar und höheren US-Laufzeitprämien Mittelabflüsse und Währungsabwertungen in Schwellenländern auslösen können. Ein schwächerer Dollar kann die Finanzierungsbedingungen dagegen entspannen. Die US-Realzinsen beeinflussen die Attraktivität von Dollaranlagen, sind allein aber kein verlässlicher Wechselkursindikator. Eine Rolle spielen auch die Zinsdifferenzen, Inflationserwartungen sowie länderspezifische und geopolitische Risiken. Selbst hohe Kupons können durch kräftige Währungsabwertungen binnen kurzer Zeit aufgezehrt werden.
Die ausgewiesenen Renditen bis Laufzeitende reichen von 8,46 % bei der Rand-Anleihe bis 37,6 % beim Lira-Papier. Diese Werte beziehen sich auf die jeweilige Anleihewährung und sind nicht mit einer gesicherten Euro-Rendite gleichzusetzen. Entscheidend sind Kaufkurs, Restlaufzeit, Handelbarkeit und der Wechselkurs zum Euro bei Rückzahlung.
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