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Börsen-Kurier: Schlüsselmonat an den Börsen steht bevor

Autor: Roman Steinbauer | Börsen-Kurier

Der September als entscheidende Phase für Inflation und Leitzinsen.

Parallel zu weiter anziehenden Gewinnen der Aktiengesellschaften zeichnen sich durch den Einsatz der KI-Technologie weitere Produktivitätssteigerungen ab. Der Börsenstimmungsindikator der Bank of America, der Bull- &-Bear-Indikator, bewegt sich demnach mit 9,4 Punkten auch auf extrem positivem Terrain. Da dieser euphorische Wert allerdings einen Kontra-Indikator darstellt, löste er erstmals seit 2021 ein Verkaufssignal aus.
In dieser Phase naht eine Richtungsentscheidung. So zeigte sich die Chef-Ökonomin der Marktanalyse-Gesellschaft Wolfe Research, Stephanie Roth, am 27. Juli in einem Bloomberg-Interview davon überzeugt, der September werde an den Finanzmärkten Klarheit bringen. Dabei könnten für einen Teil der weit auseinanderklaffenden Portfolio-Positionierungen negative Überraschungen lauern. 

Kritischer Punkt

Im Gegensatz zu den Vorjahren sieht Roth den kommenden Monat als entscheidend. Er soll den Pfad der Inflationstrends und der Leitzinsen vorgeben. Zudem bestehe Potenzial für stärkere Verschiebungen der Währungsrelationen. Roth: „Der September wird der kritische Punkt für die Frage, ob die US-Notenbank die Zinsen heuer noch erhöhen wird oder nicht. Obwohl der Preisdruck aktuell nicht akut ist, mehren sich innerhalb der Fed die Stimmen, die die Zinsen straffen wollen.“ Die Fed schiele dabei besonders auf den Personal Consumption Expenditures Price (PCE) Index. Dieser monatlich publizierte Index, der im Juli auf Jahresbasis bei 3,67 % lag, umfasst im Gegensatz zum US-Verbraucherpreisindex (CPI, Consumer Price Index) nicht nur die Kostenänderungen für Waren und Dienstleistungen privater Haushalte. Er bietet zudem ein Gesamtbild des Konsumverhaltens und spiegelt damit bei Preisanstiegen rascher die Nachfrage wider. 

Blick auf die Toleranzschwelle

Roth merkte im Detail an: „Liegen die PCE-Zahlen bis September unter dem Satz von 2,5 %, ist dies für die Märkte ein entspannendes Signal. Liegen sie darüber, treten generell veränderte Szenarien zutage.“ Sollte im September eine monetäre Straffung erfolgen, erhöhe sich der Statistikabsolventin der Columbia University nach die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im Dezember. Laut Roth verursache der Einfluss des Ölpreises im Zuge des Krieges zwischen den USA und dem Iran zwar kurzfristig Schwankungen. Doch werde dieser gegenüber langfristigen Faktoren wie der Lohnentwicklung weithin überschätzt. 
Nebenbei bestritt sie, die US-Notenbank stehe unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh unter dem Einfluss der Regierung in Washington, und ergänzte: „Die Fed bleibt unabhängiger als die meisten noch kürzlich glaubten.“

Aktivitäten an der Nebenfront

Dass die Interessen der Regierung bei den US-Währungshütern dennoch nicht ganz ignoriert werden, ist an den jüngst konzertierten Eingriffen der Fed und der Bank of Japan am Devisenmarkt abzulesen (um den Abwertungsdruck des Yen gegenüber der US-Devise zu stoppen, Anm.). Denn einerseits befeuert die Schwäche der japanischen Devise die dortige Inflation durch höhere Importkosten der Rohstoffe, andererseits höhlt sie auch die Zollstrategie der Regierung in Washington gegenüber dem wichtigen fernöstlichen Handelspartner aus. 

Bestätigende Hinweise

Der Präsident der Fed von New York, John Williams, zeigte sich am 3. August im Rahmen des „Economic Clubs“ der Ostküstenmetropole in einer Stellungnahme hinsichtlich einer graduellen Abnahme des Preisdrucks optimistisch. Trete dieser Fall aber nicht ein, werde die Fed laut Williams nicht zögern, die Leitzinsen anzuheben, um sicherzustellen, dass der Zielwert einer Inflation um 2 % wieder in greifbare Nähe rückt.



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